Döntjes über Hasen-Ahlers Legendärer Ganderkeseer Wilddieb geriet in Bannkreis

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Ganderkesee. Er war eine kleine Berühmtheit, die sogar viele Wochenendausflügler aus Bremen und Delmenhorst nach Immer lockte: Hasen-Ahlers, der einsiedlerische Wilddieb vom Stühe.

Das kauzige Original gehört seit Jahren zu den Lieblingsthemen des Ganderkeseer Heimatforschers Hermann Speckmann. Bereits 2010 hat er einen Band „Neues von Hasen-Ahlers“ vorgelegt. Inzwischen liegt der gleichlautend betitelte Nachfolger vor. Die 72 Seiten umfassende und umfangreich bebilderte Schrift, herausgebracht im Eigenverlag, ist für elf Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

Über „Taten und Untaten“ des Wilddiebs

„Man glaubt es kaum“, zeigt sich der Verfasser im Gespräch verwundert darüber, dass ihm mehr als 100 Jahre nach dem Tod des legendären Wilddiebs – er lebte von 1831 bis 1913 – noch immer neue Döntjes und Geschichten zugetragen werden. Dabei handele es sich bei den erzählten „Taten und Untaten von Hasen-Ahlers“, so der Untertitel des Bandes, um „wahre und fast wahre“ Geschichten.

Auch Wissenswertes über Aberglauben im Oldenburger Land

Welches Döntjes nun wie einzuordnen ist – etwa die Geschichte von der denkwürdigen Einladung Hasen-Ahlers’ an die Mittagstafel des Großherzogs –, darüber mag sich der Leser bei der vergnüglichen Lektüre seine eigenen Gedanken machen. Zweifelsohne hat der Autor gut recherchiert und seine Geschichten mit vielen überlieferten Details aus der damaligen Zeit angereichert.

Vor allem seine Kenntnisse in einem anderen Lieblingsgebiet, dem weit verbreiteten Aberglauben im Oldenburger Land, lässt er hier und da einfließen, untermauert mit Auszügen aus Ludwig Strackerjans klassischem Nachschlagewerk „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg“.

Eindringlinge per Bannritual in Schach gehalten

Beispielsweise im Kapitel „Das Bannen und seine Gefahren“: Speckmann lässt seinen Protagonisten und einen Wurstdieb in einen Bannkreis geraten, den der Bauer gezogen hatte, beide blieben stocksteif stehen. So wurde nicht nur der Dieb schachmatt gesetzt, sondern auch Hasen-Ahlers, der sich um die Bestände aus der Wurstkammer des Bauern sorgte – schließlich überließ dieser ihm in Notzeiten immer mal eine Mettwurst.

Faszination für Randfiguren der Gesellschaft

„Die Menschen haben damals geglaubt, dass man durch bestimmte Rituale Diebe festbannen kann“, erklärt Speckmann. Auch die eine oder andere Spitze gegen die damaligen Obrigkeiten findet der Leser in den Ausführungen des 79-Jährigen. Assoziationen mit Missständen in heutiger Zeit sind dabei ausdrücklich erwünscht.

Die garantiert wahre Geschichte des sagenumwobenen Aussteigers hat Hermann Speckmann 2007 gemeinsam mit Gerold Spille in einem Buch erzählt. Warum kommt er immer wieder auf diese Figur zurück? Speckmann: „Mich faszinieren Außenseiter, Randfiguren, die neben der Gesellschaft existieren, aber doch produktiv sind, indem sie uns etwas lehren.“


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