Mensch und Natur im Landkreis Oldenburg Menschen sollen Bogen zur Nachhaltigkeit finden

Von Reiner Haase

Organisatorin Insa Winkler (links) stimmt sich mit Jaana Prüss am Küchenmobil auf das Kulturprojekt Diversitätskorridor ein. Foto: Reiner HaaseOrganisatorin Insa Winkler (links) stimmt sich mit Jaana Prüss am Küchenmobil auf das Kulturprojekt Diversitätskorridor ein. Foto: Reiner Haase

Kirchhatten. Ein Container in Kirchhatten ist das Zentrum eines Nachhaltigkeitsprojekts im Landkreis Oldenburg. Die Bindung von Mensch und Natur soll gestärkt werden.

Aus einer Kräuterwildnis neben dem Rathaus in Kirchhatten spannt sich ein aus Holzlatten gezimmerter Bogen bis aufs Dach eines Bürocontainers. In ihm ist in den nächsten Monaten die Schaltstelle des Nachhaltigkeitsprojekts „(Bio-)Diversitätskorridor im Landkreis Oldenburg“ untergebracht. „Hier sind Menschen willkommen, die sich mit dem Spannungsfeld zwischen Landnutzung und Naturschutz auseinandersetzen wollen. Sie sind eingeladen, Ideen kennenzulernen, mitzubringen und weiterzuentwickeln“, sagt Insa Winkler. Bei der Künstlerin und Landschaftsplanerin aus Wüsting laufen die organisatorischen Fäden des Projekts zusammen.

Luftiges Objekt wirft Fragen auf

„Ein Kunstwerk, das lebt und sich entwickelt, gibt es nicht so oft“, stellte Hattens Bürgermeister Christian Pundt bei der Eröffnung des Projekts mit Blick auf den hölzernen Bogen, den sein Schöpfer Peer Holthuisen „Hochsitz für Innovationspotenziale“ nennt. Mit dem luftigen Objekt wirft der Künstler Fragen auf: Was birgt Chancen? Was funktioniert? Was funktioniert nicht?

Neun Künstler eingebunden

Mit Winkler und Holthuisen sind mit Jaana Prüss, Werner Henkel, Kerstin Polzin, Anja Schoeller, Hildegard Kurt, Helene von Oldenburg und Claudia Reiche Künstler in das Projekt eingebunden, die im Artecology-Network verknüpft sind und Menschen mitziehen wollen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu befassen. Jaana Prüss zum Beispiel hat schon beim Spargel- und Wellnessfest in Wildeshausen an ihrem „Küchenmobil“, einem High-Tech-Elektrofahrrad mit Lastenkiste, die auch als Theke genutzt werden kann, zum Mixen und Probieren von Wildkräuterkreationen aufgefordert und jetzt beim Eröffnungsfest erfrischenden Holunderpunsch mit Minze serviert.

Wissenschaftler wirken mit

„Eine Stärke des Projekts liegt in der Kooperation mit der Leuphana-Universität Lüneburg“, sagt Insa Winkler. Dort wird Nachhaltigkeitsforschung aus dem Blickwinkel verschiedener Wissenschaften betrieben. Dr. Daniel Lang, der Sprecher der Forschergruppe, begründete in Kirchhatten die Fokussierung auf das Thema Nachhaltigkeit. „Wir leben in der Zeit des größten Artensterbens seit der letzten Eiszeit“, so Lang. Die Welt sei aus der Balance geraten, es drohten 100 Millionen Klimaflüchtlinge, so Lang, den Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zitierend, „wir müssen die Bindung von Mensch und Natur stärken.“ Dabei wollen in den nächsten ein, zwei Jahren der Landkreis Oldenburg, die Gemeinden Hatten und Hude, der Naturpark Wildeshauser Geest, das Kreislandvolk und die Ländliche Erwachsenenbildung mitwirken – mit den Künstlern und mit möglichst vielen Menschen aus dem Landkreis. Nicht zu vergessen die Bingo-Umweltstiftung, die 25.000 Euro beisteuert.