Von Eishockey bis Teeparty Wie die Kreis-Fußballer über den Winter kommen

Von Andreas Bahlmann und Daniel Niebuhr

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Pascal Zoll (links) und der Delmenhorster TB wollen am Wochenende in die Kreisliga starten. Foto: Rolf TobisPascal Zoll (links) und der Delmenhorster TB wollen am Wochenende in die Kreisliga starten. Foto: Rolf Tobis

Die Fußball-Teams des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst überbrücken den Winter alle auf ihre eigene Weise. Ab Freitag soll der Ball in Kreisliga und Kreisklasse endlich wieder rollen, es wäre der zweitspäteste Start in den letzten 39 Jahren.

Die Walter-Löwe-Sportanlage am Brendelweg gehört sicher zu den schickeren Rasenflächen in der Stadt, man kann das Bedürfnis des TV Jahn Delmenhorst also verstehen, den Anblick seiner sportlichen Heimat mit der Welt zu teilen. Am Montag veröffentlichte der Verein auf der Facebookseite ein Panoramabild seiner Fußballplätze und schrieb noch einige Worte der Zuversicht dazu: „Die Sonne scheint. Das Gras ist herrlich gelb. Kann die Rückrunde endlich beginnen?“

Diese Frage beschäftigt seit Wochen den ganzen Fußball-Kreis – denn noch immer hat von der Kreisliga abwärts kein Pflichtspiel stattgefunden. Sollte es am Wochenende losgehen, würden die meisten wohl tief durchatmen – dennoch ist es schon jetzt ein historisch unpünktlicher Ligastart. In den letzten 39 Jahren begann die Kreisliga nur 2010 noch später, nämlich am 21. März – damals gelang es dennoch, die Saison (dank 40 Spielen außerhalb der Wochenenden) bis zum 30. Mai zuende zu spielen. Das wird in diesem Jahr nicht gelingen, der Spielausschuss hat den letzten Spieltag bereits auf den 3. Juni verschoben.

„Sowas habe ich noch nie erlebt“

Zumindest wird nach den neuesten Wetterprognosen die Leidenszeit der Fußballer ein Ende haben. Am Freitag findet zwischen dem TV Dötlingen und dem FC Huntlosen wohl das erste Kreisligaspiel 2018 statt, ein weiteres folgt am Samstag, fünf am Sonntag. Die Trainer hatten in der Vorbereitung nahezu kollektiv die Schwere ihrer Aufgabe beklagt – die darin bestand, ihre Mannschaft bei Laune zu halten. „Es ist nervig. Irgendwann ist die Spannung weg“, sagt zum Beispiel Jahn-Trainer Arend Arends. Kollege Mohamed Charour vom TSV Ippener bekennt sogar: „Im Lauftraining hatten wir eine miese Trainingsbeteiligung, vor allem, als es so kalt war. Sowas habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt.“

Falkenburg geht feiern, Hürriyet trinkt Tee

Bei ihm und seinen Leidensgenossen ist Kreativität gefragt, die manchmal kuriose Blüten trägt. Mete Döner, der Rot-Weiß Hürriyet aus der 1. Kreisklasse trainiert, setzte zum Beispiel auf winterliche Besinnlichkeit: „Ich versuche, meine Jungs mit Unternehmungen bei Laune zu halten, zum Beispiel mit gemeinsamem Teetrinken.“ Ligarivale SC Colnrade ist sportlich geblieben: „Wir gehen schwimmen oder spielen Eishockey, das geht schon ganz gut“, sagt Trainer Sascha Albers. Beim TV Falkenburg, ebenfalls aus der 1. Kreisklasse, ging es dagegen phasenweise zünftig zu, wie Coach Georg Zimmermann erzählt: „Wir hatten eine Kohltour und haben geschlossen am Faschingsumzug in Ganderkesee teilgenommen.“

Jahn-Coach bringt Spielplan-Reform ins Spiel

Manch ein Trainer ist sogar froh über die immer wieder verlängerte Winterpause. Andre Tiedemann vom Kreisligisten Delmenhorster TB erklärt: „Wegen unserer ganzen Verletzungen spielen mir die Absagen in die Karten. Ich habe nichts dagegen, für den Rest der Saison zweimal in der Woche zu spielen.“ Ähnlich sieht es Jörg Peuker vom Nachbarn Harpstedter TB: „Unsere verletzten Spieler kommen so mit richtig Dampf zurück.“

Allerdings lässt die Aussicht auf diverse englische Wochen in der nicht einmal drei Monate langen Restsaison nicht jeden jubeln. Durch den straffen Zeitplan der übergeordneten Verbände NFV und DFB bleiben Wochenspiele nicht aus. Jahn-Coach Arends liefert vor dem Spiel beim Ahlhorner SV am Samstag noch einen Denkansatz: „Ich hätte weniger Probleme mit einer langen Pause, wenn der Spielbetrieb einfach planmäßig immer erst im März wieder losgeht. Vielleicht sollte man die Amateurliga-Spielpläne generell überdenken.“


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