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Fußball-Oberliga SV Atlas verteilt gegen Gifhorn fleißig Geschenke

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Delmenhorst. Der SV Atlas Delmenhorst ist in seinem Heimspiel in der Fußball-Oberliga gegen den Abstiegskonkurrenten MTV Gifhorn vor 750 Zuschauern nicht über ein 2:2 (1:1)-Unentschieden hinaus gekommen. Trainer Jürgen Hahn schimpft: „Mit so einer Leistung gewinnen wir in der Oberliga kein Spel mehr.“

Als das Fußball-Spiel zwischen dem SV Atlas Delmenhorst und dem MTV Gifhorn am frühen Samstagabend um 17.52 Uhr beendet war, hockte Jürgen Hahn noch für einige Momente nach dem mageren 2:2 (1:1) konsterniert und nachdenklich auf seinem Trainerstuhl. Dann begab sich der Coach des SV Atlas zu den Pressevertretern – und verschaffte seinem Unmut über die vergangenen 90 Minuten seiner Mannschaft ungewohnt deutlich Luft: „Wir brauchen überhaupt nichts schönreden: Mit so einer Leistung gewinnen wir in der Oberliga kein Spiel mehr“, schimpfte Hahn nach den verpassten Big Points im Abstiegskampf.

Einmal in Rage zählte Hahn in seiner Analyse schonungslos die Defizite auf. „Wir hatten heute Leute auf dem Platz, die haben das gut gemacht. Wir hatten aber auch Spieler dabei, die überhaupt nicht das umgesetzt haben, was wir sehen wollten. Man kann nicht immer nur meckern und fordern, sondern muss dann auch Leistung bringen, wenn man auf dem Platz steht. Jeder Spieler muss sich reflektieren, ob er in puncto Einstellung, Konzentration und Willen wirklich alles gegeben hat.“

Uwe Erkenbrecher zufrieden

Es waren Eigenschaften die Gifhorns Trainer Uwe Erkenbrecher seiner Mannschaft nicht absprechen konnte und wollte. „Wir hatten zwar Schwächen in Sachen Zweikampfführung und Cleverness, haben uns mit unserer jungen Mannschaft den Punkt aber redlich verdient. Vor allem, weil wir im zentralen Mittelfeld ein spielerisches Übergewicht hatten“, bilanzierte der gebürtige Delmenhorster richtigerweise.

Vor 900 Zuschauern – darunter als Spion auch Cloppenburgs Trainer Olaf Blancke – kam Atlas in der Anfangsphase überhaupt nicht in die Gänge. Bereits nach sechs Minuten lag der SVA 0:1 zurück. Nach einer eigentlich schon abgewehrten Gifhorner Ecke klärte Sebastian Kmiec den Ball an der Strafraumkante völlig unbedrängt mit der Hand. Schiedsrichter Kevin Dickscheid entschied korrekt auf Strafstoß. Die Gäste ließen sich von diesem Blackout des Linksverteidigers, der einen ganz schwachen Tag erwischt hatte, nicht zwei Mal bitten und gingen durch Marvin Luczkewieczs sicher verwandelten Handelfmeter in Führung.

Schnelle Gifhorner und unbewegliche Atlas-Abwehr

In der Folge bereitete Gifhorn mit seinen pfeilschnellen Offensiven Albert Hajdaraj (Linksaußen) und Marvin Luczkewiecz (offensives Mittelfeld) der unbeweglichen Atlas-Abwehr immer wieder Probleme. Auch, weil bei den Gastgebern im zentralen Mittelfeld Zugriff und Zuteilung fehlten. Hahn führte seine große Mangelliste in Durchgang eins weiter so aus: „Wir waren nicht wach und immer einen Schritt zu spät“, sagte Hahn über die „gefühlten zehn Ecken und 15 Freistöße gegen uns“. Symbolisch für die größere Aggressivität der Gäste führte Hahn auch die drei Verletzungen seiner Spieler Stefan Bruns (nach 37 Minuten raus), Mark Spohler (zur Pause runter) und Philip Immerthal an. „Wir haben uns total den Schneid abkaufen lassen“, sagte Hahn.

Aktivposten in der Offensive: Atlas-Angreifer Dominik Entelmann (links) traf gegen den MTV Gifhorn (rechts Marco Bakovic) zum 1:1 und bereitete das 2:1 geschickt vor. Foto: Rolf Tobis

Völlig überraschend stand es zur Pause trotzdem 1:1. Dominik Entelmann traf nach einer Einzelaktion und per abgefälschtem Schuss zum Ausgleich (40.). Aber selbst an diesem Treffer hatte Hahn noch etwas auszusetzen. „Eigentlich war das eine katastrophale Offensivaktion. Dominik musste das alleine regeln, weil er niemanden anspielen konnte.“

Bester Atlas-Spielzug führt zur Führung

In der Pause schien Hahn die richtigen Worte gefunden zu haben. Mit Marlo Siech hatte die Atlas-Abwehr etwas mehr Stabilität und Passsicherheit – und dann führte der beste SVA-Angriff im gesamten Spiel zur Führung. Oliver Rauh führte einen Einwurf gedankenschnell auf Thomas Mutlu aus, dieser passte gefährlich in den MTV-Strafraum, wo Entelmann mit seinem Pass auf Degen die Übersicht behielt, der dann nervenstark einschob – 2:1 (52.).

Atlas schien nun Fahrt aufgenommen zu haben, wurde aber fast genau so schnell wieder ausgebremst. Mit einem cleveren Pass der Gäste auf Rechtsaußen stand die gesamte Atlas-Abwehr plötzlich blank, der ansonsten abgemeldete MTV-Torjäger Timon Hallmann passte in die Mitte, wo erneut Marvin Luczkewiecz nur noch zum 2:2 einschieben musste (57.). „Wie wir bei beiden Gegentoren Geschenke verteilt haben, das war katastrophal“, schüttelte Hahn mit dem Kopf.

Atlas mit vielen langen Bällen

Nach dem Ausgleich versprühten die Blau-Gelben in der Offensive kaum noch Gefahr, weil ihnen die spielerischen Lösungen fehlten. Auch der verletzte Spielmacher Musa Karli haderte vom Seitenrand damit, „dass wir zu viele lange Bälle spielen“. Daher blieb es bis zum Schluss bei einer – allerdings sehr guten – Schusschance von Nick Köster (65.).

Den fehlenden Offensivschwung der Gastgeber in der Schlussphase führte Gäste-Trainer Erkenbrecher aber auch darauf zurück, „dass wir Atlas müde gespielt haben“. Kurz vor Schluss rettete Entelmann nach einer Gifhorner Ecke auf der Linie (88.). Aber: Einen Sieger hätte die insgesamt mäßige Begegnung auch nicht verdient gehabt.


SV Atlas - MTV Gifhorn 2:2

SV Atlas: Urbainski - Mutlu, Spohler (46. Siech), Hartmann, Kmiec (73. Scholz) - Koltonowski, Bruns (37. Immerthal), Köster - Rauh, Entelmann, Degen.

MTV Gifhorn: Krull - Saikowski, Tenno, Jager, Bakovic (46. Minlin)- Upmann - Melvin Luczkiewicz (86. Drangmeister), Karamac, Marvin Luczkiewicz, Hajdaraj (71. Hasardjan) - Hallmann.

Tore: 0:1 Melvin Luczkiewicz (6.), 1:1 Entelmann (40.), 2:1 Degen (52.), 2:2 Melvin Luczkiewicz (57.).

Schiedsrichter: Kevin Dickscheid (Hannover) mit Gabriel Müller und Laurence Büchner.

Gelbe Karten: Patrick Degen (Foul/4.) – Siim Tenno (Foul/3.), Azad Karamac (Foul/3.).

Zuschauer:900.

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