A-Jugend-Bundesliga Die Übermannschaft Füchse Berlin kommt nach Bookholzberg

Von Frederik Böckmann und Daniel Niebuhr

Keine Angst vor dem großen Namen: Bennet Krix und Co. sollen auch gegen die Füchse Berlin mutig ihre Chancen suchen. Foto: Rolf TobisKeine Angst vor dem großen Namen: Bennet Krix und Co. sollen auch gegen die Füchse Berlin mutig ihre Chancen suchen. Foto: Rolf Tobis

Bookholzberg. Schlusslicht gegen Spitzenreiter: Bundesligist HSG Grüppenbühren/Bookholzberg erwartet am Samstagnachmittag (17 Uhr) die Füchse Berln Reinickendorf. Die Jungfüchse sind die vielleicht beste deutsche A-Jugend-Mannschaft. An der Seitenlinie bei ihnen steht der mächtigste Mann im deutschen Handball: Bob Hanning.

Bob Hanning hat in seiner Funktion als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes schon angenehmere Tage erlebt. Nach der enttäuschenden Männer-Europameisterschaft muss der mächtigste Mann im deutschen Handball permanent erklären, ob es mit dem von ihm verpflichteten Bundestrainer Christian Prokop weitergeht. Oder eben nicht.

Bob Hanning ist aber nicht nur DBH-Vize, sondern auch Manager der Füchse Berlin – und Trainer in der A-Jugend-Bundesliga. Der vom Boulevard „Handball-Napoleon“ getaufte Hanning dürfte deshalb an diesem Wochenende die Reise aus der Weltmetropole Berlin in das Handball-Dorf Bookholzberg zur Abwechslung sicherlich gerne antreten.

Auch, weil seine Mannschaft zur Zeit das Nonplusultra im deutschen A-Jugend-Handball ist: Als einzige Mannschaft aller vier Bundesligen sind die Jungfüchse noch unbesiegt. Zuletzt schlug der Spitzenreiter (30:0 Punkte) den Dritten HSV Hamburg (30:7) klar mit 39:30 – und distanzierte damit einen Konkurrenten um die zwei Quali-Plätze für die DM.

Stefan Buß sieht in den Jungfüchsen den kommenden Deutschen Meister

„Ich glaube, Berlin wird der kommende Deutsche Meister. Das ist eine überragende Mannschaft mist starken Individualisten, die sehr schönen Handball spielt“, spricht Buß vor dem Heimspiel am Samstag (17 Uhr) mit Hochachtung von dem Talentschuppen der Berliner. Acht Akteure des Kaders aus dieser Saison holten 2017 den DM-Titel mit der B-Jugend, fünf Spieler standen mit der A-Jugend im verlorenen DM-Finale. Und noch eine Statistik: Der Großteil des Füchse-Kaders hat in den vergangenen 41 Begegnungen nur eine einzige Niederlage kassiert.

Die Füchse setzen seit 2005 auf eine intensive, auch außersportliche, Ausbildung junger Spieler. Das zahlt sich aus. Der Verein holte vier DM-Titel in der A-Jugend und fünf in der B-Jugend. Und, für den Verein noch wichtiger, regelmäßig schaffen Spieler den Sprung in die erste und zweite Bundesliga (nicht nur bei den Füchsen). Prominentes Beispiel ist Nationalspieler Paul Drux.

Welche der vielen Berliner U-Nationalspieler in der Halle am Ammerweg mit Spielbeginn auf dem Parkett stehen, dürfte sich erst kurzfristig entscheiden. Denn Berlin ist bereits am Freitagabend beim TSV Sieverstedt gefordert. Nach einer Übernachtung geht es dann weiter in den Landkreis Oldenburg. „Wir wollen natürlich an diesem Wochenende vier Punkte mitnehmen, das würde unsere Chancen erhöhen schon früh den Einzug ins Viertelfinale sicherzustellen“, fordert Bob Hanning via Vereinshomepage.

Niederlage gegen Bad Schwartau analysiert – und abgehakt

Dass die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg sehr wahrscheinlich die 15. Niederlage im 18. Saisonspiel kassieren wird, ist für Buß zweitrangig. Die Vorgabe an seine Mannschaft ist diese: mutig sein, Berlin so lange wie möglich ärgern – und vor allem das Spiel genießen. Buß ist auch gespannt, wie sein Team gegen die offensive 3:3-Deckung der Gäste agiert.

Die Enttäuschung über die am Ende deutliche Niederlage in der Vorwoche beim VfL Bad Schwartau (30:41) hat Grüppenbühren/Bookholzberg in der vergangenen Trainingswoche analysiert – und abgehakt. „Wir haben unnötige Fehler gemacht. Es war aber nicht alle schlecht, wir hatten auch viele gute Phasen“, betont Buß.

Er muss am Samstag sicher auf Piet Gerke (Zahn-OP) und Simon Schreiner (Handverletzung) verzichten. Für Torwart Schreiner ist die Saison sogar komplett beendet. Eventuell fällt auch noch Thies Kügler (krank) aus.


Bob Hanning

Bob Hanning heißt mit Vornamen eigentlich Hans Robert. So steht das in seinem Pass, so nennt den Handball-Manager aber niemand. Bob ist kürzer, lockerer, einprägsamer und auch deutlich praktischer für jemanden wie Bob Hanning, der konsequent duzt und auch geduzt werden möchte.

„Meine Eltern Manfred und Layla sind große Fans von Bob Dylan, der ja eigentlich als Robert Zimmerman geboren wurde“, sagte er mal. So wurde auch bei ihm aus Robert Bob. Lässt sich leicht merken, wie seine Körperlänge von 1,68 Metern, die meist noch winziger wirken, als sie ohnehin sind, weil er sich in der Regel zwischen mindestens 1,90 Meter großen Handballern bewegt.

Hanning ist 50 Jahre alt, und er ist der Mächtigste im gesamten deutschen Handball. Offiziell ist er „nur“ einer der Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB). Praktisch bestimmt Hanning seit Jahren die sportlichen Geschicke der mit Abstand wichtigsten DHB-Marke, der Männer-Nationalmannschaft. „Ich würde mich schon als sehr konsequent bezeichnen“, hat er mal dem „Tagesspiegel“ gesagt.

Seit 2013 arbeitet er neben seinem Job als Manager der Füchse Berlin nun für den DHB – und seine Konsequenz hat ihm viele Widersacher beschert. Kurze Zeit nach seinem Amtsantritt kam es zum Zerwürfnis mit dem ehemaligen DHB-Präsidenten Bernhard Bauer, dem ein erbitterter Machtkampf folgte. Bauer versuchte Hanning mithilfe einiger Landesverbände aus dem DHB zu drängen, was aber scheiterte, sodass Bauer sich stattdessen selbst verabschiedete. Auch den heftigen Streit mit Ex-Bundestrainer Heiner Brand überlebte Hanning.

Bis zu den Olympischen Spielen 2004 war Hanning noch Brands Co-Trainer gewesen. Die Rollen wechselten, als Hanning 2013 DHB-Vize wurde und der Einfluss des damaligen DHB-Managers Brand dadurch immer stärker abnahm. Brand wollte Hanning nie als seinen Vorgesetzten akzeptieren. Dieser habe eine „narzisstische Persönlichkeitsausprägung“, polterte Brand damals in der „Sport Bild“. Bei Hanning stehe die Eigeninszenierung im Vordergrund, er „braucht Leute und benutzt sie.“ Aber auch Brand verschwand irgendwann aus dem DHB. Hanning blieb. Und ist dort bis heute. (dpa)