Gespräch mit Klaus Brunkhorst „Herr Trump bereitet uns keine Sorgen“

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„Das Geschäftsjahr 2017 gestaltet sich sehr erfreulich“: Klaus Brunkhorst, Geschäftsführer bei Atlas Weyhausen in Wildeshausen. Foto: Atlas Weyhausen„Das Geschäftsjahr 2017 gestaltet sich sehr erfreulich“: Klaus Brunkhorst, Geschäftsführer bei Atlas Weyhausen in Wildeshausen. Foto: Atlas Weyhausen

Wildeshausen. Klaus Brunkhorst, Geschäftsführer von Atlas Weyhausen in Wildeshausen und Mitglied im Bezirksvorstand des Arbeitgeberverbands Nordmetall, äußert sich im dk-Gespräch über die gute Konjunktur und die Abhängigkeit vom Export.

Herr Brunkhorst, in der Metall- und Elektrobranche läuft es seit Längerem richtig gut. Ist Ihnen nicht bange, dass es irgendwann abflaut?

Klaus Brunkhorst: Das Geschäftsjahr 2017 gestaltet sich für unser Unternehmen derzeit als sehr erfreulich. Unser Auftragsbestand ist sehr gut und unsere Händler sind mit dem Geschäft mehr als zufrieden. Ob und wann sich diese Lage verändert, kann man in unserer Branche nur schwer abschätzen. Beispielsweise hätten wir es nicht für möglich gehalten, dass der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008 solche schwerwiegenden Auswirkungen auf unsere Branche hatte. Sicher ist also nichts, deshalb freuen wir uns über die derzeitige Situation in Deutschland.

Ist Deutschland damit, wirtschaftlich gesehen, eine Insel der Glückseligen?

Zum Teil ja. Bei vielen europäischen Nachbarn sieht es nicht so gut aus, zum Beispiel in Frankreich. Hier sind wir noch lange nicht wieder dort, wo wir vor 2008 schon waren.

Die Metall- und Elektrobetriebe sind auch stark auf Exporte angewiesen. Befürchten sie auf den internationalen Märkten eine rauere Gangart - Stichwort Trump, Brexit, stockende Abkommen?

Herr Trump bereitet uns keine Sorgen, auch nicht der Brexit. Die internationalen Verknüpfungen und Abhängigkeiten sind sehr komplex. Ein amerikanisches Auto besteht ja bekanntlich nur zu 30 Prozent aus Teilen, die aus den USA kommen. Eine konsequente „America first“-Politik würde da größeren Schaden anrichten, als sie Vorteile bringt. Deshalb meinen wir, dass es nicht so kommen wird, wie es in den Medien derzeit aufbereitet wird.

Und wie bewertet Ihre Branche den Brexit?

Die Bedingungen für den Brexit sind ja noch nicht ausgehandelt, diese werden aber sicherlich vernünftig ausgestaltet werden. Alles andere wäre schlichtweg sehr bedenklich.

Die deutsche Wirtschaft boomt, hauptsächlich wegen des Exports. Kann es auf Dauer gut gehen, dass Deutschland so hohe Außenhandelsüberschüsse erwirtschaftet?

Ein Grund für diesen Überschuss liegt aus unserer Sicht sicherlich an dem guten Ausbildungs- und Qualifizierungssystem in Deutschland sowie an der Innovationskraft vieler deutscher Unternehmen, und natürlich an den hohen Produktions- und Qualitätsstandards. Das müssen wir unbedingt beibehalten, denn Bodenschätze hat unser Land ja nicht viele zu bieten. Der Exportüberschuss wird jedoch zum Problem, wenn man sich fragt, wie dieser realisiert wird. Vielleicht wäre es daher ratsam, den EU-Binnenmarkt durch entsprechende Maßnahmen zu stärken, denn auf zwei Beinen steht man sicherer.

Sie vertreten mit Nordmetall die Interessen der Arbeitgeber. Wie ist es aus Ihrer Sicht um das Klima in den Betrieben zwischen Unternehmensführung und Belegschaft bestellt?

Für Atlas Weyhausen kann ich sagen, dass die Geschäftsleitung und der Betriebsrat vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir versuchen gemeinsam immer einen tragfähigen Konsens zu erreichen. Dabei wird oft hart, aber fair und offen diskutiert und verhandelt. Die Belegschaft findet ausgewogene Rahmenbedingungen in Form von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen vor, der Vorteil für das Unternehmen ist eine hohe Planungssicherheit bezüglich der Qualifikation und Kompetenz der Mitarbeiter. Das kann man ganz klar daran festmachen, dass wir fast wöchentlich einem Mitarbeiter für die langjährige Betriebszugehörigkeit gratulieren können.

Es wird häufig über einen Mangel an Fachkräften gesprochen. Spüren Sie das auch in Ihrem Unternehmen?

Wir bilden selbst regelmäßig aus und konnten daher in der Vergangenheit abgehendes Personal durch „Eigengewächse“ ersetzen. Tendenziell ist aber festzustellen, dass ausbildungsfähige junge Menschen schwerer zu finden sind, als früher.


Klaus Brunkhorst (57) ist seit 2008 Geschäftsführer bei der Atlas Weyhausen GmbH, zuständig ist er für die kaufmännische Verwaltung, Materialwirtschaft und Produktion. Brunkhorst ist kürzlich auf der Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe Nordwest des Arbeitgeberverbands Nordmetall in den Bezirksvorstand gewählt worden.

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