Fußball-Oberliga SV Atlas will nach Negativlauf nicht in Panik verfallen

Von Frederik Böckmann

Ins Straucheln geraten: Dominik Entelmann (Mitte) und der SV Atlas holten zuletzt nur zwei Punkte aus drei Spielen. Gelingt nun am Sonntag bei Lupo Martini Wolfsburg die Wende? Foto: TobisIns Straucheln geraten: Dominik Entelmann (Mitte) und der SV Atlas holten zuletzt nur zwei Punkte aus drei Spielen. Gelingt nun am Sonntag bei Lupo Martini Wolfsburg die Wende? Foto: Tobis

Delmenhorst. Nach der Pleite gegen den TuS Sulingen war der Unmut bei einigen Fans des SV Atlas Delmenhorst groß. Trainer Jürgen Hahn hat das Ausmaß der Kritik überrascht. Im Oberliga-Auswärtsspiel beim Aufstiegskandidaten Lupo Martini Wolfsburg muss der SVA einige Leistungsträger ersetzen.

Auch zwei Tage nach der frustrierenden Vorstellung gegen den TuS Sulingen war die Enttäuschung bei Jürgen Hahn über die 0:2 (0:1)-Niederlage nicht verklungen. Doch der Trainer des SV Atlas Delmenhorst wollte nicht mehr zu sehr mit dem nicht mehr änderbaren Ergebnis hadern, sondern betrieb natürlich schon wieder seine gedankliche Analyse und Vorbereitung für das schwere Oberliga-Auswärtsspiel am Sonntag (15 Uhr) beim Titelkandidaten Lupo Martini Wolfsburg.

Der Rückblick auf den ernüchternden Mittwochabend und die verpassten Big Points im Abstiegskampf fiel bei Hahn, Mannschaft und dem Vorstand nicht nur auf Grund der Pleite indes etwas anders aus als gewohnt. Denn die bereits während des Spiel von Teilen der Fans von der Tribüne artikulierte Unzufriedenheit (unter anderem: „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“) und die später auch in den sozialen Medien geäußerte Kritik fiel so groß aus wie wohl nie zuvor in der Ära Hahn. „Kritik ist normal. Und mit sachlicher Kritik kann ich auch etwas anfangen“, sagt der SVA-Coach. Dennoch habe er die Unmutsbekundungen „verwundert“ registriert. „Wir hatten viereinhalb Jahre Sonnenschein, jetzt sind zum allerersten Mal die Wolken aufgezogen, mit denen ich eigentlich schon in der Landesliga gerechnet hatte“, sagt Hahn: „Wir sind jetzt in der Realität angekommen. Das ist Oberliga. Das ist nun unser Alltag.“

Vom Ausmaß der Kritik nach der Niederlage gegen den TuS Sulingen war Jürgen Hahn etwas überrascht. Foto: Rolf Tobis

Gleichwohl möchte Coach Hahn die Leistungen aus den vergangenen drei mageren Heimspielen gegen SSV Vorsfelde (1:1), MTV Gifhorn (2:2) und vor Sulingen nicht schönreden. Die Verunsicherung in der Abwehr und die Harmlosigkeit hat Hahn sehr wohl erkannt, er nennt aber auch mehrere Gründe.

Der Ausfall von Musa Karli als kreatives Element in der Offensive ist unübersehbar, und ein Aspekt, weswegen das Offensivspiel lahmt. Außerdem stellen die Gegner stellen sich besser auf Atlas ein und laufen beispielsweise die im Aufbauspiel schwächeren SVA-Verteidiger geschickt an. Dazu gibt es im Kader mehrere Akteure, die angeschlagen sind oder keinen guten Fitnesszustand haben. Und, was Hahn auch einräumt, ist die Qualitätsfrage: „Einige Spieler stoßen jetzt in der Oberliga eben an ihre Grenzen.“

Nicht gelten lassen möchte Hahn den Vorwurf, seine Abwehrspieler setzten zu sehr auf lange Bällen. „Teilweise haben die Abwehrspieler keine andere Wahl, weil sie keine Anspielstation haben. Aber häufig setzten wir auch bewusst auf lange Bälle bewusst als Taktikmittel“, betont Hahn und verweist auf diese Statistik: Atlas hat mit 41 Treffern noch immer die viertmeisten in der Liga erzielt; die Partie gegen Sulingen war erst die zweite in dieser Saison, in der Atlas nicht traf.

Auf der Suche nach der richtigen Balance

Nach der Pleite am Mittwoch nahm Hahn auch zum ersten Mal öffentlich das Wort „Abstiegskampf“ in den Mund. Gleichzeitig versucht er aber, den Druck von der Mannschaft nehmen. „Wir stehen über dem Strich und haben alles in eigener Hand. Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen“, sagte Hahn und erinnerte an seine als Abstiegskämpfer erprobte Drittliga-Zeit bei Jahn Regenburg. Es gehe beim Kampf um den Klassenerhalt darum, „die richtige Balance“ zu finden zwischen der klaren Ansprache, dem Mutmachen und dem Appell an den Charakter der einzelnen Spieler.

Nach dem Negativlauf mit zwei Punkten aus den vergangenen drei Spielen erwartet die Blau-Gelben beim Vierten nun ausgerechnet die Höchstschwierigkeit der Liga. Denn Lupo Martini um den Abwehr-Wikinger Harry Pufal und Torjäger Petrus Amin (zwölf Saisontore) schickt sich nach einem katastrophalen Saisonstart (Letzter nach nur drei Punkten aus sechs Begegnungen), dem Trainer-Wechsel von Ex-Profi Detlev Dammeier zu Giampiero Buonocore und 19 Punkten aus sieben Partien in diesem Jahr an, direkt in die Regionalliga zurückzukehren. Hahn sagt mit Blick auf das 1:3 im Hinspiel: „Das war die stärkste Mannschaft, gegen die wir bislang gespielt haben. Lupo hat viel Qualität und wird meiner Meinung auch das Aufstiegsrennen entscheiden.“

Trotzdem hat Hahn „eine Idee, wie wir aus Wolfsburg etwas mitnehmen können“. Die Personallage sei allerdings unter anderem durch die sicheren Ausfälle der Leistungsträger Nick Köster (10. Gelbe Karte), Marlo Siech (5. Gelbe Karte) und Hanno Hartmann (beruflich unterwegs) und vermutlich auch Thade Hein (privat verhindert) „katastrophal“, weshalb etwa Ex-Kapitän Daniel von Seggern wie schon gegen Sulingen dem Kader angehört. Hahn will aber nicht klagen: „Jeder Spieler im Kader hat schließlich den Anspruch, in der Oberliga spielen zu wollen.“