Ganderkesee nach dem Krieg „De slechte Tied“: Alltag nach dem Zweiten Weltkrieg

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Werner Lüdeke (links) und Hermann Speckmann haben für „De slechte Tied“ Heimatgeschichte erforscht und zu Papier gebracht. Foto: Reiner HaaseWerner Lüdeke (links) und Hermann Speckmann haben für „De slechte Tied“ Heimatgeschichte erforscht und zu Papier gebracht. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Zwei Ganderkeseer Autoren geben Einblicke in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie haben Erinnerungen, Dokumente und Fotos zusammengetragen.

Werner Lüdeke und Hermann Speckmann haben das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre danach in Ganderkesee als Jugendliche erlebt. Auf diese Zeit blicken sie in ihrem neuen Buch „De slechte Tied“ zurück. Sie verbinden persönliche Erinnerungen mit Fakten, Dokumenten und zahlreichen eindrucksvollen Fotos. Damals handelnde Personen wie Dorfpolizist Baars und Pastor Friedrich Bultmann alias „Fritz Pastor“ werden in sachlicher Darstellung und in mehr oder weniger wahren Anekdoten wiederbelebt.

Nachkriegszeit hervorgeholt

„Vor einem halben Jahr haben wir ,Zur Erinnerung – Vor siebzig Jahren: Der Kampf um Ganderkesee am 20./21. April 1945‘ herausgegeben. Das Interesse am Kriegsende war so groß, dass wir Erinnerungen an die Nachkriegszeit hervorholen wollen“, sagt Lüdeke.

Ganderkesee wächst schlagartig

Rückblende in die frühen vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts: Ganderkesee – ein Dorf rund um die Kirche, das jenseits der Bahn, der Lindenstraße, Neddenhüsen und Wolfsheide nur noch mit ein paar Häusern entlang der Ein- und Ausfallstraßen ausläuft. Rückblende 1945: Etliche Gebäude im Dorf sind durch Kriegseinwirkung zerstört oder wie die Kirche beschädigt. Trotzdem setzt schlagartig Bevölkerungswachstum ein, verbunden mit Wohnungs- und Nahrungsmangel: Ausgebombte „Butenbremer“ kommen, dann Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen, schließlich Schlesier.

Sprachbarriere Plattdeutsch/Schlesisch

„Nicht überall ist die Integration so vorbildlich gelungen wie in Bergedorf“, berichtet Speckmann. Alteingesessene und Neue stehen sich vielfach skeptisch bis ablehnend gegenüber. Auch Sprachbarrieren türmen sich auf: Die einen verstehen kein Schlesisch, die anderen kein Plattdeutsch. „Alle Hiesigen haben damals Platt gesprochen“, so Speckmann. Und doch, auch das wird in „De slechte Tied“ dokumentiert, beginnt bald der gemeinsame Wiederaufbau. Siedlungen entstehen, Weyhausen, heute Atlas, siedelt sich an und schafft Arbeitsplätze. „Bäcker, Handwerker und Frisör// werden bei Weyhausen Ingenieur“, dichtet Lüdeke. Das steht nicht im Buch.

Im Ganderkeseer Buchhandel erhältlich

Die Gemeinde und der Orts- und Heimatverein Ganderkesee haben die Herstellung von „De slechte Tied“ finanziell unterstützt. Es ist für 15 Euro in den Buchhandlungen Förster und Stöver erhältlich.


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