Palliativstützpunkt in Ganderkesee Geschulte Kräfte machen letzte Tage erträglich

Haik Westendorf (Mitte), hier im Gespräch mit Christa Wachtendorf und Jürgen Lüdtke, berichtete auf Einladung der Seniorenbegleiter und Wohnberater über die Arbeit des Palliativstützpunkts. Foto: Dirk HammHaik Westendorf (Mitte), hier im Gespräch mit Christa Wachtendorf und Jürgen Lüdtke, berichtete auf Einladung der Seniorenbegleiter und Wohnberater über die Arbeit des Palliativstützpunkts. Foto: Dirk Hamm

Ganderkesee. Rund um die Uhr ist der Palliativstützpunkt in Ganderkesee erreichbar. Die Leiterin gewährte in einer Runde von Ehrenamtlichen tiefe Einblicke in die Arbeit der Einrichtung.

Für Haik Westendorf ist der Umgang mit Sterbenden kein Tabu, er ist Teil ihrer täglichen Arbeit. Denn sie leitet den Palliativstützpunkt Landkreis Oldenburg und Delmenhorst, der seinen Sitz in Ganderkesee, Im Knick 2, hat.

Im Team mit drei weiteren hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und einem Netzwerk von Palliativmedizinern und Palliativ-Care-Pflegefachkräften meistert Westendorf tagtäglich die Herausforderung, Menschen in ihrer allerletzten Lebensphase ein Stück Lebensqualität zu ermöglichen. Der Stützpunkt stellt die gesetzlich verankerte ambulante palliativmedizinische Versorgung für Menschen sicher, die unheilbar erkrankt sind, eine begrenzte Lebenserwartung haben und unter besonderen Symptomen, etwa starke Schmerzen und schwere Atemnot, leiden.

Seit 2015 für gesamten Landkreis zuständig

„Diese Menschen zu begleiten, ist eine gute Herausforderung, es ist etwas Schönes, auch wenn es oft harte Nüsse zu knacken gibt“, sagte Westendorf am Mittwoch auf Einladung in der Runde der ehrenamtlichen Ganderkeseer Seniorenbegleiter und Wohnberater, die sich zum Austausch im Schwimmerheim am Heideweg trafen.

Den Palliativstützpunkt gibt es seit 2011, 2015 wurde der Versorgungsbereich auf den gesamten Landkreis ausgedehnt. Die je zwei Koordinatorinnen – ab August soll eine weitere das Team verstärken – und Palliativ-Care-Pflegefachkräfte sind jederzeit telefonisch erreichbar, lediglich Neuaufnahmen von Patienten sind am Wochenende laut Westendorf nicht leistbar.

Patienten bis zum Schluss begleiten

„Unser Ziel ist, die Patienten zuhause oder im Altenheim bis zum Schluss zu begleiten“, sagte die 47-Jährige, die vor der zusätzlichen Ausbildung im Palliativbereich 23 Jahre lang als Krankenschwester im Klinikum Delmenhorst gearbeitet hat. Ganz wesentlich für die Arbeit des Netzwerks, das der Palliativstützpunkt geknüpft hat, sei es, jeden Patienten ganz individuell zu nehmen, so wie er ist.

Eine besondere Sensibilität ist dabei gefragt, denn es gehe neben der Linderung von unerträglichen Schmerzen auch um Zukunftsängste, oft auch um das Chaos, das in einer Familie ausbrechen kann, wenn die Person unheilbar erkrankt ist, die bisher das Einkommen gesichert hat. Und nicht zuletzt sei die Isolation zu durchbrechen, die Sterbende vielfach umgebe, nachdem die anfängliche Unterstützung des Umfelds weggebrochen ist. „Auch das sind Schmerzen“, machte Westendorf deutlich.

Vertrauter Hausarzt bleibt eingebunden

Passgenau auf jeden Einzelfall abgestimmt, sind Palliativmediziner und Pflegedienste mit geschulten Pflegekräften in die Versorgung der Patienten eingebunden, außerdem wird etwa mit der Palliativstation in Delmenhorst, dem Laurentius-Hospiz in Falkenburg, ambulanten Hospizdiensten und erfahrenen Psychotherapeuten kooperiert. Der vertraute Hausarzt werde dadurch keineswegs überflüssig, er bleibe immer erster Ansprechpartner des Patienten, so Westendorf.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN