Oberschüler erkunden Landwirtschaft Broker in Leipzig steuert Biogas aus Ganderkesee

Von Reiner Haase

Exkursion auf den Bauernhof: Landwirt Onno Osterloh (vorne rechts) hat den Ganderkeseer Oberschülern nach der Besichtigung des Putenkükenstalls auch seine Biogas-Anlage vorgestellt. Foto: Reiner HaaseExkursion auf den Bauernhof: Landwirt Onno Osterloh (vorne rechts) hat den Ganderkeseer Oberschülern nach der Besichtigung des Putenkükenstalls auch seine Biogas-Anlage vorgestellt. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Sensoren und Computer steuern immer größere Bereiche der Landwirtschaft. Landwirt Osterloh hat Oberschülern Informationen für einen Wettbewerb geliefert.

Landwirt Onno Osterloh hat die Regie über seine Biogasanlage in Immer in Gemeinschaft mit 24 anderen Anlagenbetreibern an einen Makler an der Strombörse in Leipzig abgetreten. „Der Broker weiß, wieviel Strom gebraucht wird, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht. Er regelt die Anlagen rauf und runter. Der Computerbefehl aus Leipzig ist hier in zehn Sekunden umgesetzt“, berichtete Osterloh gestern der Hauptschulklasse des 10. Jahrgangs an der Oberschule Ganderkesee. Keine andere Energieform sei so fein regulierbar. „Biogas ist der Stabilisator des deutschen Stromnetzes“, erklärte Osterloh den Schülern.

Arbeitswelt im Wandel

Die Oberschüler haben den Hof Osterloh mit Ackerbau, Putenmast und Biogasanlage besucht, um Informationen zum Thema „Veränderungen in der Arbeitswelt“ zu sammeln, das sie im Wirtschaftsunterricht mit Lehrerin Taalke Joosten erarbeiten. Bei Osterloh waren sie dafür an einer guten Adresse. Er schilderte ihnen Bausteine für den Weg zur hoch technisierten „Landwirtschaft 4.0“, die teils schon im Alltag eingesetzt werden oder sich in der Entwicklung befinden. Noch nicht im Oldenburger Land, aber in den großen Betrieben in Ostdeutschland gebe es schon drei Trecker nebeneinander auf einem Feld, von denen nur einer mit einem Fahrer besetzt sei. „Sie könnten auch alleine fahren, aber das lässt der Gesetzgeber noch nicht zu. Das kommt. Es ist nur eine Frage der Zeit“, so Osterloh.

Bedarf an Fachkräften

Und der Mensch? „Die selbstlaufenden Maschinen brauchen die Fachkraft, die sie für den Einsatz programmiert“, erläuterte der Landwirt. Auf seinem Hof gebe es zahlreiche Sensoren, deren Informationen vom Computer für die Steuerung der Anlagen ausgewertet werden, im Putenstall genauso wie in der Biogasanlage.

„In der Landwirtschaft steigt die Zahl der Auszubildenden“, berichtete Osterloh. Er selbst bilde zurzeit eine junge Frau und einen jungen Mann aus. Allgemein seien Fachkräfte für das Agrarbüro, die moderne Landtechnik und für alle Bereiche der Tierhaltung gefragt.

Wettbewerb des Landvolks

Aus dem Hofbesuch formen die Oberschüler jetzt eine Präsentation für den Wettbewerb „Expedition in die Landwirtschaft“, den das Ortslandvolk Ganderkesee im Frühjahr gestartet hat. „Die Resonanz war groß. Allein das Gymnasium will sich mit sieben Gruppen beteiligen“, berichtet Osterloh, „ich bin gespannt, ob alle einen Hof als Partner finden.“ Die Aussicht ist gut, weil sich 20 Landwirte aus der Gemeinde Ganderkesee beteiligen. Die Themen können die Schüler Osterloh zufolge selbst bestimmen. „Das können gerne auch kritische Themen sein“, betont der Landwirt aus Immer, der mit Cord Wübbenhorst aus Hohenböken an der Spitze des Ganderkeseer Landvolks steht.

Frühstück statt Werder

Die Wettbewerbsbeiträge müssen bis Ende September eingereicht werden. Die Gewinner präsentieren ihre Arbeit beim nächsten Ernteball und werden mit einem Besuch bei Werder Bremen samt Führung durchs Weserstadion und Bustransfer prämiert. Die Ganderkeseer Oberschüler spekulieren auf Platz sieben bis zehn: Ein Frühstück, das ihnen Landfrauen zubereiten und servieren.


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