Sportliche Rückblicke Als Boris Becker in Delmenhorst Europameister wurde



Delmenhorst. 1983 wurde der damals 15-jährige Boris Becker mit dem deutschen Junioren-Team auf der Anlage des Delmenhorster TC Tennis-Europameister. Franz-Josef Ritterhoff, seinerzeit Vorständler des DTC, erinnert sich an einen bescheidenen Auftritt des Youngsters, der zwei Jahre später in Wimbledon triumphiert.

Am 14. März 1983, ein Montag, klingelte in der Sportredaktion des Delmenhorster Kreisblatts ein Telefon. Das gehörte auch bereits seinerzeit, vor fast 35 Jahren, durchaus zum Büroalltag. Keinesfalls alltäglich war jedoch der Name der Anruferin, die sich mit einer Bitte meldete: „Guten Morgen. Hier spricht Frau Becker. Mein Sohn hat am Wochenende in Delmenhorst Tennis gespielt. Könnten Sie mir bitte eine Zeitung mit dem Bericht über die Spiele seiner Mannschaft schicken?“ Die Anruferin war Elvira Becker, Mutter eines Sohnes namens Boris, der zwei Jahre nach seinem Gastspiel in der Halle Am Friesenpark, Heimat des Delmenhorster Tennis-Clubs, mit dem Sieg in Wimbledon eine Weltkarriere begründete und zudem großen Anteil am landesweiten Boom hatte.

Becker zu Gast beim DTC – die Endrunde um die Europameisterschaft der Junioren (bis 16 Jahre) machte es möglich. Der wohl berühmteste Leimener, der für Schwarz-Gelb Heidelberg spielte, gehörte der deutschen Mannschaft an, die die Niederlande ausschaltete (4:1), ehe sie im Finale Italien bezwang (4:1). Er deutete sein großes Potenzial mit imponierenden Vorstellungen an. „Im deutschen Team ragte Boris Becker, der seine vier Einzel und – zusammen mit Tore Meinecke (Klipper Hamburg) – ein Doppel gewann, heraus“, berichtete das dk am 14. März 1983.

Zu Gast beim Delmenhorster TC: Boris Becker errang im März 1983 mit der deutschen Auswahl den EM-Titel. Foto: dk-Archiv/Rolf Tobis

Apropos Meinecke: Vor 35 Jahren wurde er als das größte deutsche Talent bezeichnet. Diese Beurteilung wurde schon bald korrigiert und am 7. Juli 1985 gewann der 17-jährige Becker erstmals Wimbledon.

Der Delmenhorster TC verfügte 1983 erstens über einen guten Namen und zweitens über ausgezeichnete Kontakte. „Eines Tages wurden wir gefragt, ob wir die Europameisterschaft ausrichten wollen“, blickt Franz-Josef Ritterhoff zurück. Und ob sie wollten. Schließlich, so der inzwischen 81-jährige Ritterhoff, der damals dem Vorstand angehörte und später rund 20 Jahre lang als Vorsitzender bzw. dessen Stellvertreter fungierte, schließlich hatte man schon große Nikolaus- und andere Turniere ausgerichtet und Erfahrungen gesammelt. Die DTCer leisteten auch bei der EM-Endrunde ganze Arbeit. „Wir waren etwa 20 Leute“, sagt Ritterhoff. „Einige haben sich Urlaub genommen.“ Es habe große Begeisterung geherrscht.

Das zeigte sich auch beim Zuspruch. „Rund 500 Zuschauer erlebten an den drei Tagen teilweise hochklassigen Tennissport“, schrieb das dk. Ritterhoff: „Die Besucher verfolgten die Spiele von unserer Empore aus. Außerdem hatten wir auf Platz 1 eine Tribüne aufgestellt.“ Keiner der 500 Zuschauer dürfte geahnt haben, dass er die Matches eines späteren Olympiasiegers verfolgte.

Boris Becker zeigte keine Star-Allüren

Ritterhoff: „Die Spieler waren normale Jungs.“ Auch Becker habe keine Allüren gezeigt, sei bescheiden gewesen: „Obwohl den Spielern Getränke zur Verfügung standen, hat er sich im Restaurant etwas zu trinken bestellt und bezahlt.“ Erst im Nachhinein, im Laufe der Jahre, als sich Becker vom deutschen Sternchen zu einem strahlenden Stern am weltweiten Tennishimmel entwickelte, wussten sie beim DTC, dass ein sechsfacher Grand-Slam-Gewinner, ein ATP-Weltmeister, kurz: ein Weltstar, bei ihnen aufgeschlagen hatte. „Im Verein war Boris Becker ständig ein Thema. Seine Spiele haben wir gemeinsam geguckt“, sagt Ritterhoff.

P. S. Selbstverständlich haben wir Elvira Becker einige dk-Exemplare, Ausgabe 14. März 1983, geschickt. Die angebotene Erstattung der Kosten haben wir abgelehnt. Und natürlich hoffen wir insgeheim, dass der Artikel einen- Platz gefunden hat zwischen Spielberichten, Interviews oder Kommentaren, die Kollegen der „Herald Sun“ (Melbourne“), „London Times“ oder des „Wall Street Journal“ (New York) über Boris Becker veröffentlicht haben.


Regelmäßig blickt die dk-Sportredaktion samstags auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Oldenburg oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Dieses Mal: 1983 spielte Boris Becker in der Tennishalle Am Friesenpark.

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