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01.04.2018, 09:01 Uhr KOLUMNE

Werder-Kolumne: Eins mit Sternchen – für den Trainer

Von Tino Polster

dk-Kolumnist Tino Polster ist von der Arbeit von Werder-Trainer Florian Kohlfeldt begeistert. Foto: dpa/Carmen Jaspersendk-Kolumnist Tino Polster ist von der Arbeit von Werder-Trainer Florian Kohlfeldt begeistert. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Delmenhorst. Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u.a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

Werder ist dabei, seine Hausaufgaben zu machen. Die Versetzung scheint mittlerweile gesichert. Der einstige Wackelkandidat liefert stabile Leistungen ab, es ist sogar eine Eins mit Sternchen dabei – für den Trainer. Wo andernorts Kampf und Krampf dominieren, vertreiben die Grün-Weißen das Abstiegsgespenst spielerisch. Wohl selten in der Bundesliga-Geschichte hat ein Trainerwechsel während der Saison eine so tief greifende Änderung zur Folge gehabt.

Vom Rumpelkick zum gepflegten Ball, vom Angsthasenansatz zum selbstbestimmten Matchvortrag. „Werder steht für attraktiven und erfolgreichen Fußball!“ So hat es der Club vor Jahren in seinem Leitbild niedergeschrieben. Wollte man nicht ausgelacht werden, musste man dieses Leitbild vor Externen verstecken. Florian Kohfeldt sorgt nun dafür, dass das Papier guten Gewissens wieder aus der Schublade gezogen werden kann.

Werder sollte Ishak Belfodil fest verpflichten

Die beste Spielidee taugt allerdings nur, wenn die Spieler Passendes dazu anbieten. Nehmen wir Ishak Belfodil. Premiumklasse, seine Aufführung in Augsburg. Es wäre geradezu fahrlässig, ihn nicht fest zu verpflichten. Gerade im Hinblick darauf, dass niemand sagen kann, ob Fin Bartels nach seinem Achillessehnenriss wieder der Alte wird. Belfodil kann viel, ist schnell, schlau und im Finish scharf wie ein Skalpell in der Hand des Chirurgen.

Aber kann sich Werder den Algerier überhaupt leisten? Wenn, dann höchstens zulasten anderer Personalien. Das Bremer Geschäftsmodell fußt von jeher auf Transfereinnahmen. Erst recht nach dieser weiteren Saison ohne Geld aus einem europäischen Wettbewerb. Aber bitte nicht Jiri Pavlenka abgeben – da hat man nun endlich wieder eine echte Nr.1!

Und auch nicht Ludwig Augustinsson – der Schwede reißt einen zwar nicht von den Sitzen, gegenüber den Linksverteidigern der Vorzeit ist er dennoch eine Offenbarung. Und eigentlich auch nicht Thomas Delaney. Sollte Junuzovic gehen, würde der Däne als Führungskraft erst recht gebraucht. Bei so viel Unsicherheit ist es gut, das Phänomen Philipp Bargfrede weiter dabeizuhaben. Unzählige Verletzungen – und trotzdem jeweils sofort wieder auf Toplevel. Seinen Vertrag zu verlängern war aufgrund dieser Leidensgeschichte eine der einfacheren Aufgaben für Frank Baumann. Der Rest wird deutlich schwieriger.