Kämpfernatur im Ganderkeseer Rat Susanne Steffgen will sich für sozial Schwache einsetzen

Neuling in der Kommunalpolitik: Susanne Steffgen (Die Linke) hat einen Ratssitz gewonnen. Foto: Dirk HammNeuling in der Kommunalpolitik: Susanne Steffgen (Die Linke) hat einen Ratssitz gewonnen. Foto: Dirk Hamm

Ganderkesee. Am Erfolg habe sie nicht gezweifelt, beteuert Susanne Steffgen. Die Ganderkeseerin hatte erstmals für einen Sitz im Gemeinderat kandidiert, und mit 241 Stimmen ist ihr am 11. September der Einzug ins Gemeindeparlament gelungen. Als einzige Mandatsträgerin der Linken möchte die 52-Jährige in den kommenden fünf Jahren die Politik in der Gemeinde mitgestalten.

Für Steffgen stand von vornherein fest, auf welchem Gebiet sie sich inhaltlich mit voller Kraft einbringen will: „Ich möchte mich für die sozial Schwachen starkmachen.“ Dabei mache sie keinen Unterschied, ob es sich um Menschen mit geringem Einkommen, mit einer Behinderung oder einem Flüchtlingsschicksal handelt. Die im rheinland-pfälzischen Schifferstadt geborene staatlich geprüfte Maschinenbautechnikerin, die erst seit Oktober 2014 in Ganderkesee lebt, will sich in ihrer kommunalpolitischen Arbeit für ganz konkrete Verbesserungen für diesen Personenkreis in der Gemeinde einsetzen.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Das betrifft auch scheinbar ganz kleine Dinge, die große Wirkung haben können, wie Susanne Steffgen an einem Beispiel verdeutlicht: „Zwar gibt es in Ganderkesee einige öffentliche Toiletten, die von Rollstuhlfahrern genutzt werden können. Man muss aber wissen, wo sie sind. An zentralen Punkten wie dem Bahnhof müssten Hinweistafeln aufgestellt werden. Dazu werde ich einen Antrag stellen.“

Steffgen weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht, sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Infolge eines grippalen Infekts leidet sie seit 1993 an einer seltenen und fortschreitenden Erkrankung, die die motorischen Nerven schwächt. Ein harter Einschnitt für die Mutter von vier Kindern, die sich selbstständig gemacht hatte und in Speyer eine Autoglaserei mit drei Filialen und mehr als zehn Mitarbeitern führte: „Ich musste alles aufgeben.“

Als „Stehaufmännchen“ niemals unterkriegen lassen

Aber sich unterkriegen zu lassen, kam für Susanne Steffgen nie in Frage: „Man sagt mir nach, ich sei ein Stehaufmännchen.“ Mit ihrer kämpferischen Einstellung bewahrt sie sich, so weit es geht, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Andere Rollstuhlfahrer ermuntert Steffgen, wie sie ebenfalls alle Möglichkeiten des Schwerbehindertenausweises und der öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen, etwa Kino, Schwimmbad oder Freunde zu besuchen.

Auch dabei möchte sich die neue Ratsfrau für praktische Erleichterungen einsetzen. So hat sie einen Taxischein im Sinn, der Menschen mit Behinderung die Fahrt zum Bahnhof oder ins Theater ermöglicht. „Dabei muss es natürlich Einschränkungen geben, zum Beispiel auf Fahrten bis zehn oder 20 Kilometer. Die Kosten wären von der Gemeinde zu übernehmen.“ In anderen Gemeinden gebe es solche Taxischeine bereits.

Für mehr Barrierefreiheit und bezahlbaren Wohnraum

Außerdem möchte sich Steffgen in ihrer politischen Arbeit für die Belange Pflegebedürftiger einsetzen und darauf hinwirken, dass Ganderkeseer „barrierefreier“ wird. Bezahlbarer Wohnraum für Bürger mit geringem Einkommen ist ein weiteres Anliegen des Ratsneulings. Sie selbst hat sich nur drei Tage nach der Wahl mit dem Umzug von der Jungen Pflege im Wohnpark Am Fuchsberg in eine eigene Wohnung auf dem Grundstück des Wohnparks einen Traum erfüllt.

Im Rat strebt Susanne Steffgen eine „linksbetonte Politik“ an, und das nicht nur als Einzelkämpferin: Noch am Wahlabend habe es erste Angebote von Ratsmitgliedern für eine Zusammenarbeit gegeben. Bei allem kämperischen Biss hat sie erkannt: „Wenn ich alleine für etwas bin und alle anderen dagegen, dann bringt das nichts.“


Susanne Steffgen (Die Linke) ist bei Anregungen, Sorgen und Problemen erreichbar unter Telefon (0162)3298243 und per E-Mail an susanne@glas800.de

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