Wildes Bezirksliga-Stadtduell SV Tur Abdin schlägt SV Baris im Derby-Spektakel

Von Daniel Niebuhr

Heiße Duelle in einem verrückten Derby: Johannes Artan vom SV Tur Abdin und Baris-Kapitän Cumali Tuner. Foto: Rolf TobisHeiße Duelle in einem verrückten Derby: Johannes Artan vom SV Tur Abdin und Baris-Kapitän Cumali Tuner. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Fußball-Bezirksligist SV Tur Abdin bezwingt den SV Baris in einem wilden Stadtduell in der Fußball-Bezirksliga mit 4:3. Nach einer langweiligen ersten Halbzeit geht es rund. Sieben Tore, drei Elfmeter und eine Rote Karte sorgen für mächtig Unterhaltung.

Natürlich mischte sich am Ende auch noch die Tierwelt in dieses wilde Delmenhorster Stadtderby ein. In der Nachspielzeit, als der SV Baris noch auf ein Last-Minute-Comeback beim SV Tur Abdin hoffte, wollte Torwart Orhan Karakaya den Ball zum Abstoß holen, musste sich aber erst gegen einen Hund durchsetzen, den ein Zuschauer mit ins Stadion gebracht hatte. Der Baris-Keeper gewann das Laufduell dank des besseren Stellungsspiels, dennoch hatte sich in der Schlussphase am Sonntag irgendwie alles gegen seine Mannschaft verschworen.

Mit 4:3 (0:1) für Tur Abdin endete kurz darauf das Fußball-Bezirksliga-Duell, nach dem sich die Aramäer die Nummer zwei in der Stadt nennen dürfen. Mit dem verrückten Spektakel mit sieben Toren, drei Elfmetern und einer Roten Karte feierte Abdin die Revanche für die 2:4-Hinspielpleite, Trainer Christian Kaya hielt sich beim Jubeln wie gewohnt zurück. „Der Derbysieg musste sein nach diesem Hinspiel“, sagte der Coach. „Das fühlt sich schon besonders an.“

„In einem Derby musst du brennen“

Er wusste auch, bei wem er sich bedanken musste. Manuel Celik war mit einem Tor und drei Vorlagen der beste Mann auf dem Platz und bekam von Kaya das Prädikat „sensationell“: „Wenn er will, spielt er die ganze Liga auseinander.“ Baris-Coach Önder Caki hatte dagegen allen Grund zu hadern: „In einem Derby musst du brennen, das habe ich nur bei zwei oder drei Spielern gesehen.“

Es war vor allem die Stressresistenz, die zwischen zwei spielstarken Mannschaften letztlich den Unterschied machte. Eine knappe Stunde lang war das Derby vor 220 Zuschauern ein Langweiler mit wenigen Torchancen und kaum Emotionen. Die flinke Baris-Offensive war in den entscheidenden Momenten cleverer: Mert Caki holte in der 33. Minute einen Foulelfmeter heraus, den Mikael Blümel zur Führung verwandelte. Dennis Kuhn erhöhte in der 47. Minute per Kopf nach einer Blümel-Ecke auf 2:0. Der Tabellenfünfte Tur Abdin fiel nur durch eine fatale Körpersprache auf.

Manuel Celik der Mann des Tages

Doch ab Mitte der zweiten Halbzeit überschlugen sich die Ereignisse. Erst verkürzte Can Blümel für Tur Abdin in der 56. Minute mit einem von Manuel Celik erarbeiteten Strafstoß, dann legte Celik drei Minuten später nach einem großartigen Dribbling Andreas Lorer den Ausgleich auf. Eine Viertelstunde lang belauerten sich die Teams dann, ehe Tur Abdins George Celik in der eigenen Hälfte den Ball gewann, der über Johannes Artan wieder auf Manuel Celiks Kopf landete – 3:2. „Er hat in der Woche extra Kopfbälle trainiert, hat ja geklappt“, sagte Kaya. Caki fluchte: „Wir haben die Linie verloren, das war erschreckend.“

Aufsteiger Baris setzte danach alles auf Offensive und wurde in der 89. Minute ausgekontert – Artan auf Manuel Celik auf Danyel Renken lautete dieses Mal die Formel. Doch Baris weigerte sich weiter, das Handtuch zu werfen, und kam durch den dritten Elfmeter im Gegenzug wieder heran. Dieses Mal war Shewket Barakat Osef umgerissen worden, Mert Caki traf vom Punkt zum 3:4. Osef war auch am letzten Aufreger beteiligt, er hielt Artan fest, der Abdiner revanchierte sich mit einer Tätlichkeit, für die er Rot sah.

Es war eine von nur wenigen Nickeligkeiten dieses Derbys, nach dem sich etliche Gegenspieler direkt umarmten. „Viele Spieler sind ja Freunde“, sagte Baris-Linksverteidiger Mert Tunc – der den Nachmittag in der Bar von Abdin-Coach Kaya ausklingen lassen wollte.