Ganter-Markt-Chef Vetter im Gespräch Ganderkeseer Kaufleute loben Anstrengungen zur Ortskernbelebung

Von Thorsten Konkel

Eine Jungbrunnen-Kur haben gerade die Hagstedt-Immobilien an der Rathausstraße erfahren: Investieren anstatt innezuhalten, das rät Ganter-Markt-Chef Timo Vetter innerörtlichen Geschäftsinhabern und Immobilienbesitzern. Foto: Thorsten KonkelEine Jungbrunnen-Kur haben gerade die Hagstedt-Immobilien an der Rathausstraße erfahren: Investieren anstatt innezuhalten, das rät Ganter-Markt-Chef Timo Vetter innerörtlichen Geschäftsinhabern und Immobilienbesitzern. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Auf der Sollseite ein Wetter, das Kauflaune und Umsätze verhagelte, auf der Habenseite eine Wirtschaftsförderung, die ihre Hausaufgaben gemacht zu haben scheint: Aus Kaufmannssicht bilanziert der Ganter-Markt-Vorsitzende Timo Vetter das zu Ende gehende Jahr.

dk: Herr Vetter, in einem Satz frei heraus. Wie ist 2017 für die Kaufleute gelaufen?

Timo Vetter: Ich habe mich mal umgehört und recht wenig Positives gehört. Es kamen zwei Dinge zusammen: fehlende Parkplätze und ein mieser Sommer. Wilm Denker sagte ganz treffend: „Man kauft sich ja keine Sandalen, damit das Wasser vorne rein und hinten wieder rausläuft.“ Die verkaufsoffenen Sonntage sind unterm Strich gut gelaufen. Für viele Einzelhändler sind diese Tage unverzichtbar.

Wie steht es ums Dauerthema Marktplatzumbau? Der gehört für die Kaufleute ja sicher zu den größten „Baustellen“. Auch 2017 ist er wieder nicht erfolgt.

Der Baubeginn ist jetzt für Anfang 2018 geplant. Es wäre nicht das erste Mal, dass der geplante Baubeginn verschoben wird, aber „eigentlich“ ist ja jetzt alles in trockenen Tüchern. Da bin ich zurückhaltend optimistisch. Der jetzige Bauplan entspricht ja mit kleineren Abstrichen auch unseren Wünschen.

Und die Parkplatz-Situation?

Ist seit dem letzten Jahr durch den Wegfall des Hagstedt-Parkplatzes nur schlechter geworden. Aber es kann nur besser werden: Die Baustellenfahrzeuge vorm Olympia sind wieder verschwunden. Der Marktplatzumbau sieht ja auch vor, dass hier Parkplätze entstehen. Das ist wichtig und richtig so. Aber auch die Geschäftsinhaber sind gefordert: Das eigene Fahrzeug muss nicht vor dem Laden stehen. Jeder fehlende Parkplatz kann ein fehlender Kunde sein. Was spricht dagegen, morgens zum Beispiel gegenüber von Stolle auf dem Pendlerparkplatz oder auf dem Festplatz zu parken? Zwei bis drei Gehminuten haben noch keinem geschadet – den Kunden übrigens auch nicht.

Ende 2016 schöpften die Kaufleute nach der Ankündigung der Wirtschaftsförderung, die Ortskernbelebung verstärkt anzugehen, neue Hoffnung. Was hat der neue Mann für die Stärkung des Einzelhandelsstandortes aus ihrer Sicht denn schon bewirkt?

Seit Oktober ist Christian Siedenstrang als Verstärkung in der Wirtschaftsförderung dazugekommen. Er hat sich in den Betrieben bereits vorgestellt. Auch Ganter-Markt steht mit ihm in regem Kontakt. Er nahm auch schon an unserer Vorstandsrunde teil. Uns ist klar, dass Wunder etwas länger brauchen – aber alles in allem ein positiver Start.

Mit der Ansiedlung des Hospizkreises im Von-Seggern-Haus sowie dem Umzug des Bastelladens an die Rathausstraße haben sich in den letzten zwölf Monaten zwei Leerstände gefüllt. Doch schon bald zieht die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) vom Markt weg an den Grünen Weg. Wie dramatisch bewerten sie aktuell die Situation der Ladenleerstände?

Ob der Hospizkreis dem Ortskern Kaufkraft und Frequenz bringt, weiß ich nicht. Aber auch die ehemalige Wittekind-Apotheke ist wiederbelebt. Und man sieht auch, dass es sich lohnt, einen eventuellen Leerstand nicht dem Verfall zu überlassen, sondern in Modernisierung zu investieren. Eine Jungbrunnen-Kur haben die Hagstedt-Immobilien erfahren. Für uns nicht neu waren die Pläne, dass Juwelier Michael aufhören möchte. Aber solange Bewegung da ist, ist noch nichts verloren.

Wie bewerten Sie den Kauf des LzO-Gebäudes und das Konzept der Verwaltung?

Gut. Eine für den Ortskern wichtige Immobilie wurde gesichert. So kann man bei der Nachnutzung Einfluss nehmen. Wie gut das wirklich ist, sehen wir dann, wenn die Nachnutzung feststeht. Mit der LzO verlässt ein wichtiger Frequenzbringer den Ortskern. Das ist leider nicht zu ändern. Jetzt muss man das Beste daraus machen.

Zu wenige Wohnungen im Ort, zu viele Ladenleerstände: Eine Alternative könnte ja die Umwandlung von Gewerbefläche in Wohnraum sein. Doch die Verwaltung hält bislang daran fest, in Untergeschossen nur Gewerbe zuzulassen. Ist das so richtig?

Ja. An vorderster Front im Zentrum sollte so lange wie möglich an Gewerbe festgehalten werden. Jede Umnutzung zur Wohnung ist unwiederbringlich ein Verlust für die gesamtwirtschaftliche Situation im Ortskern. Und gerade jetzt entsteht ja kernnah sehr viel neuer Wohnraum – etwa auf dem früheren Hagstedt-Parkplatz oder auf der Köhlerwiese. Auch das stärkt mehr oder weniger die Kaufkraft im Ort.

Welche Forderungen haben die Kaufleute an die Verwaltung für 2018?

Die schnelle Umsetzung des Markplatzumbaus!

Welche Entwicklung soll der Verein Ganter-Markt im neuen Jahr nehmen?

Wir haben unser 2018 schon durchgeplant – unsere verkaufsoffenen Sonntage. Am 17. Juni wird zum zweiten Mal der „Familientag an der Westtangente“ stattfinden – im jährlichen Wechsel zur Gewerbeschau. 2018 jährt sich der Herbstmarkt zum 40. Mal. Ich meine, da müsste man mal wieder was Größeres starten. Genauere Pläne gibt es aber noch nicht. Nach der erfolgreichen Übernahme des Weihnachtsmarktes durch den Fasching würden wir es begrüßen, die Gruppen der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) bei unseren Veranstaltungen als festen Bestandteil integrieren zu können. Verein und Ehrenamt üben zusätzliche Anziehungskraft aus. Mehr Besucher tun dem Ortskern und jeder Veranstaltung natürlich gut.


Timo Vetter (40) ist 1. Vorsitzender des Vereins Ganter-Markt. Der Zusammenschluss von Ganderkeseer Kaufleuten und Gewerbetreibenden will den Ganderkeseer Ortskern als attraktiven Einkaufs- und Dienstleistungsstandort gerade auch für Familien etablieren.