Palliativ-Versorgung Stiftung erfüllt Ganderkeseer seinen letzten Wunsch


Ganderkesee/Heide. Es wird sein letzter Urlaub sein. Ein letztes Mal möchte er Helgoland sehen, die Insel, die er und seine Frau Brigitte immer so geliebt haben: Der Heider Manfred Meister ist schwerstens erkrankt, er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Den Besuch der roten Insel im blauen Meer haben ihm am Mittwoch die Initiatoren des Projekts „Ein letzter Wunsch“ und der Palliativstützpunkt Landkreis Oldenburg & Delmenhorst in Ganderkesee erfüllt.

„Er spricht von nichts anderem, als davon, die Insel noch einmal mit der Familie besuchen zu wollen“, sagt Brigitte Meister auf dem Ganderkeseer Flugplatz. Denn vom Atlas Airfield aus soll der Flug gleich losgehen.

Eigentlich hatten Meisters diesen Juli-Urlaub schon im letzten Jahr geplant – bloß unter ganz anderen Vorzeichen. Mit dem Schiff, so hatten es die beiden entschieden, sollte es für zehn Tage in den unbeschwerten Familienurlaub gehen.

Viele Jahre hatte Manfred Meister Verantwortung getragen, war Vorstandsvorsitzender der LBS in Bremen gewesen.

Schwere Krankheit festgestellt

Jetzt wollte er mit seiner Frau den 2008 begonnenen Ruhestand genießen. Doch dann kam die Krankheit.

„Überraschend wurde in diesem Januar der Krebs bei meinem Mann festgestellt“, äußert sich Brigitte Meister gefasst.

Es bleibt nur noch wenig Zeit

Zu diesem Zeitpunkt war die Erkrankung bei dem 67-Jährigen schon sehr weit fortgeschritten. Zu weit, um noch die ganz großen Pläne zu schmieden.

Noch einmal nach Helgoland

Bis auf die Reise nach Helgoland: „Ich habe mich über den Sozialdienst des Krankenhauses in Delmenhorst und den Palliativstützpunkt Landkreis Oldenburg & Delmenhorst in Ganderkesee an die Infinitas-Kay-Stiftung gewendet, um die Möglichkeiten auszuloten“, erläutert Brigitte Meister. Unterstützung in dieser schweren Zeit findet das Ehepaar bei den Mitarbeiterinnen des Palliativstützpunkts.

Projekt „Ein letzter Wunsch“

Das in Deutschland einmalige Projekt „Ein letzter Wunsch“ , getragen von der Infinitas-Kay-Stiftung , unterstützt schwerstkranke Menschen im Hospiz oder zu Hause in ambulanter palliativer Pflege bei der Erfüllung ihrer ganz persönlichen letzten Wünsche, die mit vorhandenen Mitteln oft nicht erfüllt werden können.

So wie bei Manfred Meister: Der Schwerstkranke ist auf den Rollstuhl angewiesen und zu geschwächt, um per Schiff oder Katamaran die Hochseeinsel zu erreichen.

Flugzeug zur roten Insel

„So blieb nur ein Flugzeug als Transportmittel übrig“, nennt Barbara Duis in der kleinen Abflughalle des Airfields die Lösung.

Die Oldenburgerin ist ehrenamtlich für die Hamburger Stiftung tätig und hatte den Kontakt zum Bremer Verein für Luftfahrt geknüpft.

Palliativstützpunkt-hilft

Propellergeräusche dringen von außen in die Abflughalle. „Das Flugzeug ist gelandet“, sagt eine von Meisters Enkelinnen. Doch Pilot Börje Horn muss erst noch mal ordentlich Treibstoff auftanken. Die kurze Wartezeit bis zum Abflug nutzt Meister dazu, seine Gedanken zu äußern: „Ja, ich muss damit fertig werden, doch ich will etwas Schönes aus der verbleibenden Zeit machen. Es ist so schön, dass mir so gut geholfen wird. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Wunsch noch in Erfüllung geht“.

Gemeinsam mit Familienangehörigen begleiten die Palliativstützpunkt-Mitarbeiterinnen Haik Westendorf, Veronika Selchert und Swenja Krusche das Ehepaar beim Einstieg in die Maschine. Auch Barbara Duis ist dabei. Sie macht Fotos. „Zur Erinnerung“, sagt sie.

Die Türen sind geschlossen –Start und Abflug in den fünftägigen Inselurlaub. Was danach kommt, daran will heute noch niemand denken.


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