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Sechs Verletzte Schlägerei am Bahnhof schockiert Ganderkesee

Von Thorsten Konkel


Ganderkesee. Bei der Massenschlägerei am Mittwochabend im Ganderkeseer Ortskern sind sechs Personen leicht verletzt worden. Auch Donnerstagnachmittag zeigte die Polizei noch massive Präsenz im Ort.

Schon seit geraumer Zeit schwelende Streitigkeiten zwischen deutschen Jugendlichen und jungen Flüchtlingen sind der Auslöser für die Massenschlägerei, bei der am Mittwochabend im Ganderkeseer Ortskern insgesamt sechs Personen leicht verletzt worden sind. Der Gewaltexzess hatte einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Auch Donnerstagnachmittag zeigte die Polizei im Ortskern noch starke Präsenz. Vor dem Bahnhof wurden Jugendliche kontrolliert und durchsucht.

Laut Polizei waren die beiden Gruppen von Jungen und Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren am Mittwochabend gegen 18.15 Uhr am Bahnhof in Ganderkesee aneinandergeraten . „Als wir sahen, dass sich Jugendliche auf dem Bahnsteig schlugen und welche sogar am Boden lagen, haben wir sofort die Polizei gerufen“, beschrieb Miri Lavasani, Wirt des nahen „Gantero“, die Szenerie.

Teilweise ambulante Behandlung im Krankenhaus

Die Polizei fuhr umgehend mit einem Großaufgebot herbei. Wegen der zahlreichen Einsatzfahrzeuge, die in einer langen Reihe vor dem Bahnhof parkten, war die Wittekindstraße am Mittwochabend teilweise halbseitig gesperrt. Einige der Leichtverletzten wurden nach der Erstversorgung ins Krankenhaus gebracht, sie konnten dieses aber laut Polizei noch am Abend wieder verlassen.

Zeugen sprachen von Ketten und Stangen als Waffen

Vor Ort gestaltete sich für die Polizei die Lage zunächst unklar: Zahlreiche Jugendliche hielten sich auf dem Bahnsteig und umzu auf. Viele von ihnen standen unter Schock, fürchteten sich oder reagierten gereizt.

Noch während des laufenden Einsatzes hatten Augenzeugen am Mittwochabend gegenüber dem dk vom Gebrauch von Ketten und Stangen durch die Kontrahenten gesprochen. Dies konnte Polizeisprecherin Melissa Oltmanns am Donnerstag noch nicht bestätigen.

Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung

Nach ersten Erkenntnissen wurden aber bei der Schlägerei Gegenstände benutzt. Darum ermittele die Polizei nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, so Oltmanns.

Auch die Gründe für die seit Längerem andauernden Streitigkeiten liegen Oltmanns zufolge noch im Dunkeln. Sicher ist laut Polizei aber, dass diese Schlägerei nichts mit zurückliegenden anderen Massenschlägereien oder Familienstreitigkeiten in Ganderkesee zu tun hat.

Am späteren Dienstagnachmittag hatte es im Ganderkeseer Jugendzentrum Trend aber einen ersten Polizeieinsatz gegeben, bei dem die Beamten laut der Polizeisprecherin jedoch keine Körperverletzungen festgestellt haben. Ob dieser Einsatz im Zusammenhang mit der späteren Massenschlägerei steht, werde noch überprüft.

Gemeinde schweigt

Die Gemeinde wollte sich am Donnerstag mit Verweis auf die polizeilichen Ermittlungen weder zu dem Vorkommnis rund um ihre Jugendeinrichtung an der Bergedorfer Straße noch zu dem Vorfall vom Mittwochabend äußern. In der überwiegenden Mehrzahl hielten sich alle Jugendlichen, gleich welcher Herkunft, aber an die Regeln, hieß es.

Die an der schweren Schlägerei beteiligten Jugendlichen wohnen laut Polizei in Ganderkesee und Delmenhorst. Im Rahmen der Fahndung konnten die Personalien von 14 Personen festgestellt werden. Inwiefern diese an der Schlägerei beteiligt waren, und in welcher Form die Angetroffenen gehandelt haben, ist laut Oltmanns ebenfalls noch Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens.

Flüchtlingssozialarbeiterin zufällig vor Ort

Unter den angetroffenen Personen befanden sich nach Angaben der Polizeisprecherin auch nach Deutschland geflüchtete Menschen. Das bestätigte auch Sandra Baba, Flüchtlingssozialarbeiterin in Ganderkesee. Die Mitarbeiterin der Diakonie war am Mittwochabend, von einer Veranstaltung kommend, zufällig auf den Einsatzort gestoßen und hatte bis zum Eintreffen eines Polizei-Dolmetschers übersetzt.

Ihren Angaben zufolge handelte es sich bei der einen Gruppe wohl um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die meisten seien aus Delmenhorst angereist.

Polizei führt Durchsuchungen durch

Baba zeigte sich entsetzt: „Ich hatte richtig Angst“, berichtete sie dem dk. „Das, was am Mittwochabend passiert ist, schockiert mich auch wegen der Härte der Auseinandersetzung“, beschrieb sie ihren Eindruck.

Mit ihrer starken Präsenz im Ganderkeseer Ortskern machte die Polizei am Donnerstagnachmittag unmissverständlich klar, keine möglichen weitere Vorfälle zu dulden. Am Markt und am Bahnhof waren Beamte in Streifenwagen präsent. Am Bahnhof wurden zudem Personalien kontrolliert. Auch Durchsuchungen fanden statt. „Wir behalten die Lage im Blick“, betonte die Polizeisprecherin Melissa Oltmanns.


„Die allermeisten Jugendlichen, die das Jugendzentrum Trend besuchen, halten sich an die Regeln und bringen sich gut in die gemeinsame Freizeit ein. Auch jugendliche Flüchtlinge nehmen ganz normal am Alltag teil“, betont Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Eine Herausforderung bestehe teils in der Sprachbarriere. Bei tiefgehenden Gesprächen, die viel pädagogisches Fingerspitzengefühl erfordern, werden aber laut Gruhn auch Dolmetscher herangezogen.