Erneuerbare Energien Viel Wind um Rotlichtbezirk Ganderkesee/Dötlingen

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Ubbo de Witt von der Projekt-Firmengruppe berichtet vom 4,6-fachen Ertrag aus dem Windpark Hengsterholz nach dem Repowering. Foto: Reiner HaaseUbbo de Witt von der Projekt-Firmengruppe berichtet vom 4,6-fachen Ertrag aus dem Windpark Hengsterholz nach dem Repowering. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee/Dötlingen. Die Windparks Hengsterholz und Haidhäuser sind am Netz. Der Bundesverband Windenergie warnt davor, den regenerativen Energien die Luft abzuschnüren.

In Dötlingen spricht man laut Bürgermeister Ralf Spille in Anspielung auf die Warnleuchten der Windparks in Haidhäuser und Hengsterholz vom „neuen Rotlichtbezirk“. Lästermäuler müssen sich über kurz oder lang einen neuen Schnack einfallen lassen: Künftig würden Flugzeuge mit Transpondertechnik davor bewahrt, den fast 200 Meter hohen Anlagen in die Quere zu kommen, hieß es beim offiziellen Einweihungsfest der Windparks am Samstag.

Festakt und bunte Feier

Der Festakt am Vormittag ging mit rund 200 geladenen Gästen im Festzelt unter Rotoren über die Bühne, und nachmittags nutzte eine wohl vierstellige Zahl an Besuchern die Gelegenheit, sich über Windkraft zu informieren und einzelne Anlagen auch mal von innen zu beschauen. Kinder konnten sich auf einer Hüpfburg mit Windmühlen austoben. Gewinnspiele, Kutschfahrten und Rundblicke aus einer Gondel am Haken eines großen Krans zählten ebenfalls zu den Attraktionen.

Riesige CO2-Einsparung

Mit dem Strom aus den zwölf Anlagen auf Dötlinger Seite wird die Umwelt laut Hermann Raschen von der VR-Energieprojekte Dötlingen mit 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger belastet als mit Strom aus nicht erneuerbaren Quellen. Zusätzliche CO2-Einsparung ergeben drei Anlagen im Windpark Hengsterholz.

Wertschöpfung bleibt vor Ort

Raschens Hinweis, fast die gesamte Wertschöpfung aus den Windparks bleibe vor Ort, kommentierte Frank Ostertag vom Vorstand der Volksbank Wildeshauser Geest mit den Worten: „Das ist regionale Wertschöpfungspartnerschaft im besten Sinne.“ Das Geschäftsmodell führt dazu, dass auch die Gewerbesteuer in den Kassen der Gemeinden Ganderkesee und Dötlingen hängenbleibt.

85 Millionen Euro investiert

„70 Millionen Investition – das haben wir in Dötlingen noch nie gehabt“, stellt Bürgermeister Spille fest. Dazu kommen laut Ubbo de Witt von der Projekt-Firmengruppe Oldenburg rund 15 Millionen Investition in das Repowering des Windparks Hengsterholz: Statt der sechs 17 Jahre alten Anlagen speisen hier drei neuen Strom ins Netz, die de Witt zufolge den Ertrag ums 4,6-fache steigern.

Scharfe Kritik an Bundespolitik

Mit der gelobten „regionalen Wertschöpfungskette“ in Bürgerwindparks ist es laut Carlo Reeker vom Bundesverband Windenergie zumindest auf absehbare Zeit vorbei. „Die Bundesregierung hat nichts Besseres zu tun als erneuerbare Energien aus dem Markt zu drängen“, sagte Reeker mit Blick auf die jüngste Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Projekte wie die Windparks in Hengsterholz und Haidhäuser hätten keine Chance mehr, weil die verlässliche Einspeisevergütung abgeschafft ist und die Vergütungshöhe durch Ausschreibung am Markt ermittelt wird. Reeker warnte vor der „dreckigsten Form der Energieerzeugung: Braunkohle“. „Wir müssen die Politik gemeinsam vom richtigen Weg überzeugen“, so Reeker. „Ich kenne keine Alternative zu den regenerativen Energien“, ergänzte er sein Plädoyer pro Wind.


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