VSR-Gewässerschutz warnt Viel zu hohe Nitratwerte im Raum Wildeshausen

Von Thomas Deeken

Harald Gülzow beim Analysieren im Labormobil des VSR-Gewässerschutzes. Foto: VSR-GewässerschutzHarald Gülzow beim Analysieren im Labormobil des VSR-Gewässerschutzes. Foto: VSR-Gewässerschutz

Wildeshausen. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltungen am 16. September in Wildeshausen abgegeben wurden. Das hat Diplom-Physiker und Pressesprecher Harald Gülzow mitgeteilt.

In der Hälfte der analysierten Proben habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen. Insgesamt sei bei der Untersuchung das Wasser aus 35 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Dötlingen, Harpstedt, Colnrade und Wildeshausen analysiert worden.

Nicht mehr zum Trinken geeignet

Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es komme dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser. Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen eigenen Angaben zufolge 143 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Beckeln. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen hätten die Umweltschützer auch in Colnrade mit 93 Milligramm pro Liter (mg/l), in Düngstrup mit 104 mg/l, in Wildeshausen mit 84 mg/l, in Wickau mit 73 mg/l, in Dötlingen mit 100 mg/l und in Heinefelde mit 85 mg/l festgestellt. Das Wasser sei wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet.

Kooperation mit Landwirten

Während die Gartenbrunnennutzer meist nur aus dem oberflächennahen Grundwasser fördern würden, hätten die Wasserversorger die Möglichkeit, immer tiefere Grundwasservorräte anzuzapfen oder nitratbelastetes Grundwasser mit geringer belastetem zu mischen. „Doch auch das reicht häufig nicht mehr aus. Um weiterhin den Grenzwert ohne eine zusätzliche teure Aufbereitung einhalten zu können, gehen viele Wasserversorger in ihrem Trinkwasserschutzgebiet Kooperationen mit den Landwirten ein. Landwirte, die freiwillig diese Kooperationen eingehen, erhalten Ausgleichszahlungen, wenn sie effizienter düngen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass das Wasser aus den Brunnen der Wasserversorger keine zu hohe Nitratbelastung aufweist“, heißt es in der Mitteilung Gülzows. Weitere Informationen lesen Sie hier.

Dieter Hahn: Nicht nur Landwirte in der Pflicht

Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft beim Landkreis Oldenburg, sieht nicht nur die Landwirte in der Pflicht, bedarfsgerechter zu düngen. Jeder müsse sich an die Spielregeln halten und Beiträge leisten, dass die Nitratbelastung nicht zu hoch werde, sagte er auf Nachfrage. Das gelte beispielsweise auch für Betreiber von Biogasanlagen, für den Gemüseanbau und auch für den privaten Garten.

Im Landkreis sei eine hohe Nitratbelastung bekannt, erläuterte Hahn. Es gebe 46 Brunnen, die untersucht würden. In 24 seien die Grenzwerte überschritten, in einem gebe es sogar einen Spitzenwert von 260 mg/l.

OOWV: Zwischen Trink- und Grundwasser unterscheiden

Man müsse strikt zwischen dem Grund- und Trinkwasser unterscheiden, betonte Gunnar Meister, Sprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV. „Unser Trinkwasser ist von bester Qualität und unterliegt strengen Kontrollen. Die Nitratwerte im Trinkwasser bewegen sich weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes.“ Der Verband investiere pro Jahr rund 2,2 Millionen Euro in den vorbeugenden Grundwasserschutz. Der Erfolg hänge maßgeblich von der pflanzenbedarfsgerechten Düngung ab, so Meister.

Umkehr der Entwicklung seit Biogas-Boom

Der OOWV-Sprecher sprach außerdem von einer erfolgreichen Kooperation mit Landwirten. In freiwilligen Vereinbarungen beteiligten sich Landwirte an Schutzmaßnahmen für das Grundwasser. „Jedoch stellen wir seit 2006 - mit dem Beginn des Biogas-Booms - vielerorts eine Umkehr der Entwicklung fest“, so Meister. Das Ausbringen von Gärresten zusätzlich zur Gülle verschärfe die Situation auf den Feldern und führe zu steigenden Nitratwerten. Das Problem sei im südoldenburgischen Raum mit seinen durchlässigen, sandigen Böden größer als beispielsweise in Ostfriesland.

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