Breitbandausbau auf dem Land Die Glasfaser bis ins Haus soll’s richten

Im ländlichen Raum gibt es noch viele weiße Flecken beim Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets. Die Zukunft liegt bei der Glasfaser bis ins Haus. Foto: dpaIm ländlichen Raum gibt es noch viele weiße Flecken beim Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets. Die Zukunft liegt bei der Glasfaser bis ins Haus. Foto: dpa

Bookholzberg. Im ländlichen Raum gibt es noch viele weiße Flecken beim Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets. Die Zukunft liegt bei der Glasfaser bis ins Haus.

Bookholzberg. An manchen Stellen in Ganderkesee verlangt die Internetnutzung einiges an Geduld ab. Im dünn besiedelten Bereich am Holler Weg etwa ist das schnelle Internet nur vom Hörensagen bekannt. „Man muss hier lange warten, bis sich eine Seite aufbaut“, berichtet Anwohner Ralf Luitjens, der angibt, nur über eine Datenübertragungsrate von sechs Mbit pro Sekunde zu verfügen. Und damit gehöre er noch zu den Glücklicheren in der Gegend: „Weiter hinten in Hollen, wo einige Betriebe das Internet beruflich nutzen, sieht es noch schlechter aus.“

Zielmarke 50 Mbit bis 2018

Als Internetbremse erweist sich die lange Kupferleitung, die vom Kabelverzweiger in Luitjens Haus führt, auf der mehr als zwei Kilometer langen Datentrasse wird aus dem Highspeed-Internet eine für heutige Verhältnisse lahme Online-Erfahrung. Zum Vergleich: 50 Mbit sind die Zielmarke der Bundesregierung, die bis 2018 flächendeckend erreicht werden soll.

Nur wenige Zuhörer bei Diskussionsrunde

Luitjens erhoffte sich vom Besuch einer Diskussionsveranstaltung mit Telekommunikationsexperten am Donnerstagabend in Bookholzberg Aufklärung über die Perspektiven im ländlichen Raum, auch am schnellen Internet teilhaben zu können. Astrid Grotelüschen, wahlkämpfende CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem örtlichen Wahlkreis, hatte dazu ins Gasthaus Schwarzes Ross eingeladen. Trotz der Brisanz des Themas kamen nur rund 20 Besucher.

Diskutierten zum Thema Breitbandausbau: (v. l.) Michael Lemke (Huawei), Dr. Reinhold Kassing (Verband kommunaler Unternehmen), Wilfried Konnemann (Breitband-Kompetenzzentrum), Astrid Grotelüschen (CDU) und Norbert Westfal (Ewetel). Foto: Dirk Hamm

Online-Umfrage legt Unzufriedenheit offen

Besser hingegen fiel die Beteiligung an einer nicht repräsentativen Online-Umfrage zur Breitband- und Mobilfunkversorgung im Landkreis Oldenburg aus, die Grotelüschen auf ihrer Website gestartet hatte. Laut der Abgeordneten taten rund 500 Nutzer ihre Meinung auf diese Weise kund. Das Ergebnis: 81 Prozent der Antwortenden gaben an, „unzufrieden“ mit der Internetversorgung zu sein, lediglich sechs Prozent stellten eine gute Note aus.

Förderschwelle liegt bei 30 Mbit

Im Landkreis Oldenburg sind es 22 Prozent der Haushalte, die mit weniger als 30 Mbit auskommen müssen, informierte Wilfried Konnemann, Team- und Projektleiter beim Breitband-Kompetenzzentrum Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck. 30 Mbit entsprechen dabei der Schwelle, ab der die Fördermechanismen greifen: Liegt die Datengeschwindigkeit in einem Gebiet darunter, können staatliche Zuschüsse zum Breitbandausbau abgerufen werden.

Internetausbau ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Wie zentral der Internetausbau für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist, betonte Hans-Werner Aschoff, Chef der Wirtschaftsförderung beim Landkreis Oldenburg, in einer Wortmeldung aus dem Kreis der Zuhörer: „Wenn wir beim Breitbandausbau zwischen den Oberzentren Oldenburg und Bremen abfallen, wird es immer schwerer für den Landkreis, wirtschaftlich mitzuhalten.“

Leitungen noch überwiegend aus Kupfer

Norbert Westfal, Sprecher der Geschäftsführung des Internetanbieters Ewetel, bekundete, dass sein Unternehmen zum überwiegenden Teil auch in den Bereichen, wo nicht gefördert wird, den Ausbau des Highspeed-Internets vorantreiben wolle. Der bisher erfolgte Ausbau krankte nach Darstellung von Westfal in Deutschland generell daran, dass die meisten Leitungen, die ins Gebäude führen, noch aus Kupfer bestehen. Nur 100 oder 150 Meter vom Kabelverzweiger entfernt lasse die Datengeschwindigkeit schon empfindlich nach.

Anbieter setzt auf Glasfaser-Technologie

Ewetel, so Westfal weiter, setze deshalb künftig auf das Glasfaserkabel bis ins Haus, die sogenannte FTTH-Technologie, die Geschwindigkeiten von mehr als einem Gigabit pro Sekunde möglich macht. 1,2 Milliarden Euro sollen in den kommenden zehn Jahren in der Region zu diesem Zweck investiert werden. An die Politik gerichtet, warnte der Geschäftsführer davor, sich bei finanziellen Förderversprechen gegenseitig zu überbieten: „Wenn mehr gefördert wird, als wir bauen können, wird nur der Tiefbau teurer.“ Das Problem seien die mangelnden Kapazitäten im Tiefbau: „Alles, was einen Spaten halten kann, haben wir schon verpflichtet.“


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