Angeklagter bestreitet Mordabsicht Staatsanwalt sieht bei getöteter Wardenburgerin Ehrenmord

Von Ole Rosenbohm

Der Fall eines Wardenburgers, der seine Ehefrau erstach, beschäftigt derzeit das Landgericht Oldenburg. Symbolfoto: Michael GründelDer Fall eines Wardenburgers, der seine Ehefrau erstach, beschäftigt derzeit das Landgericht Oldenburg. Symbolfoto: Michael Gründel

Oldenburg/ Wardenburg. War es ein Ehrenmord oder eine Kurzschlussreaktion? Das muss das Landgericht im Fall der von ihrem Ehemann getöteten Wardenburgerin abwägen.

Den Fall einer durch die Hand ihres Ehemanns umgekommenen Wardenburgerin verhandelte am Dienstag das Landgericht Oldenburg im dritten Prozesstag. Die Tötung durch mehrere Messerstiche hatte der Angeklagte zugegeben, die Mordabsicht aber bestritten. Ein Streit sei eskaliert, an den Hergang könne er sich nicht erinnern. Für das Gericht geht es so wohl um die Frage, ob es den Fall als Totschlag oder Mord wertet.

Frühere Beziehung zum Bruder als Auslöser?

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war es Mord, ein sogenannter „Ehrenmord“. Grund sei die – bereits abgeschlossene – Beziehung der Frau am früheren Wohnort Gelsenkirchen zu einem Bruder des Angeklagten. Der Anwalt des Angeklagten findet diese Argumentation „konstruiert“, sieht die Tat eher als Kurzschlussreaktion seines Mandanten, sieht also einen Totschlag. Die Familie war vor etwa zehn Jahren aus dem Irak eingewandert.

Ehemann stach auf schlafende Frau ein

Laut Anklage hat der Ehemann gegen 3 Uhr morgens dreimal auf seine schlafende Ehefrau eingestochen. Sie konnte fliehen, er erwischte sie wieder, stach weitere sechs Mal zu. Daran starb sie wohl. Die fünf Kinder befanden sich noch im Haus, als der blutverschmierte Vater in der Nacht festgenommen wurde. Aus den Zeugenaussagen kann zumindest die Öffentlichkeit kaum schlau werden: Die engsten Verwandten des Angeklagten haben vom Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht, die des Opfers nur vor leeren Zuschauerbänken im Gerichtssaal geredet.

Ausschluss der Öffentlichkeit nach Bedrohung

Den Grund für den Ausschluss der Öffentlichkeit hatte dem Gericht eine als Bedrohung gewertete mehrmalige Kontaktaufnahme durch die Familie des Angeklagten mit der Opfer-Familie geliefert, um das Aussageverhalten zu beeinflussen. Man solle doch die „Angelegenheit“ lieber innerhalb der Familien klären, bevor es schlimmer werde, hatte es laut Zeugen geheißen. Das Gericht strich nach diesen Aussagen die Besuchsrechte des inhaftierten Angeklagten, nahm den Beschluss aber unter Vorbehalt wieder zurück. Seitdem sind Kontaktversuche ausgeblieben.