Gespräch mit Sandra Baba Flüchtlinge in Ganderkesee haben große Probleme beim Deutschlernen

Von Thomas Deeken

Sandra Baba (Mitte) kümmert sich in Ganderkesee um die Flüchtlinge, berät sie und informiert über Gesetze, Rechte und Pflichten. Archivfoto: Thorsten KonkelSandra Baba (Mitte) kümmert sich in Ganderkesee um die Flüchtlinge, berät sie und informiert über Gesetze, Rechte und Pflichten. Archivfoto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Die Integration der Flüchtlinge erweist sich als recht mühsam. Die meisten Flüchtlinge haben große Probleme beim Erlernen der deutschen Sprache, sagt Sandra Baba, die in Ganderkesee als Flüchtlingsberaterin tätig ist.

Die meisten Flüchtlinge haben große Schwierigkeiten, die deutsche Sprache zu erlernen. Das wiederum wirkt sich negativ auf Ausbildung, Beruf und Integration aus. Das hat Ganderkesees Flüchtlingsberaterin Sandra Baba gegenüber dem dk betont. Viele Flüchtlinge hätten gedacht, nach gut zwei Jahren so gut Deutsch zu sprechen, dass sie schnell arbeiten können. Aber für einen Großteil habe sich die Sprache als zu schwer entpuppt. Für sie sei beispielsweise B2, die vierte Stufe des Sprachniveaus, um beispielsweise in kaufmännischen Berufen arbeiten zu können, wie regioVHS-Leiter Dr. Jens Kohne sagt, noch lange nicht in Sichtweite.

Innerer Antrieb fehlt

Das Problem sei allerdings nicht nur die Sprache selbst. Vielen Flüchtlinge fehle der innere Antrieb, Deutsch zu lernen, so Sandra Baba. Vor allem ältere Menschen seien überfordert und hätten frühzeitig aufgegeben, etwas Neues zu lernen. Andere hätten „zunächst eine große Klappe“, kämen beim Spracherwerb allerdings nicht weiter. Ein großes Manko sei außerdem, dass viele Flüchtlinge nur im Sprachkurs lernen und bei Erfolglosigkeit eher die Schuld beim Lehrer als bei sich selbst suchen würden. Die Frauen und Männer müssten am Ball bleiben und zusätzlich zu Hause Vokabeln pauken, weiß die Flüchtlingsberaterin, die eigenen Angaben zufolge immer wieder aufs Neue predigt, dass Sprache und Arbeit zur erfolgreichen Integration gehören. „Die Menschen müssen einfach selbst Gas geben“, sagt Sandra Baba, die allerdings auch ein bisschen mehr Druck und Kontrolle seitens der Behörden vermisst. Die Flüchtlingsberaterin weist jedoch auch darauf hin, dass es durchaus auch Flüchtlinge gebe, die schnell Deutsch lernen würden.

Warnung vor Mix an Sprachen

Bei Kindern und Jugendlichen sei das Problem nicht so gravierend. Sie würden im Kindergarten und in der Schule lernen. Die Flüchtlingsberaterin warnt allerdings davor, zu Hause mit den Eltern einen Mix aus zwei Sprachen zu sprechen. Das würde dazu führen, dass man im Laufe der Jahre keine Sprache mehr richtig kann. Deshalb der Tipp: bei allgemeinen Alltagsgesprächen in der Muttersprache reden. Und bei Hausaufgaben könnten die Eltern den Kindern über die Schultern schauen und dabei selbst Deutsch lernen.

Bei Berufen nicht qualifiziert genug

Bisher sei eine Handvoll Flüchtlinge in Berufe vermittelt worden. Die Schwierigkeit neben den fehlenden Sprachkenntnissen: Ein Teil der Flüchtlinge sei auch wählerisch und darüber hinaus nicht qualifiziert genug. Viele Frauen hätten beispielsweise in ihrer Heimat als Friseurin gearbeitet – aber ohne Ausbildung. „Hier müssen die Frauen erst erkennen, dass sie immer eine Ausbildung machen müssen“, so Sandra Baba. Der Wunsch zu arbeiten sei vorhanden, aber viele seien nicht bereit, etwas an ihren Gewohnheiten zu ändern.

Einige Ehen in die Brüche gegangen

Mit Schwierigkeiten ganz anderer Art müssten die Flüchtlinge inzwischen ebenfalls umgehen können. „Bei vielen gab es bereits zu Hause Eheprobleme. Der Mann war dominant und hat alles bestimmt. Zahlreiche Frauen lebten unter Druck, konnten sich aber vor allem aus wirtschaftlichen und aus gesellschaftlichen Gründen nicht scheiden lassen“, informiert die Flüchtlingsberaterin. Inzwischen hätten die Frauen erkannt, welche Rechte sie in Deutschland haben. Die Folge: immer häufiger heftige Streitereien zwischen Mann und Frau und nicht selten Trennungen.

Schlagende Argumente statt Worte

Dass in Deutschland die Uhren anders ticken, müssen darüber hinaus auch einige Jugendliche lernen. In ihrer Heimat sei es normal , wenn man Konflikte sofort mit schlagenden Argumenten statt mit Worten löst, weiß Sandra Baba, die nach wie vor von Schlägereien hört – aber eher bei den Flüchtlingen untereinander. Und meist bei Beleidigungen von Mutter oder Schwester. Inzwischen sei es aber auch etwas ruhiger geworden. Einige der jungen Leute hätten mittlerweile kapiert, dass es sich bei Schlägen um Körperverletzung handelt, und bei eigenen Auseinandersetzungen sogar selbst mit Anzeigen gedroht.