Mitmachkongress „Utopival“ Sechs Tage lang ohne Geld und Konsum in Heide leben

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Heide. Beim Mitmachkongress „Utopival“ schaffen sich zurzeit 130 Teilnehmer einen alternativen Lebensraum. Sie verzichten auf Geld und Konsum und setzen sich in Workshops kritisch mit der Welt auseinander.

Wie eine Welt ohne Geld, Konsum und Hierarchien aussieht, wird seit Montag von 130 Alternativdenkenden an einem nicht öffentlichen Ort in Heide praktiziert. Sie alle nehmen am Mitmachkongress „Utopival“ teil und betrachten die Welt in verschiedenen Workshops aus einem kritischen Blickwinkel.

Vegan, ökologisch, geldfrei und solidarisch

„Wir richten unsere Aktivitäten nach vier begleitenden Motiven, nämlich vegan, ökologisch, geldfrei und solidarisch, aus. Sie sind für uns der ideelle rote Faden, nach dem wir hier leben“, erklärt Inanna, eine von fünf Hauptorganisatoren des Mitmachkongresses, das Prinzip der sechstägigen Veranstaltung.

Familiäre Atmosphäre und Vertrautheit

Obwohl die Mitmachenden aus der gesamten Bundesrepublik und manche aus dem Ausland stammen und der Großteil sich untereinander noch nicht kannte, herrscht auf dem Gelände eine familiäre Stimmung und Vertrautheit. „Wir hatten über 500 Anmeldungen für die Tage, halten den Rahmen aber bewusst etwas kleiner“, sagt Lisa, eine weitere Organisatorin. Zum Grundprinzip zählt dabei auch, dass die Teilnehmer mit sämtlichen Hierarchien und Strukturen brechen: „Wir bewegen uns alle auf der gleichen Augenhöhe – egal, ob Referent, Organisator oder normaler Teilnehmer. Deshalb ist für uns auch nur der Vorname von Bedeutung“, erzählt die Kölnerin weiter.

Null-Euro-Budget und alle kommen auf ihre Kosten

Die Kosten für Teilnehmer und Organisatoren des Spektakels belaufen sich auf ganze null Euro. „Wir haben ein Null-Euro-Budget. Niemand muss etwas zahlen, ebenso bekommt niemand ein Honorar. Alles basiert auf Spenden“, erläutert Inanna das Modell der Geldfreiheit. Seit Januar haben die Veranstalter Nahrungsmittel gesammelt, zuletzt zusätzlich verstärkt Frischwaren aus dem unmittelbaren Umfeld. Dementsprechend prall gefüllt und gut sortiert ist auch das Lebensmittel-Lager. Ein Koch-Team versorgt die neuformierte Gesellschaft mit vegan zubereiteten Speisen – natürlich an einer selbst eingerichteten, zur Kochstation umfunktionierten Feuerstelle.

Workshops regen zur Kritik an

In den sechs Veranstaltungstagen stehen für die Teilnehmer insgesamt 25 verschiedene Workshops auf dem Programm, aus denen jeder individuell nach Lust und Laune wählen kann. Die Utopisten setzten sich dabei mit den Themenfeldern Wirtschaft, Ernährung, Soziales Miteinander, Kreatives Tun und Bildung auseinander. Nach den Workshop-Phasen, die allesamt tagsüber ablaufen, versammeln sich die Idealisten abends in großer Runde, um sich bei Spielen, Tänzen, Akrobatik-Vorführungen oder Konzerten gemeinsam in eine Welt fern von Normen und Konventionen fallen zu lassen.

Verzicht auf Luxus und Konsum

Zum alternativen Lebensstil gehört für die Gäste auf dem Gelände in Heide auch der Verzicht auf Luxus und Konsum. Nicht nur Laptop und Smartphone haben noch bis Samstag Sendepause, auch vom Gebrauch einer üblichen Toilette müssen sich die Teilnehmer während der Camping-Woche verabschieden. Stattdessen nutzen sie eine selbstgebaute Komposttoilette. Auch wenn sich der geneigte Festivalgänger an vielen Stellen angesprochen fühlt, fasst Mitorganisatorin Lisa „Utopival“ anders zusammen: „Für uns ist es wie eine Seminarwoche mit Festival-Atmosphäre.“

Grundstücksbesitzerin ist (noch) voll zufrieden

Dass ihr Gelände nicht zum Festival verkommt, gefällt auch der Grundstücksbesitzerin Ilse. „Bislang gibt es keine Beschwerden von den Nachbarn – im Gegenteil. Ich bin mit dem Experiment bisher auch zufrieden. Mit einem abschließenden Fazit warte ich aber lieber bis Samstag“, scherzt die Heiderin, deren Tochter auch beim Mitmachkongress mitwirkt.


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