Fußball-Kreisliga Herrmann und Schlundt verlassen Atlas II ohne Groll

Von Andreas Bahlmann


Delmenhorst. Der Trainer-Wechsel beim Fußball-Kreisligisten SV Atlas Delmenhorst II am Ende dieser Spielzeit kommt für viele überraschend. Während Sven Schlundt seinen Ausstieg ohnehin angekündigt hatte, hält Steven Herrmann das Vorgehen des Vereins für legitim. Ihr Ziel ist nun Tabellenplatz zwei.

Steven Herrmann und Sven Schlundt sind ganz tiefenentspannt. Ein paar Tage, nachdem der SV Atlas Delmenhorst am Sonntagabend das Aus für das Trainer-Duo bei der zweiten Mannschaft per Pressemitteilung für viele überraschend bekannt gegeben hatte, ist bei Herrmann und Schlundt kein Frust, Ärger oder gekränkte Eitelkeit zu spüren. Sie sind mit dem Verein und sich im Reinen. „Wir bringen das sauber zu Ende“, sagen die beiden Trainer. „Noch gibt es für uns ja einiges zu tun.“ (Weiterlesen: Der mühevolle Weg des SV Atlas II)

Die Entscheidung des Vereins, für die kommende Saison mit der Installation des bisherigen Spielers Daniel von Seggern als Trainer einen neuen Impuls setzen zu wollen, weil die Entwicklung bei der Reserve „nicht wie gewünscht“ vorangehe, stand indes schon länger fest. Bereits vor einiger Zeit hatte Schlundt dem Verein mitgeteilt, dass er die Blau-Gelben aus beruflichen Gründen im Sommer verlassen werde. Der Kaufmann trat im August vergangenen Jahres eine neue Stelle im Außendienst eines Herstellers für Gartenmöbel in der Nähe von Oldenburg an, was ihn zeitlich stärker als bisher beanspruchte. Die Probezeit lief so gut, dass man ihm anschließend die Leitung für zwei Filialen in Delmenhorst und Oldenburg übertrug. Schlundt teilte bald darauf dem Atlas-Vorstand mit, seinen Trainerjob mit Ablauf des Vertrags im Juni beenden zu wollen. (Weiterlesen: Atlas-II-Fußballer Nick Nolte wandert aus)

Ein wenig überrascht war Schlundt dann aber schon, als er erfuhr, dass auch Herrmanns Trainertätigkeit beim SV Atlas II im Sommer enden würde. „Ich habe eigentlich fest damit gerechnet, dass Steven vielleicht noch einen Co-Trainer dazu bekommt und weitermachen würde“, räumte Schlundt ein. Er betonte aber auch: „Wir gehen auf keinen Fall mit dem Vorstand in schlechter Stimmung auseinander. Der Verein muss für sich entscheiden, was für ihn das Beste ist, das ist sein gutes Recht“, sagt der 34-Jährige und er klingt dabei innerlich aufgeräumt.

„Ich sehe das ganz professionell, Verträge laufen halt irgendwann aus“, bestätigt Herrmann, der zusammen mit seinem Kumpel Schlundt im Sommer 2016 das schwierige Amt bei der Atlas-Reserve antrat und zusammen mit ihm auch beim VfL Stenum II ein Trainer-Duo gebildet hatte. Als 2. Vorsitzender beim VfL „habe ich auch Trainer entlassen. Das gehört einfach dazu.“

Vom Spieler zum Trainer: Daniel von Seggern (links). Fotos: Rolf Tobis

Schlundt und Hermann glauben, dass der Verein mit ihrem Nachfolger Daniel von Seggern eine „wirklich gute Wahl“ getroffen habe, der einen schlagkräftigen Unterbau für die Oberliga-Mannschaft formen und mittelfristig zum Bezirksliga-Aufstieg führen kann. Das sei wichtig. Herrmann betont: „Der Sprung zwischen Kreisliga und Oberliga ist viel zu groß.“

Die Atlas-Reserve wurde von vielen Trainern vor der Saison als Meisterschaftsmitfavorit gehandelt, der Kontakt zur Spitzengruppe war aber spätestens nach dem nachträglich beim VfR Wardenburg in eine 0:5-Niederlage umgewerteten 7:2-Sieg und einer darauffolgenden Serie von nur zwei Punkten aus vier Partien abgerissen. Der Titel ist trotz zweier Siege in diesem Jahr zwar unrealistisch. Die laufende Saison ist für die beiden Noch-Atlas-Trainer jedoch keinesfalls abgehakt. „Wenn in der restlichen Spielzeit alles gut für uns läuft, ist noch Tabellenplatz zwei für uns drin“, sagt Sven Schlundt. „Das wäre für uns als Aufsteiger ein guter Abschluss.“

Auch Co-Trainer Pascal Janßen geht

Mit einem ganz neuen Trainerstab soll dann ab der nächsten Saison die sportliche Entwicklung bei den Blau-Gelben dann weiter voran getrieben werden, denn auch Co-Trainer Pascal Janßen geht zum Saisonende. Sven Schlundt weiß es zu schätzen, bald wieder etwas mehr Freizeit zur Verfügung und auch mehr Zeit für seine Frau Linda, die bei den Handballerinnen der TS Hoykenkamp spielt, zu haben.

Steven Herrmann, der familiär ungebunden ist, will einen neuen Trainerjob nicht ausschließen, sagt aber auch: „Es muss einfach alles passen. Ich habe da keinen Druck und bin da flexibel.“ Erst einmal möchte er aber das „Mehr“ an Freizeit genießen: „Ich reise leidenschaftlich gerne und das will ich erst einmal etwas ausleben.“ Unisono sind beide dankbar für ihre Erfahrung beim SVA. „Natürlich werden wir uns auch zukünftig Atlas-Spiele angucken.“