Fußball-Oberliga Erkenbrechers Plan geht gegen SV Atlas auf

Von Frederik Böckmann

Fleißig am Notieren: Gifhorns Trainer Uwe Erkenbrecher (rechts) in Delmenhorst. Foto: Rolf TobisFleißig am Notieren: Gifhorns Trainer Uwe Erkenbrecher (rechts) in Delmenhorst. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Uwe Erkenbrecher nahm das 2:2 in seiner Geburtsstadt mit seinem MTV Gifhorn in der Fußball-Oberliga beim SV Atlas Delmenhorst zufrieden zur Kenntnis. Der Trainer-Weltenbummler lobte seinen Ex-Verein, bezeichnete den Hauptplatz im Stadion aber als „Kartoffelacker“.

Ein Handschütteln hier, ein lockeres Gespräch dort, ein Wiedersehen mit Cousin Reinhard Stemmler: Uwe Erkenbrecher nutzte als Trainer des MTV Gifhorn das Auswärtsspiel beim SV Atlas Delmenhorst in seiner Geburtsstadt zwangsläufig auch, um mit alten Weggefährten zu plaudern. Allerdings nur kurz.

Denn vordergründig ging es für den 63-Jährigen und seinen MTV natürlich darum, bei einem Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt zu punkten. Das 2:2 (1:1) wertete Erkenbrecher als „verdienten“ Teilerfolg im Oberliga-Abstiegskampf. Wenngleich er auch sagte: „In den letzten 20 Minuten haben sich für uns doch noch einige Räume ergeben, die wir besser hätten nutzen können.“ (Weiterlesen: SV Atlas verteilt gegen MTV Gifhorn fleißig Geschenke)

„Jugend forscht“ beim MTV Gifhorn

Doch im Rückblick auf eine insgesamt eher mäßige Oberliga-Partie war Erkenbrecher auch wegen der Begleitumstände mit dem Unentschieden einverstanden. Denn der Ex-Bundesliga-Spieler des SV Werder und Ex-Bundesliga-Coach des VfL Wolfsburg musste in seiner Startformation auf vier Stammspieler verzichten, insgesamt standen in seiner extrem jungen Mannschaft fünf Spieler unter 23 Jahre. „Das war Jugend forsch“, merkte Erkenbrecher über seine Anfangself an, während er das Auslaufen seiner Mannschaft nach dem Schlusspfiff am Samstagabend ganz genau beobachtete. „Dieser Griff kann auch schon mal ins Klo gehen.“

Ging er aber nicht. Weil Erkenbrechers Plan in dessen 4-1-4-System aufging. Die extrem schnellen Offensiven Albert Hajdaraj (Linksaußen) und Marvin Luczkewiecz (offensives Mittelfeld) bereiteten der teilweise langsamen Atlas-Abwehr arge Probleme, wenngleich der Gifhorner Führungstreffer per Elfmeter nach einem Handspiel von Atlas-Verteidiger Sebastian Kmiec „glücklich“ war, wie Erkenbrecher einräumte. Er sagte aber auch: „Atlas hat vorne mit Entelmann und Degen gefährliche Leute, dazu mit Köster und Mutlu sehr zweikampfstarke Spieler. Aber wir haben gegen diese vier Spieler sehr gut verteidigt. Auch, weil wir wach waren.“ Spielplan und Tabelle der Fußball-Oberliga

Erkenbrecher, der in der Saison 1979/1980 in der vielleicht stärksten Atlas-Mannschaft aller Zeiten spielte, coachte fast schon etwas ungewöhnlich fast 90 Minuten lang von seinem Trainerstuhl aus nahe der Zuschauerränge, während sein Gegenüber Jürgen Hahn hadernd, kopfschüttelnd und gestikulierend die Coaching-Zone voll ausnutzte. Die Anweisungen von Erkenbrecher, der während der Partie viele Spielsituationen in seinen Mappe schrieb, konnten die Gifhorner Spieler auf dem Spielfeld indes sehr wohl verstehen. Denn Erkenbrecher war mit seiner lauten, eindringlichen Stimme bis unter das Stadiondach sehr gut zu hören.

Apropos Stadion: Mit den Platzbedingungen bei seinem Ex-Verein war der Diplom-Sportlehrer alles andere als einverstanden. „Erke“ bezeichnete das Spielfeld als „Kartoffelacker, auf dem es für uns als technisch starke Mannschaft schwer war, viele spielerische Akzente zu setzen.“ Auch für den SVA fand er die Platzverhältnisse „schade“. „So ein toller Verein mit so tollen Fans hat einen viel besseren Rasen verdient. Das ist schon etwas traurig“, sagte Erkenbrecher.

Vertragsverlängerung in Gifhorn noch nicht sicher

Ob der Trainer-Weltenbummler (24 Stationen in Deutschland, Indonesien, Estland, Iran) auch in der kommenden Saison in Gifhorn Trainer ist, steht indes noch nicht fest. „Ich bin hier Trainer, Sportlicher Leiter und im Marketing eingebunden. Vielleicht tut mir eine Pause auch einmal ganz gut.“

Wenn er nach einem Jahr Landesliga und zwei Jahren Oberliga doch weitermache, dann müsste der MTV vor allem die wirtschaftlichen Strukturen verbessern, sagte Erkenbrecher. „Finanziell können wir mit den meisten Vereinen in der Oberliga nicht mithalten. Auch mit dem SV Atlas nicht“, sagte Erkenbrecher – und verfolgte mit Stift und Unterlagen weiter das Auslaufen seiner Elf.