Noch 18 Spiele in zehn Wochen Kickers Ganderkesee – mehr englische Wochen als die Bayern

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Im Stress: Bazo Ughli (links) muss mit den Kickers Ganderkesee noch 18 Ligaspiele bestreiten. Er ist mit sieben Toren bester Schütze des Teams.Foto: Rolf TobisIm Stress: Bazo Ughli (links) muss mit den Kickers Ganderkesee noch 18 Ligaspiele bestreiten. Er ist mit sieben Toren bester Schütze des Teams.Foto: Rolf Tobis

Ganderkesee. Die Kickers Ganderkesee müssen im zweiten Saisonteil durch unfassbare neun englische Wochen. Der kleine Club aus der 4. Kreisklasse absolvierte am Mittwochabend das erste Punktspiel nach mehr als fünf Monaten Winterpause. 18 Spiele in zehn Wochen bringen viele Probleme.

Wer am Mittwoch gegen 17 Uhr genau hinhörte, könnte einen leisen Seufzer der Erleichterung aus dem Großraum Ganderkesee vernommen haben. Etwa um diese Zeit warf die Gemeinde einen letzten Blick auf den Fußballplatz an der Huder Straße – und gab schließlich Grünes Licht. Keine zwei Stunden später war für die Kickers Ganderkesee die längste Winterpause der Vereinsgeschichte tatsächlich vorbei.

Es war zwar kein Leckerbissen, den die zwei Dutzend Schaulustigen an diesem Abend sehen durften, die Kickers verloren in der 4. Kreisklasse gegen den VfL Stenum IV mit 1:2, aber immerhin haben sie mal wieder gespielt – nach 157 Tagen Winterschlaf. Mehr als fünf Monate liegt das letzte Punktspiel zurück, der Vereinsvorsitzende Tim Kirchhoff kickte wieder selbst mit und war froh, dass er seine Teamkollegen noch alle erkannte: „Manche habe ich ein halbes Jahr nicht gesehen. So eine Winterpause habe ich noch nie erlebt.“

Schon 15 Spiele ausgefallen

Und die zweite Saisonhälfte, die ihn und sein Team nun erwartet, wird ebenfalls beispiellos sein. Während einige Ligarivalen schon 17 oder 18 Ligaspiele auf dem Konto haben, war die Niederlage gegen Stenum IV für Ganderkesee erst das zehnte Saisonspiel in der 4. Kreisklasse, 15 angesetzte Partien fielen bereits aus – die meisten wegen des Wetters. Was bedeutet: Die Kickers müssen noch 18 Begegnungen in den zehn Wochen der bereits bis Mitte Juni verlängerten Spielzeit bestreiten. Allein im zweiten Teil der Saison kommt der kleine Verein auf unfassbare neun englische Wochen und ist damit gestresster als sämtliche Bundesligisten. Selbst wenn Bayern München in Champions League und DFB-Pokal das Finale erreicht, käme der Rekordmeister im gleichen Zeitraum nur auf acht englische Wochen. „Wir sind also reif für die Champions League“, folgert Kirchhoff.

Winter-Vorbereitung? Ausgefallen

Noch kann es der Kickers-Chef mit Humor nehmen, doch das Mammutprogramm, das am Samstag mit dem Auswärtsspiel bei den Sportfreunden Wüsting III fortgesetzt wird, stellt ihn vor massive Probleme. Die Kickers haben neben ihrer einen Herrenmannschaft nur noch ein Damenteam und keinen Jugend-Unterbau. Der Kader von 20 Spielern muss es also ohne Unterstützung durch die Saison schaffen, auch wenn Fußball – anders als gerüchteweise beim FC Bayern – nur ein Freizeitvergnügen ist. „Wir arbeiten doch alle. Man kann nicht ständig seine Dienstzeiten nach der 4. Kreisklasse ausrichten“, sagt Kirchhoff.

In der kommenden Woche dürfen die Kickers am Mittwoch- und am Freitagabend auf den Platz. „Davon können sich die Profis mal eine Scheibe abschneiden“, sagt Kirchhoff, der bei der Aufstellung eine Zwangsrotation befürchtet. Gegen Stenum waren 16 Spieler im Kader, „aber so wird es nicht immer sein“. Auch vor den körperlichen Anforderungen hat Kirchhoff Respekt. Die Wintervorbereitung dauerte theoretisch zwar mehrere Monate, fiel wegen gesperrter Plätze aber größtenteils trotzdem aus. „Ganz ehrlich, wir haben im Winter so gut wie nichts gemacht“, bekennt der Kickers-Vorsitzende. „Wir wollten in die Halle, aber das ist bei den meisten nicht so beliebt.“ Der einzige Auftritt des Winters unter dem Dach machte es nicht besser: In der Qualifikation zur Futsal-Kreismeisterschaft schied Ganderkesee nach vier Niederlagen mit 1:18 Toren sang- und klanglos aus.

Auf dem Feld soll es besser laufen, die Ganderkeseer stehen zwar immer noch nicht in der Nähe der Abstiegsränge, wollen aber die schlechteste Platzierung ihrer zehnjährigen Geschichte verhindern, bislang ist das Rang acht in der 4. Kreisklasse. Aktuell sind die Kickers Elfter, der Rückstand auf den achtplatzierten und schon 14-mal angetretenen TuS Heidkrug III liegt bei sieben Punkten. Für den Rest der Saison sollten sich die Kickers also noch einmal zusammenreißen. Es sind ja nur noch 18 Spiele.


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