Campingplatz in Aumühle Vor einem Jahr geräumter Campingplatz wird reanimiert

Achim Breuer richtet sich einen Wohnwagen als Schlafplatz her. Er will den verwaisten Campingplatz Aumühle für Liebhaber naturnahen Urlaubs zum „Aue-Camp“ machen. Foto: Reiner HaaseAchim Breuer richtet sich einen Wohnwagen als Schlafplatz her. Er will den verwaisten Campingplatz Aumühle für Liebhaber naturnahen Urlaubs zum „Aue-Camp“ machen. Foto: Reiner Haase

Wildeshausen. Der Campingplatz in Aumühle hat neue Besitzer. Für ihr „Aue-Camp“ haben sie einen positiven Bescheid des Landkreises für ihre Bauvoranfrage in der Tasche.

Achim Breuer hat sich gestern auf dem ehemaligen Campingplatz in Aumühle einen betagten Wohnwagen hergerichtet. Mit der Gelassenheit eines Westfalen verfolgt er das Ziel, aus dem wegen skandalöser Zustände vielfach in die Schlagzeilen geratenen und im Juli 2016 nach Verfügung des Landkreises Oldenburg geschlossenen Freizeitgelände zwischen der Autobahn 1 und dem Flüsschen Aue wieder einen florierenden Campingplatz zu machen. „Das geht nur Schritt für Schritt. Es wird Jahre dauern, bis es so ist, wie es und vorschwebt“, sagt Breuer. Und die 180 Kilometer Autobahn bis in den Wohnort Gescher will er sich gelegentlich ersparen.

Bauvoranfrage positiv beschieden

Mit „uns“ meint Breuer sich sowie seine Frau Ulrike Brendel und seinen Freund Mike Fried, die seit Mitte Juni als Besitzer des 6,7 Hektar großen Geländes zwischen Wildeshausen und Ahlhorn eingetragen sind. „Wir wollen schon seit längerem einen Campingplatz übernehmen. Drei Projekte haben wir geprüft, sind aber nicht zum Ende gekommen. In Aumühle haben wir den Volltreffer gelandet“, berichtet Breuer. Die Unterschriften seien unter den Kaufvertrag gekommen, nachdem der Landkreis eine Bauvoranfrage positiv beschieden habe. Der Name steht fest und ist schon im Internet zu finden: Der Platz soll als „Aue-Camp“ firmieren.

Pläne reifen abschnittweise

Breuer, Brendel und Fried wissen schon in Grundzügen, wie es auf dem Campingplatz aussehen soll; ihre Vorstellungen werden zurzeit von einem Fachbüro in Bauanträge eingearbeitet. „Vorne kommen die Stellplätze für Wohnmobile hin. Mit allem was die Mobilheimer brauchen und gernhaben: Anschlüsse für Strom, Gas, Wasser und Abwasser. Glasfaserkabel für Fernsehen und Internet werden gleich mitverlegt“, erläutert Breuer und berichtet weiter, dass dahinter die Stellplätze für Wohnwagen neu parzelliert und erschlossen werden. Der erste Abschnitt reicht von der Ostgrenze des Grundstücks bis zum alten Sanitärhaus. „Das wollten wir ursprünglich abreißen. Die Bausubstanz ist aber erstaunlich gut“, berichtet Breuer.

Erstmals Kanalanschluss

Ein neues Dach mit Solarthermie kommt auf das Sanitärhaus, und es wird komplett mit neuer Sanitärtechnik ausgestattet. Brauchbares Altes hat es sowieso nicht mehr gegeben: „Alles abgebaut, aus der Wand gerissen oder zerschlagen.“ Einen Zeltplatz mit eigenem Sanitärgebäude und Grillhütte soll es ebenfalls früh geben. Zunächst aber sollen alle Versorgungsleitungen erneuert und erstmals auch ein Abwasserkanal verlegt werden; bisher floss das Abwasser in eine müffelnde Pflanzenkläranlage, die geschlossen wird.

See mit Biotopcharakter

Wenn Breuer vom See spricht, der etwas abseits liegt, aber zum Gelände gehört, gerät Breuer ins Schwärmen: „Da hat sich ein richtiges Biotop entwickelt.“ Er wünscht sich – ausschließlich für Campinggäste – etwa 3000 Quadratmeter Liegewiese und einen Sandstrand. Aber nicht im Alleingang: „Das wird mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt“, versichert er.

Ferienhäuser ein Fernziel

Auf Anraten von Camping-Kennern hat sich Breuer jüngst dezent auf dem Platz am Falkensteinsee bei Ganderkesee umgeschaut und war beeindruckt, vor allem vom neuen Sanitärhaus. „Den Standard wünschen sich Camper, den Standard wollen auch wir erreichen“, kündigt er an. Auch die Idee der Investoren, im Westteil des Aue-Camps einige Ferienhäuser zu errichten, hat sich verfestigt, denn die gebe es am Falkensteinsee auch. Entsprechende Bauanträge, dann auch für ein drittes Sanitärgebäude, werden beim Landkreis zu gegebener Zeit eingereicht. „Das kann ein paar Jahre dauern“, blickt Breuer voraus.

Kooperation mit Amateurfunkern

Als Mitglied des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) hat Breuer auch die Funkerfreunde im Blick. Für sie soll am Zeltplatz ein kleines Technik-Gebäude errichtet werden, und es soll dort Platz bleiben für den Aufbau ihrer manchmal ausladenden Antennenanlagen. Im Gegenzug wollen die Funker Kindern auf dem Campingplatz spannende Technik-Erlebnisse vermitteln. „Das haben wir bis vor einigen Jahren auch im Freizeitzentrum Hatten gemacht. Mit einem Betreiberwechsel dort ist das leider ausgeklungen“, berichtet Breuer. Er ist sich sicher, dass die Funker auf ihren Kanälen, auch in der Verbandszeitschrift, für das Aue-Camp werben werden.

Gastronomie wird verpachtet

Mit dem Campingplatz haben Breuer, Brendel und Fried auch das Gebäude direkt an der Straße mit dem ehemaligen Restaurant „Schnitzelhaus“ erworben. Es werde verpachtet, denn „für Gastronomie braucht man Erfahrung, die wir nicht mitbringen“, sagt Breuer. Eine Frau mit in Jahrzehnten gesammelten Kenntnissen „und einem guten Konzept“, so Breuer,, haben die Investoren schon fest an der Angel. Ein Stichwort ist „Imbiss für die Campinggäste“, umworben sollen aber auch Gäste aus Wildeshausen und Umgebung sein, gerne auch Gesellschaften.

Mieter ziehen endgültig aus

Unterm Dach der Gaststätte wohnen zurzeit noch Arbeiter aus Bulgarien. „Die Mietverträge laufen in Kürze aus und werden nicht verlängert“, versichert Breuer. Und überhaupt: „Dauerhaftes Wohnen wird es hier nicht wieder geben“ – und somit auch nicht die illegalen Bauten, die Verslumung, die Mängel im Brandschutz und in der Entsorgung von Abwasser und Müll, die der Landkreis über Jahre angeprangert hat, bis 2016 das Aus für den alten Campingplatz verfügt worden war.


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