Comedy-Programm in Ganderkesee Sympathischer Wanderer zwischen den Welten

Von Dirk Hamm

Comedy mit vollem Einsatz: Boris Stijelja präsentiert sein Soloprogramm „Ċevapčići to go“ in der Mensa am Steinacker. Foto: Melanie HohmannComedy mit vollem Einsatz: Boris Stijelja präsentiert sein Soloprogramm „Ċevapčići to go“ in der Mensa am Steinacker. Foto: Melanie Hohmann

Ganderkesee. In der Kleinkunst-Reihe der regioVHS in der Mensa der Oberschule Ganderkesee hat der deutsch-kroatische Comedian Boris Stijelja seine Visitenkarte abgegeben.

Er ist ein sympathischer Lulatsch, dieser Boris Stijelja. Und er babbelt scheinbar drauflos, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. In Wahrheit hat der in Mannheim als Gastarbeiterkind geborene und in Kroatien aufgewachsene Schauspieler und Comedian natürlich ein Konzept. Und das hat dem Publikum in der Mensa am Steinacker am Donnerstag einen kurzweiligen Abend mit einigen überraschenden Einsichten beschert.

Programm bietet mehr als nur Comedy

Knapp 50 Gäste waren gekommen, gerne bereit, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Denn Boris Stijelja ist noch beinahe ein Neuling in der deutschen Comedyszene. Dabei ist der 35-Jährige, der in Deidesheim in Rheinland-Pfalz ein Boulevardtheater leitet, gar nicht so eindeutig auf die Rolle des Comedian festgelegt. Sein erstes Soloprogramm „Cevapcici to go“ bietet neben Comedyelementen vor allem eine unkonventionelle Mischung aus im Plauderton erzählten Geschichten, Kabarett und Schauspieleinlagen.

Kulturschock auf pfälzischen Weinfesten

Als ein Wanderer zwischen den Welten, zwischen dem Herkunftsland Kroatien und seiner neuen pfälzischen Heimat, hat Stijelja ein feines Gespür für die jeweiligen, teils skurrilen Eigenheiten von Land und Leuten entwickelt. Das reicht von der nicht mit Vokalreichtum gesegneten kroatischen Sprache – „Kroaten sind nicht laktose-, aber vokalintolerant“ – bis zum Kulturschock, den er auf Weinfesten in der Pfalz erlebt hat.

Kabarettistischer Seitenhieb mit Winnetou

Aber auch einen kleinen politisch-kabarettistischen Block baute Stijelja ein. Winnetou, Kassenmagnet des deutschen 60er-Jahre-Kinos, spielte darin eine tragende Rolle. Denn bekannterweise wurden für die Karl-May-Verfilmungen Drehorte im damaligen Jugoslawien gewählt. „Nur bei einem Film nicht“, erklärte Stijelja, „‚Unter Geiern‘ wurde in Griechenland gedreht.“

Anekdoten aus dem Kriegsalltag

Besonders der zweite Teil des Programms war stark autobiografisch geprägt, wie Stijelja beteuerte. Als Kind hat er den Balkankrieg hautnah erlebt. Mit einigen Anekdoten über seine schlagfertige Oma – „Gleich gibt’s Eintopf mit Granatensplitter. Eisen ist gesund“ – und aus dem durch Zufluchten im Bunker bestimmten Alltag nahm der Comedian dem Publikum das Gefühl der Beklemmtheit bei diesem eigentlich ernsten Thema.

Ein wärmendes Utensil für das beste Stück

Und zum Schluss konnten die Gäste ihr Wissen über Kroatien um eine pikante Facette erweitern: Nicht nur die Krawatte ist eine kroatische Erfindung, sondern auch ein nützliches Utensil für des Mannes bestes Stück – der Peniswärmer, vor 150 Jahren von einer kroatischen Grundschullehrerin erfunden, ist bis heute ein textiler Exportschlager des kleinen Landes.