Ausbildung in Ganderkeseer Heim Mangel an Fachkräften bereitet Pflegebranche Sorgen

Von Dirk Hamm

Sie wollte immer schon im pflegerischen Bereich arbeiten: Corinna Kappes misst bei Lotte Kretzschmar im Wohnpark am Fuchsberg den Blutzucker. Die 51-jährige Pflegehelferin hat eine Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen.Foto: Dirk HammSie wollte immer schon im pflegerischen Bereich arbeiten: Corinna Kappes misst bei Lotte Kretzschmar im Wohnpark am Fuchsberg den Blutzucker. Die 51-jährige Pflegehelferin hat eine Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen.Foto: Dirk Hamm

Ganderkesee. In der expandierenden Altenpflege werden Fachkräfte immer mehr zur Mangelware. Bisherigen Pflegehelfern eröffnet das Perspektiven, sich zu Fachkräften nachzuqualifizieren.

Neu ist die Arbeitsumgebung am Ausbildungsplatz für Corinna Kappes nicht gerade. Die 51-Jährige hat im Wohnpark am Fuchsberg eine Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen – an dem Ort, an dem sie in den vergangenen zwei Jahren bereits als Pflegehelferin tätig war. Eigentlich wäre dieser Schritt für die Delmenhorsterin eher nicht infrage gekommen: „Man hat einen gewissen Lebensstandard, da reicht das normale Lehrlingsgehalt nicht.“ Die Lösung wurde mithilfe des „Wegebau“-Programms der Agentur für Arbeit gefunden. „Wegebau“ steht für „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ und sichert das bisherige volle Gehalt während der Ausbildung.

Auszubildende und Arbeitgeber profitieren beide

Eine Win-Win-Situation, wie es auf Neudeutsch heißt, ist das Modell für beide Seiten: Die vierfache Mutter kann sich zu einer examinierten Fachkraft weiterqualifizieren, ohne mit einem Lehrlingsgehalt finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Und die Pflegeeinrichtung erhält eine neue Fachkraft, die bereits über viel Erfahrung verfügt und mit dem Haus gut vertraut ist.

Die Nachqualifizierung von Pflegehilfskräften ist ein probates Mittel für Betreiber von Senioren- und Pflegeheimen, um die geforderte Fachkraftquote von 50 Prozent zu erfüllen. Dass das nicht immer und überall gelingt, wird daran sichtbar, dass die Heimaufsicht im Landkreis Oldenburg trotz steigender Nachfrage bereits mehrfach Aufnahmestopps in Pflegeeinrichtungen angeordnet hat. Das sei aber am Fuchsberg nicht der Fall, sagt Wohnpark-Geschäftsführer Friedhelm Clasen und fügt hinzu: „Wir achten darauf, dass die Fachkraftquote eingehalten wird. Es kann aber vorkommen, dass ein Bett mal nicht belegt ist.“

17 Auszubildende im Wohnpark am Fuchsberg

„Die Situation in der Pflege ist schwierig, es gibt insgesamt zu wenig Fachkräfte“, gibt Henrik Kroog zu bedenken. Der Pflegedienstleiter für Haus 1 am Fuchsberg ist zugleich froh, dass sich noch genügend junge Leute für eine Ausbildung im Wohnpark bewerben. 17 Auszubildende – darunter zwei männliche – sind derzeit in der Einrichtung an der Adelheider Straße beschäftigt, die auf der Suche nach zusätzlichen examinierten Pflegefachkräften ist.

Generell müsse sich aber vieles ändern, um im Pflegesektor mehr Fachkräfte zu gewinnen. Der 32-Jährige ist selbst examinierter Altenpfleger und weiß aus eigener Erfahrung, dass in der Ausbildung die Klassenstärken „heute wesentlich kleiner“ sind als noch vor zehn Jahren. Das resultierende Nachwuchsproblem sei in der Pflege stärker noch als in technischen Berufen bedrohlich, so Kroog: „Hier arbeiten Menschen mit Menschen. Man kann sie nicht durch Roboter ersetzen.“

„Man muss für den Beruf geboren sein“

Oft ist davon die Rede, dass die pflegerischen Berufe zunehmend als unattraktiv wahrgenommen werden: schlechte Bezahlung, Nachtdienste, ausufernde Dokumentationspflichten. „Gerade im Bereich der Altenpflege muss man sich genau überlegen, ob man das machen will“, sagt Kroog. Corinna Kappes stimmt dem zu: „Man muss schon dafür geboren sein. Wer diesen Beruf macht, macht ihn super gerne. Es ist eine Berufung.“ Klar gebe es auch Unzufriedenheit bei manchen über die Arbeitsbedingungen, sagt die Delmenhorsterin, für sich selbst hegt sie aber keinerlei Zweifel an der Berufswahl: „Was man zurückbekommt, kann man gar nicht beschreiben.“

Erst eine andere Richtung eingeschlagen

Obwohl sie immer schon mit Menschen habe arbeiten wollen, hat Kappes nach der Schulzeit eine andere Richtung eingeschlagen, absolvierte eine Maler- und Lackiererlehre. In Bremen, woher die 51-Jährige stammt, hat sie nach der Lehre als Fachverkäuferin gearbeitet. 14 Jahre lang war sie, mit Unterbrechungen durch Familienphasen, zuletzt als Pflegehelferin tätig.

In der jetzt begonnenen Ausbildung, die auch mehrere theoretische Blöcke in der Berufsfachschule Altenpflege in Delmenhorst einschließt, eignet sie sich nun die über die Grundpflege hinausreichenden Fähigkeiten an. Künftig kann sie etwa Medikamente verabreichen, Verbände anlegen und Injektionen setzen. „Es wäre schön, wenn viele das Wegebau-Programm in Anspruch nehmen würden“, sagt Kappes und ist sich sicher: „Es gibt viele Pflegehelfer, die das packen würden.“


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