Handball-Bundesliga A-Jugend HSG Grüppenbühren/Bookholzberg sammelt wertvolle Erfahrungen

Von Lars Pingel


Bookholzberg. Die A-Jugend-Handballer sind die erste Mannschaft der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, die eine Bundesliga-Saison gespielt hat. Obwohl sie in der Abschlusstabelle 2017/2018 den letzten Platz belegen, fiel die Bilanz positiv aus. Das Team und seine Anhänger wurden oft gelobt.

Der 340-fache Nationalspieler Klaus-Dieter Petersen hatte nach dem ersten Bundesliga-Heimspiel einer Mannschaft der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg einen Wink gegeben, der auch nach dem (vorerst) letzten als Ratschlag taugt. „Das ist Jugendhandball“, sagte der Trainer der A-Jugend des THW Kiel am 16. September 2017, „der sollte nicht immer nur ernst genommen werden.“ Natürlich, der Nachwuchs des THW hat sportliche Ziele; und es sollen Spieler ausgebildet werden, die spätermöglichst in der Männer-Mannschaft des Rekordmeisters auflaufen. Auf dem Weg dorthin mag der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2004 sie aber nicht nur an Ergebnissen messen. Es gelte auch, Erlebnisse zu genießen, Erfahrungen zu sammeln – und daran zu wachsen.

Zu den positiven Ereignissen gehörte für Petersen die Partie vor 310 Zuschauern in Bookholzberg (40:22): „Wir fanden es hier sehr sympathisch. Die Fans haben beide Mannschaften gut unterstützt.“ Das machten sie ebenfalls in den nächsten zehn Heimspielen. Gemeinsam mit „ihrem“ Team, das trotz des letzten Platzes in der Abschlusstabelle oft überzeugte, trugen die HSG-Anhänger dazu bei, dass sich die „kleine“ HSG Grüppenbühren/Bookholzberg im Reigen vieler großer Namen einen guten Ruf erworben hat.

370 Fans beim Abschlussspiel

Grandios waren Kulisse und Stimmung am Ammerweg auch etwa sechs Monate nach dem Spiel gegen die Kieler. Am 24. März verabschiedeten 370 Zuschauer – darunter auch einige Anhänger des Gästeteams VfL Potsdam – das erste Team aus der Handball-Region Oldenburg, das sich für die Eliteliga dieser Altersklasse qualifiziert hatte, aus der Saison 2017/2018. Das 23:25 (15:13) darf als Spiegel für die Spielzeit gelten: Grüppenbühren/Bookholzberg bot lange Zeit eine spielerisch starke Leistung und bewies – wie im Grunde immer – 60 Minuten lang Kampfgeist. Am Ende jubelte aber doch der Gegner, weil die Trefferquote der HSG nach der Pause sank. Ein Problem, dass die Mannschaft um einige bessere Ergebnisse und den einen oder anderen Punktgewinn gebracht hat. Es standen schließlich zwei Siege (26:22 gegen Empor Rostock, 24:22 gegen TV Oyten) und zwei Unentschieden (36:36 beim TSV Sieverstedt, 23:23 in Oyten) auf der Habenseite.

HSG-Trainer loben positive Entwicklung ihrer Mannschaft

„Wir hätten gerne, dass eine oder andere Spiel mehr gewonnen“, gab Andreas Müller, der das Team mit Stefan Buß trainiert, zu. Doch das ist eben nur die eine Seite der Bilanz. „Wir haben uns in der Saison unglaublich entwickelt“, fuhr Müller zufrieden fort. „Jeder ist individuell besser geworden“, ergänzte Buß: „Und auch als Mannschaft sind wir gewachsen.“ Es sei bei der Bewertung außerdem zu berücksichtigen, dass „wir gegen Mannschaften aus Vereinen mit ganz anderen Möglichkeiten gespielt haben“. Nicht nur die Jugendspieler der Männer-Erstligisten besuchen Sportschulen, in denen Training und Ausbildung koordiniert werden. Eintracht Hildesheim, zum Beispiel, kann deshalb zehn bis 15 Stunden pro Woche üben, hatte Trainer Henrik Hamann erklärt.

Das Trainer-Duo der HSG nimmt selbst viel aus der Bundesliga-Saison mit, berichtete Müller: „Sie war für Stefan und mich eine Erfahrung, die uns weiterbringt. Es war ein tolles Jahr mit vielen Eindrücken.“

Freut sich über viele Erfahrungen: HSG-Mannschaftskapitän Tilmann Dehmel. Foto: Rolf Tobis

Die liefert unter anderem der Besuch der „Füchse Town“. Sie ist das Trainingszentrum des Berliner Erstligisten – auf einem Gelände mit Leistungssportzentrum, Olympiastützpunkt und der Eliteschule des Sports. Dort trägt die A-Jugend der Füchse ihre Heimspiele aus. „Dort mit dem DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning zu sprechen, das war super“, erzählte HSG-Kapitän Tilman Dehmel, der das Team verlassen wird, um in Stuttgart zu studieren, von einem der Momente 2017/2018, die er nicht vergessen wird. Hanning ist zudem Geschäftsführer der Füchse und Trainer der A-Jugend des Clubs.

HSG-Spieler Piet Gerke freut sich über „unglaubliche Erfahrung“

„Was ich mitnehmen werde, ist, dass man als Team alles schaffen kann“, berichtete Dehmel weiter. „Wir haben schon lange in höheren Ligen gespielt – und dann haben wir noch die Bundesliga erreicht.“

Die Spiele in Berlin, Kiel, bei der SG Flensburg-Handewitt, beim HSV Hamburg und beim SC Magdeburg gehörten für Rückraumspieler Piet Gerke zu den Höhepunkten der Spielzeit. „Die war trotz des letzten Platzes eine unglaubliche Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen kann“, schwärmte er: „Ich habe aus den Spielen und von den Gegnern sauviel gelernt.“

Durchschnittlich 292 Zuschauer pro Heimspiel

Das Fazit des Vereins fiel ebenfalls positiv aus. Detlef Krix, 2. Vorsitzender, hatte vor der Partie gegen Potsdam den Helfern und Sponsoren gedankt. „Danke auch an die Zuschauer. Es ist nicht üblich, dass immer so viele gekommen sind.“ In der Tat. Die HSG war das einzige Team unter den 48 in vier Staffeln spielenden Mannschaften der A-Jugend-Bundesliga, das bei jedem Heimspiel mindestens 200 Zuschauer zählte. Durchschnittlich saßen 292 Handball-Fans pro Partie auf den Tribünen der Ammerweg-Halle.

Petersen war deshalb nicht der einzige Gästecoach, der sich in Bookholzberg wohlgefühlt hatte. Hanning lobte die Atmosphäre und die Arbeit der HSG, Hamann auch: „Es macht einfach Spaß, in vollen Hallen zu spielen.“ Der Trainer der Potsdamer, Axel Bornemann, wünschte sich sogar, dass die jetzt zu Ende gegangene Bundesliga-Spielzeit für die HSG keine einmalige Angelegenheit bleibt. „Ich hoffe, dass sie sich in der Relegation behaupten kann“, erklärte er. „Wir würden gerne wiederkommen.“

Relegationsrunde beginnt am letzten Mai-Wochenende

Spielt der VfL irgendwann zwischen September 2018 und März 2019 tatsächlich wieder in Bookholzberg, hieße das, dass die Potsdamer und die HSG in den Qualifikationsrunden (26./ 27. Mai; 2./3. und 9./10. Juni) erfolgreich waren, in der die Mannschaften ab Rang sieben antreten werden.

In Bookholzberg bündeln sie dafür schon die Kräfte. „Wir werden alles geben, um nochmal in der Bundesliga spielen zu dürfen“, versprach Gerke. „Der gesamte Verein, die Fans und Sponsoren würden sich das von Herzen wünschen“, schrieb der HSG-Vorstand in dem Hallen-Heft, das zum Potsdam-Spiel veröffentlicht wurde: „Die Planungen laufen auf Hochtouren.“


Statistik:

Der HSG-Kader

Tor:

Torben Knop 12 Spiele

Simon Schreiner 12

Jan Kinner 18

Feld:

Kian Krause 18 Sp./63 Tore (1 Siebenmeter)

Sebastian Latz 15/18

Jamie Lippe22/32

Norman Lachs 17/19

Bennet Krix 17/61 (8)

Thies Kügler 8/3 (2)

Piet Gerke 19/57

Sönke Harfst 16/9

Jona Schultz 21/38

Nils Wehrheim 2/1

Carsten Jüchter 5/4

Mirko Reuter 9/27

Torsten Jüchter 1/0

Henk Braun 22/108 (33)

Niklas Kowalzik 16/43 (31)

Nico Hennemann 19/24

Tilman Dehmel 21/22

Torschützenliste Bundesliga

1. Domink Axmann (HSV Hamburg) 189

2. Jaris Tobeler (SG Flensburg-Handew.) 143

3. Jannik Schrader (VfL Bad Schwartau) 142

4. Josip Simic (1. VfL Potsdam) 127

5. Mikkel Ebeling (SG Flensburg-Handew.) 126

6. Christian Hasenpusch (TSV Sieverstedt) 117

7. Noah Dreyer (TV Oyten) 114

8. Leon Bruse (THW Kiel) 111

8. Jan-Ole Martin (THW Kiel) 111

10. Mex Raguse (Füchse Berlin) 109

10. Bela Pieles (Eintracht Hildesheim) 109

12. Henk Braun (HSG Grüppenbühen/B.) 108

Siebenmeterwerfer Bundesliga

1. Dominik Axmann (HSV Hamburg) 68/77

2. Noah Dreyer (TV Oyten) 62/74

3. Janik Schrader (VfL Bad Schwartau) 47/53

4. Mikkel Ebeling (SG Flensburg-H.) 46/55

5. Jan-Ole Martin (THW Kiel) 45/52

6. Lotte Koris (Füchse Berlin) 38/48

7. Vincent Kroll (Eintacht Hildesheim) 37/50

8. Christian Hasenpusch (Sieverstedt) 36/48

9. Henk Braun (HSG Grüppenbühren/B.) 33/42

10. Niklas Kowalzik (Grüppenbühren/B.) 31/40