Fußball-Oberliga Terminnot treibt SV Atlas Delmenhorst ins Exil

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Das einzige Heimspiel im Exil – bis jetzt: 2014 verlor der SV Atlas Delmenhorst um Stefan Bruns (Mitte) gegen den TSV Abbehausen an der Schanzenstraße. Foto: Rolf TobisDas einzige Heimspiel im Exil – bis jetzt: 2014 verlor der SV Atlas Delmenhorst um Stefan Bruns (Mitte) gegen den TSV Abbehausen an der Schanzenstraße. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Terminprobleme des SV Atlas in der Fußball-Oberliga werden immer größer. Erstmals seit vier Jahren müssen die Delmenhorster mindestens ein Heimspiel außerhalb des Stadions austragen. Auch die Entwicklung anderer Clubs lässt vermuten: Der Klassenerhalt ist noch längst nicht geschafft.

Der 27. August 2014 ist kein Datum, das sich den Anhängern des SV Atlas ins Gedächtnis eingebrannt hätte, dabei ist an diesem warmen Mittwoch durchaus Einmaliges passiert. Die Delmenhorster Fußballer spielten damals im Bezirkspokal gegen den TSV Abbehausen, und zwar auf dem mit Flutlicht ausgestatteten Platz des Delmenhorster BV an der Schanzenstraße – damit war es das einzige Pflichtheimspiel seit der Wiedergründung 2012, das nicht auf dem Stadiongelände stattfand. Das Ende war nicht so erfreulich: Atlas flog mit 6:7 nach Elfmeterschießen raus, Torwart David Lohmann vom Platz, der Schiedsrichter wurde von betrunkenen Fans mit Bier übergossen, wofür Atlas später 100 Euro Strafe zahlen musste.

Im Stadion fühlt sich Atlas, kurz gesagt, am wohlsten; in der Rückrunde der Oberliga wird der Aufsteiger aber nach fast vier Jahren mal wieder ins Exil getrieben. Durch die Absage der Heimspiele gegen den TuS Sulingen und den SSV Vorsfelde an den vergangenen beiden Wochenenden, steht fest, dass die Blau-Gelben mindestens eines ihrer Heimspiele an einem Wochentag austragen müssen – das Sulingen-Spiel wurde bereits für Mittwoch, den 11. April, um 19.30 Uhr angesetzt und kann nicht auf dem Stadiongelände stattfinden. „Das Flutlicht auf den Nebenplätzen ist nicht spielfähig“, stellt Manager Bastian Fuhrken nicht als Erster fest.

Oberliga-Premiere beim DBV oder DTB?

Damit wird vermutlich ein anderer Rasen in Delmenhorst Austragungsort eines Oberliga-Spiels mit mehreren hundert Zuschauern. Die Schanzenstraße ist ebenso eine Option wie der Platz des Delmenhorster TB Am Kleinen Meer, der seine Tauglichkeit für großes Publikum bereits mehrfach bei Turnieren nachgewiesen hat – für beide Anlagen wäre es eine Oberliga-Premiere. Historisch konsequent wäre eine Verlegung des Spiels auf den Platz des TuS Hasbergen – denn Am Tell spielte Atlas während der Stadionrenovierung in der Saison 1986/87 und schaffte als Aufsteiger überraschend den Oberliga-Klassenerhalt. „Wir sind schon in der Planung. Wo in Delmenhorst das Sulingen-Spiel stattfindet, müssen wir sehen“, sagt Fuhrken, der einräumt, „dass die ganzen Ausfälle uns vor Probleme stellen.“

Und zwar nicht nur bei den Heimpartien. Auch das schon abgesagte Spiel am Sonntag beim 1. FC Wunstorf wird in der Woche nachgeholt. „Eine Katastrophe“, stöhnt Fuhrken, dessen Improvisationsfähigkeit weiter auf die Probe gestellt wird. Schon die Vorbereitung war Flickwerk mit einigen eilig abgesprochenen Testspielen. „Ich hatte gehofft, dass das mal langsam ein Ende hat“, sagt Fuhrken, „jetzt müssen wir in der Woche am Abend nach Wunstorf, schlimmer geht es nicht.“

Konkurrent TB Uphusen mit zwölf Neuen

Womöglich aber doch. Für die kommende Woche ist heftiger Frost angekündigt, schon jetzt steht auch das nächste Spiel zuhause gegen den Heeslinger SC am 3. März auf der Kippe. Die Heeslinger werden hoffen, dass das Delmenhorster Stadion irgendwie bespielbar ist, denn der Club aus dem Kreis Rotenburg hat erst 13 Spiele gemacht, Atlas immerhin 15, der Tabellendritte Lupo Martini Wolfsburg aber schon 18. „Das Programm wird heftig für uns. Die vielen englischen Wochen sind sicher kein Vorteil“, meint Fuhrken und blickt in der Tabelle mit Sorge nach unten.

Die Abstiegsränge sind noch sechs Zähler weg, drei Kellerkinder haben in den fünf Partien am Wochenende aber gepunktet. Der Vorletzte TB Uphusen hat zwar noch nicht gespielt, mit zwölf Neuzugängen im Winter, darunter der Delmenhorster Thomas Celik und Ex-Atlas-Spieler Dennis Janssen, aber alles auf die Karte Klassenerhalt gesetzt. „Wir wollen unbedingt in der Liga bleiben und sind jetzt viel besser aufgestellt“, sagte Trainer Fabrizio Muzzicato dem Portal „fussball.de“.

Atlas hat mit Dennis Thüroff und Philip Immerthal nur zwei Neue dabei, Immerthal gehört aber bisher zu den Gewinnern der Vorbereitung, in der sich auch Stürmer Thade Hein und Musa Karli hervorgetan haben. Fuhrken warnt dennoch: „Wir stehen unter Druck. Jeder, der jetzt nicht gewarnt ist, dem ist nicht zu helfen.“


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