Wildeshauser Trainer von A bis Z Marcel Bragula über Atlas, Erholung, Groko und Treue

Von Klaus Erdmann

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Wildeshausen. Marcel Bragula und Wildeshausen sind eng verbunden. Der 43-jährige Stabsfeldwebel bei der Bundeswehr ist im vierten Jahr Cheftrainer des Fußball-Bezirksligisten VfL Wittekind. Nach 15-wöchiger Pause erwartet der Zweite am Sonntag, 15 Uhr, den SV Wilhelmshaven. Wir sprachen mit dem Coach über Atlas und Erholung, Heynckes und Psyche, Spieler und Treue. Von A bis Z: Marcel Bragula.

A wie Angebote: „Kein Kommentar (schmunzelt). Ich bin zur Zeit glücklich in Wildeshausen und habe Vertrag bis Sommer 2019.“

B wie Borussia Dortumund (Lieblingsverein): „Die Borussia enttäuscht mich zur Zeit nicht nur sportlich, sondern auch in der Außendarstellung. Aber das ändert nichts an echter Liebe.“

C wie Co-Trainer (der Ganderkeseer Patrick Meyer übernimmt das Amt in Wildeshausen ab 2018/19 von Sven Apostel): „Eine ganz wichtige Position. Bei Sven und seinem Vorgänger Marco Elia habe ich Gemeinsamkeiten gesehen. Patrick ist ein anderer Typ Co-Trainer. Ich sehe Parallelen zu mir selbst und freue mich auf die Zusammenarbeit.“

D wie Delmenhorst (gemeint ist der SV Atlas): „Die Leute im Vorstand verstehen ihr Handwerk und leben den SVA. Außerdem hat Atlas mit Jürgen Hahn und Marco Büsing ein sehr gutes Trainerteam. Die Mannschaft wurde mit Sinn und Verstand zusammengestellt. Der Verein hat Transfers getätigt, die Hand und Fuß haben. Der Erfolg ist Produkt guter Arbeit. Andere Vereine mit diesen Möglichkeiten haben es nicht so clever angepackt und sind schnell von der Landkarte verschwunden.“

E wie Erholung: „Ich bin nicht so der Erholungsmensch. Ich habe Hummeln im Hintern, wenn ich nicht selber Sport machen kann.“

F wie Familie: „Für jeden Vollblutfußballer ist es wichtig, dass er Unterstützung zu Hause hat. Ich weiß, was ich meiner Familie zu verdanken habe.“

G wie Große Koalition: „Alternativlos, aber sehr bedenklich in ihrer Entstehung. Mir fehlen heute die Typen in der Politik.“

H wie Heynckes (Jupp Heynckes, 72-jähriger Trainer des FC Bayern München): „Er verkörpert das, was Fußball ausmacht. Er ist eine Persönlichkeit. Ich finde es toll, dass er in diesem Alter auf seiner Position eine solche Präsenz ausstrahlt.“

I wie internationaler Fußball: „Internationale Spiele gucke ich nicht mehr mit den Emotionen früherer Jahre. Clubs wie z. B. Paris Saint Germain sind mir zuwider. Die WM 2022 in Katar halte ich für einen schlechten Scherz.“

J wie Jugendarbeit: „Sie steht und fällt mit engagierten Trainern. Eltern sind oft eher Störfaktor als Förderer. Ein Problem sind manchmal die Jugendlichen selber, zum Beispiel ihre Einstellung. Unser Ziel muss es sein, mit der A-, B- und C-Jugend auf Bezirksebene zu spielen. Wir sind auf einem guten Weg.“

K wie Kaserne: „Ich habe bis heute 24 Jahre meines Lebens dort verbracht. Neben Familie und Fußball ist sie ein dritter wesentlicher Baustein in meinem Leben. Soldat zu sein, ist kein Job, sondern eine Berufung. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, Deutschland zu dienen.“

L wie Lennart Flege (der 28-jährige Wildeshauser Spieler erklärte im Dezember, dass er seine aktive Karriere aufgrund eines Knorpelschadens im Knie beenden müsse): „Lennarts Ankündigung war einer der emotionalsten Momente, die ich hier erlebt habe. Er war ein wichtiger Spieler und ist ein sehr guter Freund. Sein Name steht für Vereinstreue, Mentalität und Kameradschaft. Er war neben Sascha Görke der einzige Spieler, mit dem ich noch zusammengespielt habe. Spieler kommen und gehen – bei Lennart Flege war das etwas anderes.“

M wie Mai, 29., 2015 (durch ein 1:1 gegen Atlas Delmenhorst stieg Wildeshausen am letzen Spieltag in die Landesliga auf): „Der Tag hat sportlich einen hohen Stellenwert im Verein. Es war der Beginn einiger neuer Freundschaften. Dieses Spiel gehört zu den Top-5-Ereignissen in meinem Leben.“

Einer der größten Tagen im Leben von Marcel Bragula: Sein VfL Wildeshausen steigt mit ihm als Trainer in die Landesliga auf – nach einem 1:1 vor 4000 Zuschauern gegen den SV Atlas Delmenorst. Foto: Rolf Tobis

N wie Naturrasen: „Ziehe ich dem Kunstrasen stets vor. Ich halte es aber für dringend notwendig, dass es in Wildeshausen auch einen Kunstrasenplatz gibt.“

O wie Oberbörsch (der Offensivspieler Jannis Oberbörsch kam während der Winterpause vom Ligarivalen Eintracht Oldenburg zum VfL Wildeshausen): „Man muss abwarten. Er hat eine gewisse Vita, die für mich aber Geschichte ist. Entscheidend ist, wie er sich beim VfL einbringt.“

P wie Psyche: „Die Psyche ist neben Taktik, Technik und Kondition eine von vier Säulen im Fußball. Die Psyche hat beim VfL Wildeshausen einen sehr hohen Stellenwert. Wer hier glücklich werden will, muss bereit sein, unsere Gene zu impfen.“

R wie Raucher: „Es gibt keinen Raucher in der Mannschaft. Ich schwächel hin und wieder mal, bin aber kein überzeugter Raucher.“

S wie Spieler: „Ticken heute etwas anders als früher und müssen daher auch etwas anders geführt werden. Es ist der Reiz für einen Trainer, Spieler weiterzuentwickeln. Die Spieler müssen dazu aber auch den Willen und die Leidensfähigkeit besitzen. Ich versuche mit der Zeit zu gehen und die Sprache der neuen Spielergeneration zu sprechen, erwarte im Gegensatz aber auch, dass sie von mir aufgestellte Regeln einhalten und altbewährte Normen und Werte unseres Vereins akzeptieren.“

T wie Treue (zum Verein): „Vereinstreue bedeutet mir viel, darf aber keine Einbahnstraße sein. Im Profibereich machen Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembele viel kaputt, leider spricht niemand über Spieler wie Lukasz Piszcek (Borussia Dortmund), Ralf Fährmann (Schalke 04) und Philipp Bargfrede (Werder Bremen), die schon lange ihren Vereinen treu sind. Es ärgert mich, dass darüber nicht gesprochen wird.“

U wie Urlaub: „Es gibt für mich a) Familienurlaub und b) Partyurlaub. Für den Familienurlaub ist meine Frau zuständig.“

V wie VfL Wittekind (Wildeshausen): „Der VfL ist Familie. Der Verein verbindet Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedensten Sportarten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration.“

W wie Wildeshausen: „Ich bin hier geboren. Es ist meine Heimat, es ist die Gilde. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass ich weggehen werde.“

Z wie Zuckerbrot (und Peitsche): „Grundsätzlich bin ich für Zuckerbrot. Aber es gibt Dinge, die sind nicht verhandelbar: Disziplin, Zuverlässigkeit und Siegeswille.“


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