Interview mit Carsten Jesußek Ganderkeseer UWG setzt klar auf Bürgernähe

Die UWG will mit Susanne Steffgen (vorne, Die Linke) eine Gruppe bilden. Deren Zustandekommen ist noch nicht sicher: (v.l.) Fraktionschef Carsten Jesußek, Otto Sackmann und Thorsten Busch. Foto: Thorsten KonkelDie UWG will mit Susanne Steffgen (vorne, Die Linke) eine Gruppe bilden. Deren Zustandekommen ist noch nicht sicher: (v.l.) Fraktionschef Carsten Jesußek, Otto Sackmann und Thorsten Busch. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. „Wir werden kein vorformuliertes Programm abarbeiten, sondern im neuen Rat ganz klar die konkreten Bürgerinteressen vertreten“, bezieht Carsten Jesußek, neuer Fraktionschef der Unabhängigen Wähler Gemeinde Ganderkesee (UWG), im dk-Interview Position.

Ganderkesee. „Wir werden kein vorformuliertes Programm abarbeiten, sondern im neuen Rat ganz klar die konkreten Bürgerinteressen vertreten“, bezieht Carsten Jesußek, neuer Fraktionschef der Unabhängigen Wähler Gemeinde Ganderkesee (UWG), im dk-Interview Position.

UWG will mehr Einfluss

Auch, um mehr Schlagkraft zu erhalten, setzt sich der nach der Kommunalwahl von der CDU zur UWG übergewechselte Ratsherr aus Schierbrok für eine Gruppenbildung mit Ratsfrau Susanne Steffgen (Die Linke) ein. Mit Steffgen hätte die Gruppe zusammen mit Jesußek, Thorsten Busch und Otto Sackmann (UWG) vier Sitze im Rat – ebenso viele wie die FDP und die Grünen.

Herr Jesußek, ist diese kurzfristige Neuausrichtung nicht sowohl für Sie persönlich als auch für die UWG ein Risiko?

Carsten Jesußek: Nein, denn ich selbst wie auch die UWG sind schon immer ganz nah am Bürger gewesen. Ich fühle mich darum meinem Mandat verpflichtet und spüre auch den Zuspruch der Bürger. Durch eine Gruppenbildung mit Frau Steffgen wären wir dann zusammen vier Ratsleute, hätten eine höhere Schlagkraft, um Politik für und mit den Bürgern zu machen. Das zeigt sich auch in der Besetzung der Ausschüsse, künftig vor allem beim Einfluss im Verwaltungsausschuss.

Nun ist die UWG-Anhängerschaft ja nicht unbedingt linkslastig, gibt es da keine Probleme?

Wir schätzen Frau Steffgen sehr als Expertin wegen ihrer hohen Kompetenz in allen Fragen des Sozialen, der Inklusion und in Dingen des Wirkens für Menschen mit Behinderungen. Ihre Kompetenz ergänzt unseren Einsatz in der bürgernahen Sacharbeit. Aber, es stimmt, eine Gruppe „UWG/Linke“ soll es nicht geben. Ich persönlich kann der Linken als Partei nichts abgewinnen.

Muss Frau Steffgen denn jetzt aus der Linken austreten, um bei ihnen mitzuarbeiten?

Das wäre ihre alleinige Entscheidung. Wir lassen in dieser Woche prüfen, ob die Verwaltung im Recht ist mit ihrer Forderung, unsere Gruppe dürfe ausschließlich „UWG/Linke“ benannt werden.

Dann könnte das Bündnis am Namen scheitern?

Für mich kommt nur der Name „UWG/Steffgen“ infrage. Mit der Linken wollen wir formal nicht zusammenarbeiten!

Das Soziale haben Sie bereits in den Vordergrund gestellt, wie steht es um andere Politikfelder, etwa hinsichtlich Bauland und Wohnungsbau?

Wir müssen Stillstand verhindern. Die Gemeinde muss sich entwickeln können, das betrifft vor allem auch die Bauerschaften. Wir brauchen den Zuzug, neue erwerbstätige Bürger. Sie bringen auch neue Steuereinnahmen ein. Darum ist die Ausweisung von Bauland wichtig. Das muss aber mit Augenmaß geschehen. In Schierbrok ist zum Beispiel seit Jahren kein Bauland mehr geschaffen worden. Auch in Hoykenkamp sollte das Bauen ermöglicht werden. In Elmeloh ist dies ja auch gelungen. Und selbstverständlich brauchen wir natürlich auch bezahlbare Wohnungen.

Wie positioniert sich die UWG zur Ansiedlung von neuem Gewerbe?

Weiteres Gewerbe in Ganderkesee ist nötig. Aber auch hier gilt, dass wir zusätzliche Gewerbegebiete in unserer Gemeinde nur maßvoll entwickeln dürfen.

Stichwort Gewerbe: Die Kaufleute im Ort klagen immer lauter über Verödung durch Leerstände. Sie lasten das Ladensterben politischen Fehlentscheidungen der Vergangenheit an. Was kann die UWG tun?

Leerstände sind nicht nur im Ort, sondern auch in Schierbrok und Bookholzberg wirklich ein ernstes Thema. Thorsten Busch ist da unser Fachmann. Aber wir sind keine ‚Einzelkämpfer‘. Angesichts der Dimension kann man dieses Thema, ebenso wie viele andere, nur gemeinschaftlich lösen. Darum suchen wir das Gespräch mit allen Fraktionen, und wir wollen auch die Bürger bei der Formulierung unserer Anträge einbinden. Es soll öffentliche Fraktionsforen geben.


Carsten Jesußek (47), Key-Account-Manager, ist nach seinem Wechsel von der CDU zur UWG nun auch deren Fraktionsvorsitzender. Jesußek gehörte dem alten Rat zuletzt auch als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Kultur an.

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