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Sieben Verletzte in Rethorn Schwerer Zugunfall zwischen Hude und Delmenhorst

Von Thorsten Konkel


Rethorn. Am Donnerstagvormittag sind bei der Kollision einer Regio-S-Bahn mit einem Sattelzugespann am Bahnübergang an der Straße Hohenkamp in Rethorn sieben Menschen verletzt worden. Die Bahnstrecke Bremen-Oldenburg war voll gesperrt.

Der verunfallte Zug wurde am Donnerstagabend geborgen, der Verkehr kann voraussichtlich erst am Freitagmittag aufgenommen werden. Die Bahnstrecke Bremen-Oldenburg und der Bahnübergang sind bis auf Weiteres voll gesperrt.

Bei dem schwersten Zugunglück der letzten Jahre in der Gemeinde Ganderkesee erlitten der Zugführer, fünf Passagiere und der Lastwagenfahrer wie durch ein Wunder nur leichte Verletzungen. Am Bahnübergang hatte ein Sattelzuggespann die geschlossene Schranke durchbrochen und war auf dem Bahnübergang von einem Zug der Nordwestbahn erfasst und dabei völlig zerstört worden.

Gespann rollt auf Bahnübergang

Laut Polizeisprecherin Melissa Oltmanns hatte ein aus Bremen stammender 30-jähriger Sattelzugfahrer mit seinem Abschleppfahrzeug einen defekten Kleinlaster an der Straße Hohenkamp an einer Abschleppstange gezogen. Nach ersten Ermittlungen habe er wegen eines vermuteten technischen Defekts auf der Straße angehalten, um nach dem Gespann zu sehen. Währenddessen habe sich das aus dem Sattelzug und dem angehängten Kleinlaster bestehende Gespann in Bewegung gesetzt und sei auf den abschüssigen Bahnübergang zugerollt. Bei dem Versuch, noch ins Fahrerhaus der rollenden Sattelzugmaschine zu gelangen, war der Fahrer abgerutscht. Das Gespann durchbrach die geschlossene Schranke und kam auf den Schienen zum Stehen.

Sattelzug völlig zerstört

Der Zug prallte trotz einer sofortigen Gefahrenbremsung auf den Sattelzug. Dabei riss der Kleinlaster ab und kam unmittelbar an den Schranken zum Stehen. Der Sattelzug selbst wurde durch die Wucht des Aufpralls völlig zerstört. Ein Trümmerfeld erstreckt sich über einige Hundert Meter. Fünf der insgesamt 24 Passagiere sowie der Lokführer wurden dabei leicht verletzt. Der Sattelzugfahrer war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht mehr in dem Fahrzeug, er erlitt einen Schock. Alle sieben Verletzten wurden ins Klinikum Delmenhorst eingeliefert.

Um den Zug evakuieren zu können, musste zunächst die 15.000-Volt-Oberleitung von den Spezialisten der Freiwilligen Feuerwehr Schierbrok-Schönemoor geerdet werden. Dann bauten die Retter einen Steg, um die Menschen über das Gleisbett auf einen danebenliegenden Fußweg geleiten zu können.

Bahnstrecke gesperrt

Die Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen ist auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Oberleitung und das Gleisbett sind erheblich beschädigt worden, teilte ein Bahnsprecher vor Ort mit.

Ein Schienenersatzverkehr ist laut NWB-Sprecher Maik Seete eingerichtet.

„Die Bahnstrecke wird voraussichtlich noch bis morgen unbefahrbar sein“, sagte Seete. „Derzeit wird ein Hilfszug erwartet, der die aus den Gleisen gesprungene Bahn bergen soll. Über den Schaden am Zug können wir noch nichts sagen, der Zug mus erst in unserer Werkstatt in Bremerhaven untersucht werden“, erläuterte er weiter.

Auch auf die Gleisbetreiberin Deutsche Bahn kommen nach dem Unglück umfangreiche Reparaturarbeiten zu. Neben der zerstörten Absperranlage des Bahnübergangs muss das einige Hundert Meter lange Trümmerfeld geräumt werden. Auch sind große Mengen an Kraft- und Betriebsstoffen ausgelaufen. Zudem wurde durch die Wucht des Aufpralls auch ein Oberleitungsmast abgerissen.

Großes Glück für alle Beteiligten – großes Aufgebot an Helfern

In der Nachbetrachtung des Unglücks betonten der Leitende Notarzt Dr. Thomas Gröne und Ganderkesees Gemeindebrandmeister Horst-Dieter Meyer, dass alle Beteiligten großes Glück gehabt hätten. „Der Zug wurde von dem Sattelzug geradezu aufgeschlitzt, tiefe Risse klaffen in der linken Bordwand. Hätte dort jemand gesessen, so wäre er schwerst verletzt worden“, sagte Meyer. Angesichts des im Frontbereich völlig zerstörten Triebwagens habe auch der Zugführer großes Glück gehabt, betonte Dr. Gröne. Wegen des Zugunglücks war von der Großleitstelle Oldenburg die Alarmierung „Massenanfall von Verletzten (MANV) ausgegeben worden. Mehrere Notärzte sowie der Rettungsdienst aus Ganderkesee und aus Delmenhorst eilten zur Unfallstelle. Die Freiwillige Feuerwehr Schierbrok-Schönemoor war mit 14 Helfern und zwei Fahrzeugen vor Ort. Einsatzleiter war der stellvertretende Ortsbrandmeister Norbert Twisterling. Neben der Erdung der Hochspannungsleitung halfen die Feuerwerleute bei der Rettung der Bahnreisendenden aus dem Unfallzug und banden zudem am Unfallort ausgelaufene Betriebsstoffe.

Behinderungen in den nächsten Tagen erwartet

Voraussichtlich wird es laut Polizeibericht in den nächsten Tagen zu Einschränkungen im Bahnverkehr kommen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Unter anderem werden technische Untersuchungen durchgeführt, um feststellen zu können, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Höhe des entstandenen Sachschadens kann noch nicht beziffert werden.

Bürgerbus nicht betroffen

„Der Betrieb des Ganderkeseer Bürgebusses ist nicht betroffen. „Die Garage des Bürgerbusses liegt zwar direkt am Bahnübergang, die Gleise überqueren wir für unseren Linienbetrieb aber überhaupt nicht“, sagte Vorstandsmitglied Heinz Otter am Donnerstagnachmittag.


Aufgrund des Unfalls ist aktuell die Strecke zwischen Hude und Delmenhorst voll gesperrt. Betroffen von der Sperrung sind die Linie RS 3, RS 4 und RE 19. Auf allen drei Linien müssen Fahrgäste mit Verspätungen rechnen. Ein Busnotverkehr ist eingerichtet.

RS 3: Züge verkehren zwischen Bad Zwischenahn und Hude sowie zwischen Delmenhorst und Bremen Hbf. Zwischen Hude und Delmenhorst verkehren Ersatzbusse. Fahrgäste müssen sich auf Verzögerungen einstellen.

RS 4: Züge verkehren regelulär auf dem Streckenabschnitt Hude – Nordenham. Zwischen Hude und Delmenhorst verkehren Ersatzbusse. Reisende zwischen Delmenhorst und Bremen Hbf weichen bitte auf die Züge der Linie RS 3 aus. Fahrgäste müssen sich auf Verzögerungen einstellen.