Premiere im Maxx-Filmpalast Stehende Ovationen für Dokumentation über SV Atlas

Von Klaus Erdmann und Lars Pingel


Delmenhorst. 450 Zuschauer verfolgten im Maxx-Filmpalast in Delmenhorst die Premiere der Dokumentation „Die Rückkehr des SV Atlas“. Die Kölner Produktionsfirma Jute Medien erntete für ihren Leinwand-Erstling stehende Ovationen. Atlas nutzte den perfekten Rahmen, um den scheidenden Vorsitzenden Jörg Borkus zu verabschieden.

Zwei Wörter und eine Gegenfrage – das war die erste Reaktion von Timo Conrad, Sprecher der Atlas-Fangruppierung Block H, auf den Film „Die Rückkehr des SV Atlas“, der am Samstagabend im ausverkauften großen Saal des Delmenhorster Kinos Maxx Premiere gefeiert hatte. „Top“, sagte Conrad und: „Sensationell, oder?“ Er hatte nach der 55-minütigen Dokumentation, die die Kölner Produktionsfirma Jute Medien um Melina von Rönn, Tochter des SVA-Kassenwarts Thomas von Rönn, und Niklas Kreikebaum als Crowdfunding-Aktion (Lesen Sie mehr: Dokumentation über den SV Atlas ab Samstag im Kino) finanziert hatte, wie jeder der 450 Zuschauer – darunter ungefähr die Hälfte geladene Gäste – im Stehen applaudiert. Wie es sich für Fußball-Fans gehört, hatte Conrad den Film mit Sprechchören gefeiert. Conrad hat (fast) alle Spiele des am 4. April 2012 wieder gegründeten SV Atlas besucht, also auch die der Saison 2016/17, die mit dem Oberliga-Aufstieg gekrönt wurde und die den roten Faden des Films bildete. „Es ist super, dass du die Möglichkeit hattest, das alles noch einmal mitzuerleben“, sagte Conrad und fügte hinzu: „Du sitzt mit deinen ganzen Kumpels, mit 450 geilen Typen im Kino und siehst diesen Film. Was willst du mehr?“ Dann ging es ins benachbarte „Riva“, in dem der Abend mit der Premierenfeier ausklang, den der SVA auch dazu genutzt hatte, seinen scheidenden Vorsitzenden Jörg Borkus gebührend zu verabschieden.

Erinnerungen an denkwürdige Spiele

Die jungen Filmemacher präsentieren im Rahmen der „Weltpremiere“ (Moderator Heinz Bußmann) mit ihrem Leinwand-Erstling ein sorgfältig und gekonnt inszeniertes Werk, das nicht nur bei eingefleischten Atlas-Fans für Gänsehaut sorgte. Sie lassen Highlights des „ersten“ SVA und der fast sechs Jahre seit der Neugründung Revue passieren, erinnern an denkwürdige Spiele, Momente der Niedergeschlagenheit und vor allem Erfolge und damit verbundene Jubelszenen. Die Kölner wählten eine Dramaturgie, die einen geschickt aufgebauten Spannungsbogen beinhaltet, und die den Betrachter zuweilen packt, obwohl die Ergebnisse bereits bekannt sind. Auf einen Sprecher verzichteten die Macher – der Film spricht für sich.

Und das Filmteam rückt Protagonisten wie beispielsweise die Atlas-„Väter“ und Manager Bastian Fuhrken und Tammo Renken, Cheftrainer Jürgen Hahn und Oberfan Bert Drewes („Der Film ist weltklasse.“), die wirklich etwas zu sagen haben, in den Mittelpunkt. Das Jute-Medien-Team dringt ins Innere vor, zeigt Kabinenansprachen von Cheftrainer Jürgen Hahn und Besprechungen, zeigt Bilder, die in Erinnerung bleiben. Der Aufstieg in die Oberliga bescherte den Kölnern ein Highlight, wie es sich ein Drehbuchautor nicht besser hätte ausdenken können. Sönke Wortmanns Erfolgsfilm „Deutschland. Ein Sommermärchen“ lässt grüßen.

Doku wird mit Szenenapplaus bedacht

Die Doku hat es verdient, dass der Norddeutsche Rundfunk, der die Produktion ebenso wie das Magazin „11 Freunde“ unterstützt hat, sie in das Programm aufnimmt. Und: Von Rönn, Kreikebaum & Co. sollten sich darum bemühen, „Die Rückkehr des SV Atlas“ auf einem Festival vorzustellen.

Vor und nach der mit Szenenapplaus bedachten Vorstellung im Maxx-Filmpalast, dessen Chef Joachim Schumacher die Veranstaltung mit Lob bedachte, versorgte der souverän durch das Event führende Bußmann die Besucher mit Informationen. Der Stadionsprecher stellte die Crewmitglieder und Atlas-Vertreter vor, führte Kurzinterviews und entlockte den überwiegend unter Lampenfieber leidenden Gesprächspartnern interessante Aussagen. So berichtete von Rönn, dass man insgesamt ein Jahr lang an dem Film gearbeitet habe. Fuhrken: „Ich saß zwölf, 13 Stunden vor der Kamera – im Film ist es dann nur eine Minute.“

Nach der „Weltpremiere“ gab es ausnahmslos positive Kommentare, auch wenn sich der eine oder andere Fußballer mehr Spielszenen gewünscht hätte. Renken und Fuhrken („Die Story ist nicht zu Ende“) kommentierten das Ergebnis der aufwendigen Arbeit ebenso in höchsten Tönen wie Hahn: „Die Machart der Doku ist perfekt. Man hat alles einmal aus einer anderen Perspektive gesehen.“ Der Coach bewegte sich ebenso wie sein „Co“ Marco Büsing (Meniskusverletzung) mit Gehhilfen. Nach einer Hüftoperation befindet sich Hahn auf dem Weg der Besserung, „Ich muss Schritt für Schritt machen“, betonte er schmunzelnd.

Stehende Ovationen für Jörg und Corina Borkus

Stehende Ovationen gab es nicht nur für den Film, sondern auch für Borkus. Der scheidende Vorsitzende zeigte sich sichtlich gerührt, als er gemeinsam mit seiner Frau Corina auf die Bühne gebeten wurde. Fuhrken lobte dass ungewöhnliche Engagement, erinnerte an schwere Zeiten („Jörg hat die Karre aus dem Dreck gezogen“) und sagte abschließend: „Eine Familie, die so anpackt, finden wir nicht wieder.“

Am Sonntagvormittag verfolgten rund 200 Zuschauer „Die Rückkehr des SV Atlas“. Die dritte und letzte Vorstellung im Maxx steht am Freitag ab 20 Uhr auf dem Programm. Karten gibt es bei Taxe Borkus (Industriepark 6, Ganderkesee), in der Vereinsgaststätte „Jan Harpstedt“ (Hasporter Damm 100) und bei Intersport Strudthoff (Lange Straße 124.)