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Stadtderby in der Bezirksliga Tur Abdin gegen SV Baris – „dafür wurde Fußball erfunden“

Von Daniel Niebuhr

So war es im Hinspiel: Tolga Caki und Mert Tunc vom SV Baris jubeln, Tur Abdin hadert. Foto: Rolf TobisSo war es im Hinspiel: Tolga Caki und Mert Tunc vom SV Baris jubeln, Tur Abdin hadert. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Im Bezirksliga-Derby SV Tur Abdin gegen SV Baris soll im Stadion geklärt werden, wer hinter dem Atlas die Nummer zwei in Delmenhorst ist. Tur Abdin ist Favorit und will Revanche.

Die Qualitäten von Christian Kaya als Motivations-Coach werden manchmal unterschätzt. Der Trainerdebütant des SV Tur Abdin hat eher den Ruf des Stoikers an der Seitenlinie, Anfang der Woche packte er seine Bezirksliga-Fußballer aber bei ihrer Ehre. Es war fünf Tage vor dem Stadtderby gegen den SV Baris, als Kaya die Vorbereitung mit einem heißen Appell begann: „Ich habe ihnen gesagt, dass wir etwas gutzumachen haben. Wer auf dieses Spiel nicht heiß ist, kann gleich aufhören.“

Es ist das Duell um die Nummer zwei in Delmenhorst, das am Sonntag ab 14.30 Uhr im Stadion steigt. Das 4:2 im Hinspiel mit zwei Elfmetern und elf Gelben Karten vor 300 Zuschauern war vielleicht der größte Tag in der noch kurzen Bezirksliga-Historie des SV Baris – und der schwärzeste in dieser Saison für Tur Abdin. „Das war die peinlichste Leistung, seit ich Trainer bin. Vor so einer Kulisse so eine Leistung abzuliefern, ist blamabel“, sagt Kaya und schwärmt ungewohnt pathetisch: „Derby im Stadion – für solche Spiele wurde der Fußball erfunden.“ Baris-Coach Önder Caki sagt nicht viel nüchterner: „Wir sind absolut heiß. Es wird seit Tagen in Spielerkreisen gestichelt; jetzt wird es Zeit, zu zeigen, was man kann.“

Baris 2018 noch ohne Tor

Dazu kam seine Mannschaft zuletzt nur unregelmäßig. Nach dem 0:1 beim FC Rastede und dem 0:4 beim VfB Oldenburg II wartet Baris noch auf das erste Tor 2018. Dass in den kommenden Wochen etliche Abstiegskandidaten auf dem Spielplan stehen, macht das Derby noch wichtiger. „So ein Sieg gegen den Lokalrivalen kann eine Initialzündung sein“, sagt Caki. „Wir haben einen guten Kader. In der Hinrunde hat man gesehen, zu was für Leistungen wir in der Lage sind.“

Das ist auch Tur Abdin nicht entgangen; Kaya lobt den Konkurrenten als Überraschung der Saison: „Keine Mannschaft hat mir offensiv so imponiert. Mit der Klasse im Angriff kann Baris mit den besten mithalten.“ Elf verschiedene Spieler haben schon für den Neuling getroffen, nur Wildeshausen hat mit 13 noch mehr Torschützen, Tur Abdin dagegen nur sieben. Mit Devin Isik und Dennis Kuhn stehen zwei Baris-Spieler unter den besten zehn der Torjägerliste.

300 Zuschauer im Hinspiel

Tur Abdin steht dafür defensiv so stark wie lange nicht, mit Lukas Mutlu fällt ein zentraler Teil der Viererkette aber gesperrt aus. „Das ist ungünstig, ich reiße ungern die Kette auseinander“, sagt Kaya. Seine Elf ist 2018 in vier Spielen unbesiegt und erkämpfte sich zuletzt ein 1:0 beim im Winter für den Abstiegskampf hochgerüsteten SV Wilhelmshaven im Jadestadion. „Wir haben Selbstvertrauen“, sagt Kaya, und auch Caki bekennt: „Tur Abdin ist besser im Rhythmus.“

Beide Trainer vereint die Hoffnung auf ein attraktives Spiel und eine große Kulisse. Das Hinspiel war mit 300 Zuschauern das bestbesuchte Ligaspiel der Saison in Delmenhorst, an dem nicht Oberligist SV Atlas beteiligt war. Beim einzigen Duell auf Bezirksebene im Stadion vor 13 Jahren waren es 320 Fans. Tur Abdin gewann mit 4:0, mit Kapitän Michael Sen, Yüksel Aslan, Daniel Yousef und Daniel Sen stehen vier Abdiner von damals noch im aktuellen Kader – bei Baris war nur Coach Caki dabei.