„Es wird Gänsehaut-Momente geben“ Dokumentation über den SV Atlas ab Samstag im Kino



Delmenhorst. Auf den 55-minütigen Film „Die Rückkehr des SV Atlas“ mit insgesamt drei Vorstellungen wartet die blau-gelbe Fangemeinde sehnsüchtig. Melina von Rönn, Tochter von SVA-Kassenwart Thomas von Rönn, erzählt, wie die Dreharbeiten liefen.

Ein Jahr investierten sie in Planung, Vorbereitung, Produktion und Schnitt, am Samstag steigt die von der blau-gelben Fangemeinde sehnsüchtig erwartete Premiere: Das Kölner Produktionsteam Jute Medien zeigt ab 20 Uhr im Delmenhorster Maxx-Kino die ausverkaufte Erstvorstellung der Dokumentation „Die Rückkehr des SV Atlas“. Zum Start des Vorverkaufs war die Premierenvorstellung bereits nach wenigen Stunden ausverkauft.

Idee entstand 2015

Doch wie kam die Kölner Produktionsfirma Jute Medien überhaupt dazu, eine Dokumentation über den SV Atlas zu drehen? Diesen Gedanken hatten Melina von Rönn und ihr Freund Niklas Kreikebaum bereits 2015. „Ich war gerade aus dem Ausland wieder gekommen, da saßen wir beim Essen mit meinen Vater zusammen. Er hat uns so viel über den Hype beim SV Atlas erzählt, dass uns die Idee kam, ob nicht einen Film über die interessante Geschichte des SV Atlas drehen wollen“, erzählt die Delmenhorsterin.

Ihr Vater, das ist Thomas von Rönn. Seines Zeichens Kassenwart beim SV Atlas und deshalb voll mit dem blau-gelben Virus infiziert. Realisieren ließ sich das Projekt „Atlas-Doku“ damals aus zeitlichen Gründen aber (noch) nicht. Und lag deshalb zuerst einmal auf Eis.

Die Filmcrew sammelte Spenden für ihr Crowdfunding-Projekt: Mit dabei war auch die Delmenhorsterin Melina von Rönn (2. von links). Fotos: Rolf Tobis

Dafür kam die Sache Ende 2016, Anfang 2017 ins Rollen. Wie es der Zufall wollte, verschlug es die meisten Freunde von Melina von Rönn und Niklas Kreikebaum, die zusammen in Siegen Medienwissenschaften studiert und dort den harten Kern des Campus TV gebildet hatten, beruflich nach Köln. Die achtköpfige Clique mit von Rönn, Kreikebaum, Sebastian Paxmann, Dominique Uhe, Timofei Konjaev, Svenja Preuss, Joëlle Habermann und Sergio Cuomo fasste den Plan, mit ihrer jungen Produktionsfirma Jute Medien ein Projekt zu starten – und landete bei Atlas Delmenhorst.

Dabei wären ihre Freunde zu Beginn durchaus skeptisch gewesen, einen Film über einen Fußballverein zu drehen, erzählt Melina von Rönn und lacht. Während sie Sport interessiert ist und von 2001 bis 2011 beim TV Jahn Delmenhorst Volleyball spielte, „kommen die anderen eigentlich alle eher aus der Kultur- und Musikszene. Mit Fußball haben die meisten von uns nichts am Hut.“

Um sich ein genaues Bild vom SV Atlas und seinen besonderen Eigenheiten zu machen, fuhren die Rheinländer Anfang des Jahres 2017 nach Delmenhorst, besuchten erst ein Atlas-Testspiel in Bremen und später auch das erste Landesliga-Rückrundenspiel gegen den VfL Oythe. Feuer und Flamme von der Idee, einen Film über den SV Atlas zu drehen, waren von Rönns Mitstreiter dann schließlich nach einem Besuch beim Atlas-Partner Intersport Strudthoff. „Meine Freunde fanden es völlig verrückt, als sie gesehen haben, dass so ein kleiner Amateurverein einen eigenen Fanshop hat.“

Die Idee, die ereignisreiche Geschichte des alten und wiedergegründeten SV Atlas Delmenhorst zu dokumentieren, stand. Verein und Fans waren sofort begeistert, erste Interviews mit den sieben Hauptprotagonisten (die Fans Bert Drewes und Kutten Achim, Kult-Keeper David Lohmann, Trainer Jürgen Hahn, der scheidende Präsident Jörg Borkus sowie die Gründungsväter Tammo Renken und Bastian Fuhrken) waren bald im Kasten.

Allerdings fehlte es am Kleingeld. Deshalb kam dann diese Idee: Über ein so genanntes Crowdfunding-Projekt sollten die kalkulierten Kosten von 8000 Euro vor allem für die Ausrüstung und die Fahrten von Köln nach Delmenhorst eingespielt werden – und es gelang.

„Wir waren am Anfang überhaupt nicht davon ausgegangen, dass wir diese Summe erreichen“, erzählt Melina von Rönn, die in Düsseldorf in der Kommunikationsabteilung einer Bank arbeitet. „Aber der Verein hat uns immer wieder Mut gemacht: ,Die Fans sind verrückt auf diese Doku‘. Als wir die 8000-Euro-Grenze geknackt, haben wir uns riesig gefreut.“ Denn auch die Kölner Produktionsfirma hatte vom SV Atlas Blut geleckt. Blau-gelbes Blut sozusagen.

Alle Interviewaussagen werden abgetippt

Für die Jute Medien begann nun die Arbeit richtig. Insgesamt fünf Atlas-Spiele begleitete die Kölner Crew, dazu kamen mindestens ebenso viele weitere Wochenend-Termine, an denen weitere Interviews mit Spielern, Fans und Funktionären gedreht wurden. Von den sieben Hauptprotagonisten waren jeweils vier bis fünf Stunden Filmmaterial im Kasten. Alle (!) Aussagen wurden abgetippt, um für die Dramaturgie des insgesamt 55 Minuten langen Films einen besseren roten Faden zu haben.

In der Haupt- und Postproduktion teilte sich das achtköpfige Team die Arbeit weitgehend auf. Hilfreich für die Kölner war, dass fast alle Crewmitglieder im Fernsehbereich arbeiten. An Arbeit mangelte es der Produktionsfirma nicht. „Wir haben an den Wochenenden schon sehr viel Zeit investiert“, sagt von Rönn. Ihr Freund Niklas Kreikebaum, der auch am Film über den DJ Robin Schulz mitarbeitete, beschäftigte sich im Dezember ausschließlich mit der Atlas-Doku.

Bei den Dreharbeiten selbst lief für die Filmcrew laut von Rönn meistens alles glatt, was die Produktion erleichterte. „Alle Interviewer haben super mitgegezogen“, sagt die 24-Jährige. Aber selbst ein cooler Hund wie Tammo Renken war beim ersten Filmdreh überrascht, mit welchem großem technischen Aufgebot gedreht wurde. „Da war selbst er ein wenig nervös“, schmunzelt von Rönn.

Wenn die Filmcrew zum Fan wird ..

Die Filmcrew ertappte sich selbst, wie sie im Laufe der Zeit und vor allem in der heißen Phase der Saison vom neutralen Beobachter zum Fan wurde. Beim späten 1:1-Ausgleich am vorletzten Spieltag bei BW Lohne „habe ich vor Enttäuschung laut in die Kamera geschrien“, lacht von Rönn. „Das 1:1 gegen Lohne hatte uns richtig geärgert. Denn wir wollten den Film ja mit einen Happy End enden lassen.“ Das gelang schließlich mit der Landesliga-Meisterschaft und dem Oberliga-Aufstieg beim 5:1 gegen den VfL Wildeshausen. „Da haben wir die Kamera einfach laufen lassen, weil uns die Emotionen so überwältigt haben“, sagt von Rönn.

Bleibt nur eine Frage: Was können die Fans bei der Dokumentation erwarten? „Es wird Einblicke in die Geschichte des alten und neuen SV Atlas geben, in die Fankultur und auch eine kritische Auseinandersetzung mit den derzeitigen Verhältnissen im Profifußball“, erzählt von Rönn und verspricht vor allem mit Blick auf das Herzschlagfinale am letzten Spieltag: „Es wird Gänsehaut-Momente geben.“


Die Premiere am Samstag (13. Januar, 19 Uhr) ist im Maxx-Kino in Delmenhorst ist ausverkauft. Die Aftershowparty wird direkt gegenüber vom Kino im Riva Café Bar Restaurant stattfinden. Jeder mit einer Eintrittskarte für Samstag erhält im Anschluss an die Filmpremiere Zutritt.

Für die beiden anderen beiden Vorstellungen am Sonntag (14. Januar, 11 Uhr) und am darauffolgenden Freitag (19. Januar, 20 Uhr) gibt es noch Karten zum Preis von neun Euro. Die drei Vorverkaufsstellen sind Taxe Borkus (Industriepark 6, 27777 Ganderkese), die Vereins-Gaststätte Jan Harpstedt (Hasporter Damm 100, 27749 Delmenhorst) und Intersport Strudthoff (Lange Straße 124, 27749 Delmenhorst).

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