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Alarmierungspanne angezweifelt Einsatz in Neerstedt: Alarmierte Großleitstelle die falsche Feuerwehr?

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Durch einen Fehler soll es bei der Großleitstelle Oldenburg zu einer Verzögerung bei einem Rettungseinsatz gekommen sein.  Foto : Jannis WilgenDurch einen Fehler soll es bei der Großleitstelle Oldenburg zu einer Verzögerung bei einem Rettungseinsatz gekommen sein. Foto : Jannis Wilgen

Dötlingen/Oldenburg. Durch einen Fehler bei der Großleitstelle Oldenburger Land soll es zu einer Verzögerung bei einem Rettungseinsatz gekommen sein. Das berichtete Jannis Wilgen, Pressewart der Dötlinger Gemeindefeuerwehr, von einem Einsatz am Samstag. Dem widerspricht der Leiter und Geschäftsführer der Großleitstelle Frank Leenderts.

Eine Anwohnerin am Kirchweg in Neerstedt hatte laut Wilgen einen Nachbarn durch ein Fenster hindurch hilflos in seinem Badezimmer entdeckt und über den Notruf die Großleitstelle darüber informiert. Neben Polizei und Rettungsdienst sei am vergangenen Samstag aber um 16.04 Uhr nur Alarm für den Dötlinger Einsatzleitwagen unter dem Stichwort „hilflose Person in Wohnung“, ausgelöst worden, anstelle die eigentlich zuständige und nächstgelegene Ortsfeuerwehr aus Neerstedt zu alarmieren.

„Denn die Brandschützer sollten dem Rettungsdienst die Haustür öffnen, damit der Rettungsdienst den Patienten versorgen kann“, erläuterte Wilgen.

Computerpanne?

„Erst auf Nachfrage erfuhren die Dötlinger Einsatzkräfte per Funk vom Leitstellendisponenten, dass die Neerstedter Feuerwehr vom Computersystem nicht berücksichtigt worden ist“, beschrieb Wilgen den Fehler.

Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Dötlingen trafen zwar schon acht Minuten nach der Alarmierung ein – noch vor dem hauptamtlichen Rettungsdienst – sie führten im Einsatzleitwagen jedoch nur einen beschränkten Umfang an Werkzeug mit.

Umgehend sei die Ortsfeuerwehr Neerstedt nachgefordert worden: „Für diese wurde um 16.10 Uhr von der Großleitstelle Alarm ausgelöst“, sagte Wilgen.

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Feuerwehrleute eilen privat zum Einsatz

Einige Neerstedter Brandschützer, die sich zufällig in einer Nebenstraße aufgehalten hatten, eilten nach der zwischenzeitlichen Alarmierung privat zum Einsatzort und schafften es mit einer herbeigeholten Brechstange, die Tür der Wohnung gewaltsam zu öffnen.

Schließlich habe der Rettungsdienst in die Wohnung gelangen und den Mann medizinisch versorgen können.

Nach einer guten halben Stunde sei der Einsatz beendet worden. „Letztlich waren 36 Feuerwehrleute mit vier Fahrzeugen involviert“, sagte Wilgen. Darüber, ob die Verzögerung beim Rettungseinsatz Einfluss auf den Gesundheitszustand des Mannes hatte, wurde zunächst nichts bekannt.

Mehrfach Fehler bei Alarmierung in Dötlingen?

„Seit der Einführung der Großleitstelle ist es in der Gemeinde Dötlingen bereits mehrfach zu Problemen bei der Alarmierung der Feuerwehren gekommen“, benannte der Pressewart der Gemeindefeuerwehr Dötlingen den wiederholten Missstand.

Frank Leenderts, Leiter und Geschäftsführer der Großleitstelle mit Sitz in Oldenburg, widersprach am Montagnachmittag den Aussagen des Feuerwehrsprechers: „Ein Ausrücken der örtlich zuständigen Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Oldenburg beim Einsatzstichwort „hilflose Person in der Wohnung“ ist nicht ausdrücklich vorgesehen“, erklärte er.

„Rettungsdienst soll handeln“

Der Grund: Vom Grundsatz her sollen diese Einsätze von den rettungsdienstlichen Einsatzkräften bewerkstelligt werden. Nur in besonderen Ausnahmefällen und auf Anforderung des eintreffenden Rettungswagens oder nach Einschätzung des Leitstellendisponenten ist die örtlich zuständige Ortsfeuerwehr nach- oder mit zu alarmieren.

Leenderts: „Zudem sieht eine Sonderregelung der Alarm- und Ausrückordnung (AAO) der Gemeinde Dötlingen vor, dass zu allen Einsätzen mit Menschenleben in Gefahr der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Dötlingen ergänzend alarmiert werden soll.“ Warum die Freiwillige Feuerwehr aus Neerstedt nicht alarmiert wurde, erschließe sich aus der erwähnten Regelung im Landkreis Oldenburg.

Um 16:04 Uhr löste der Leitstellendisponent den Alarm für beide Einsatzmittel aus. Der Rettungswagen rückte um 16:05 Uhr in Wildeshausen aus; der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Dötlingen um 16:10 Uhr. Dieser und nicht die Großleitstelle Oldenburger Land forderte die Feuerwehr Neerstedt zwecks Unterstützung an.

Der Rettungswagen aus Wildeshausen sowie der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Dötlingen trafen laut Leenderts um 16.14 Uhr an der Einsatzstelle ein. Um 16.17 Uhr erhielt die Großleitstelle die Rückmeldung: „Tür ist auf, keine weiteren Kräfte erforderlich. Person wurde an den Rettungsdienst übergeben.“

„Vorgaben korrekt eingehalten“

„Aus meiner Sicht wurden somit alle Vorgaben der Gemeindefeuerwehr eingehalten; im Übrigen gab es keinerlei Zeitverzug in der Bearbeitung des Einsatzes. Die Gesamteinsatzdauer betrug von Einsatzbeginn (Notrufeingang) bis zur Versorgung durch den Rettungsdienst 15 Minuten“,stellte Leenderts fest

„Andere ,Alarmierungspannen‘, von denen global die Rede ist, sind uns aktuell nicht bekannt beziehungsweise wurden nicht an uns übermittelt; somit kann ich hierzu keine Stellungnahme beziehen“, machte er deutlich. Die Großleitstelle werde natürlich das Gespräch mit den Verantwortlichen der Feuerwehr Dötlingen suchen, um das vorliegende „Missverständnis“ vernünftig zu klären. Eine Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Gemeindebrandmeister habe bereits stattgefunden, teilte Leenderts am frühen Montagabend mit.


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