Die Rückkehr der Regionalliga? Handballer wollen 4. Liga einführen

Von Frederik Böckmann

Im Anflug auf die 4. Liga: Ole Goyert und die HSG Delmenhorst steigen in die Oberliga Nordsee auf – die ab 2019/2020 vielleicht nur noch die fünfthöchste Spielklasse ist. Foto: Rolf TobisIm Anflug auf die 4. Liga: Ole Goyert und die HSG Delmenhorst steigen in die Oberliga Nordsee auf – die ab 2019/2020 vielleicht nur noch die fünfthöchste Spielklasse ist. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Handball-Verbände Niedersachsen und Bremen planen die Einführung einer gemeinsamen Regionalliga. Die Folgen wären weniger Spieltage, einheitlichere Auf- und Abstiegsregelungen und die Verkleinerung der Leistungsunterschiede zwischen den Ligen. Aber was halten die Handballer selbst davon?

In der Oberliga wurden sie souverän Meister, aus der 3. Liga werden sie dagegen nach nur einem Jahr relativ sang- und klanglos wieder absteigen: Für die Handballerinnen des VfL Stade um ihre Delmenhorster Torhüterin Katharina Woltjen ist die Saison in der 3. Liga Nord aus sportlicher Sicht mit aktuell 2:36 Punkten ziemlich unbefriedigend. Auch die Handballerinnen der HSG Hude/Falkenburg hatten in ihrer letzten Drittliga-Saison 2015/2016 mit nur zwei Siegen aus 22 Spielen am Ende nur geringe Chancen auf den Klassenerhalt.

Und bei den Männern? Da können auch ehemalige Oberliga-Überflieger wie der SV Beckdorf oder der ATSV Habenhausen ebenfalls ein Lied davon singen, dass ein Durchmarsch in der Nordsee-Staffel keine Garantie für den Klassenerhalt in der 3. Liga ist – sondern trotzdem meistens im direkten Wiederabstieg mündet.

Großes Leistungsgefälle zwischen Oberliga und 3. Liga

„Die 3. Liga ist ein richtiges Brett“, meint HSG-Trainer Jörg Rademacher. „Wenn man da bestehen will, braucht man andere Mittel als noch in der Oberliga.“ Nämlich sportliche, personelle, logistische – und vor allem finanzielle.

Es sind nur einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die zeigen: Das Leistungsgefälle zwischen 3. Liga und Oberliga ist im Handball derzeit riesengroß. Auch die Handball-Verbände Niedersachsen und Bremen dürften diese Entwicklungen nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern aufmerksam verfolgt haben – und planen deshalb eine Liga-Reform.

Landesligen sollen reduziert werden

Denn laut dk-Informationen möchte das gemeinsame Erweiterte Präsidium (EP) beider Verbände auf der nächsten Sitzung Anfang April in Walsrode die Regionalliga im Damen- und Herrenbereich zur Saison 2019/2020 einführen. Wird diese gemeinsame vierte Liga beschlossen, wären davon auch alle Mannschaften bis zur Landesliga betroffen.

Die neue Regionalliga sollen zwölf Teams bilden. Zugleich sollen die Oberliga-Staffeln Nordsee und Niedersachsen von derzeit 14 auf jeweils zwölf Teams reduziert werden. Außerdem soll die Zahl der Landesligen von derzeit fünf auf vier reduziert werden.

Die Arbeitsgruppe Spieltechnik Zukunft im Handballverband Niedersachsen nennt mehrere Gründe für die geplante Neustrukturierung:

  • - Erhöhung des sportlichen Niveaus durch die Aufteilung der Ligen
  • - eindeutigere und einheitliche Regelung bei Auf- und Abstiegen
  • - Entschärfung der „gleitenden Skala“
  • - Wunsch der Oberliga-Vereine nach weniger Spieltagen

Funktionäre Sasse und Janßen zwischen Pro und Contra

Wolfgang Sasse, Vorsitzender der Handball-Region Oldenburg (HRO), kannte diese Pläne des EP laut eigener Aussage noch nicht: „Mir liegt noch keine Tagesordnung vor.“ Aus sportlichen Gesichtspunkten könne er die Reform verstehen. Er warnt aber vor den (zu) großen Entfernungen, die in einer Regionalliga auf die Vereine zukämen – gleichbedeutend mit finanziellen, strukturellen, zeitlichen und logistischen Herausforderungen für Klubs und Spieler. „Das ist ein riesiger Aufwand“, meint Sasse auch mit Blick auf das einjährige Intermezzo des TV Neerstedt 2009/2010 in der damals drittklassigen Regionalliga (die in geografischer Hinsicht aber viel größer war).

Der Wildeshauser sorgt sich zudem darum: „Das klingt alles nach weniger Basis. Dabei wollen wir die Arbeit vor Ort doch stärken.“ Wolfgang Sasse könne deshalb nicht sagen, wie sich die HRO, die im EP sieben (von 80) Stimmen hat, entscheidet. „Das muss man genau überlegen.“

Jürgen Janßen, Vorsitzender der HSG Delmenhorst, ist bei der möglichen Liga-Reform „ein bisschen unentschlossen“. Er könne die Verbände verstehen, denn mit einer vierten Liga würde sich „die Leistung verdichten“. Allerdings befürchtet auch Janßen eine „Entfernung von der Basis“.