Rückkehr ins normale Leben Ein neues Zuhause für beatmete Patienten in Ganderkesee

„Fast wie zu Hause“: (v.l.) Ralf Döge und Stephan Langfeld stehen in der geräumigen Bibliothek des Wohnprojekts, das die intensivpflegebedürftigen und beatmeten Menschen am Ebereschenweg wieder ins Leben zurückführen will. Foto: Thorsten Konkel„Fast wie zu Hause“: (v.l.) Ralf Döge und Stephan Langfeld stehen in der geräumigen Bibliothek des Wohnprojekts, das die intensivpflegebedürftigen und beatmeten Menschen am Ebereschenweg wieder ins Leben zurückführen will. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Sie haben einen schweren Unfall erlitten oder eine Krankheit, die das selbstständige Atmen so sehr erschwert, dass sie rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen sind: Elf beatmungspflichtige Patienten gehören zu den ersten Bewohnern des neuen Wohnprojekts, das Ralf Döge und Stephan Langfeld derzeit in den ehemaligen Einsiedel-Seniorenwohngemeinschaften am Ebereschenweg realisieren.

Der Service für Patienten mit chronischen Lungen- und Atemwegserkrankungen gehört schon lange zu den Schwerpunkten der beiden Unternehmer. Vor 16 Jahren haben sie in Ganderkesee die steramed Medizintechnik GmbH gegründet.

„AtemCenter“ in Hamburg, Sanderbusch und Oldenburg

Im Laufe der Jahre ist das Unternehmen um weitere Einrichtungen, die „AtemCenter“ in Hamburg, Sanderbusch und Oldenburg, erweitert worden.

Trotz dieser Ausweitung der Geschäftstätigkeit sind Döge und Langfeld sich dabei nach eigenen Angaben treu geblieben: „Wir arbeiten grundsätzlich von Herstellern unabhängig, weil uns das Wohlergehen und die Verbesserung der Lebensqualität unserer Kunden sehr am Herzen liegt“, begründet Langfeld die Haltung. Das mache „breite Schultern“, minimiere aber die Margen, gesteht er ein.

Menschen ins normale Leben zurückzuholen

Doch die Motivation, Menschen, die künstlich beatmet werden, wieder so weit als möglich ins normale Leben zurückzuholen, stehe über allem erwerbswirtschaftlichem Streben.

„Wir haben einen langen Atem“

Dies, so betonen die beiden, soll auch in dem neuen Wohnprojekt fortgeführt werden. „Wir haben einen langen Atem“, spielt Langfeld verbal mit der Erwartung, dass das Wohnprojekt sich frühestens in fünf Jahren zu rechnen beginnt.

„Medizinisch und technisch können heutzutage sogar Patienten, die 24-Stunden beatmet werden müssen, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen“, beschreibt Langfeld den Fortschritt. Dieses Leben müsse ihnen allerdings auch umfassend ermöglicht werden.

„Oft gehen Beatmete im System unter“

Eben jenes Ziel stehe nicht überall an erster Stelle: „Oft gehen Beatmete im System unter“, klagt Langfeld.

Sein Vorwurf: „Man hat den Eindruck, dass es in manchen Heimen nicht im Vordergrund steht, die Leute wieder von der Beatmung herunterzuholen. Das kostet Arbeit und der Patient könnte später in eine geringere Pflegestufe eingeordnet werden“, sagt er.

Wohnprojekt soll helfen

Darum haben die beiden ihr Wohnprojekt ins Leben gerufen, das ausdrücklich kein Heim ist, wie Langfeld betont, und bei dem das Duo als Vermieter der Immobilie mit bis zu 48 Pflegeplätzen auftritt.

„Das Konzept sieht die Überleitung der intensivpflegebedürftigen und beatmeten Menschen vom Krankenhaus in die außerklinische Versorgung vor, denn wir wollen die Lebensqualität dieser schwerkranken Menschen steigern und ihnen ermöglichen, dass sie im besten Falle irgendwann wieder selbstständig atmen können “, beteuert Langfeld.

„Vorrangig ist das Leben, nicht die Krankheit“

Versorgt werden die Patienten am Ebereschenweg, die auf intensivmedizinische Pflege rund um die Uhr angewiesen sind, unter anderem von Pflegediensten, die in einem Teil des Untergeschosses eine Pflegeakademie betreiben.

Das gesamte Wohnprojekt ist aufgeteilt in kleine Wohneinheiten mit jeweils neun bis zwölf Plätzen. Die zu mietenden Einzelzimmer mit Kochnische und Bad können individuell eingerichtet werden. „Vorrangig ist das Leben, nicht die Krankheit“, nennt Langfeld die Maßgabe.

Ein neues Zuhause

Für das Wohnprojekt, das in seiner Vollbelegung einmal das größte seiner Art in Deutschland sein könnte, eigne sich der ehemalige Einsiedel-Bau bestens , führt Langfeld an: „Die Bausubstanz ist neu, die Zimmer sind hell und es gibt Gemeinschaftsflächen, darunter eine Bibliothek.“ Das unterstreiche den Charakter eines neuen Zuhauses.


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