Aufbau einer beruflichen Zukunft Flüchtling in Ganderkesee büffelt für den Führerschein

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mohamad Hawila lernt mit Hilfe der Ehrenamtlichen Eltje Fricke unter den Augen von Tochter Rand Hawila, Ehefrau Rim Tamim und Tochter Mila sowie Astrid Fuchs von der Bürgerstiftung für den deutschen Führerschein. Foto: Katja ButschbachMohamad Hawila lernt mit Hilfe der Ehrenamtlichen Eltje Fricke unter den Augen von Tochter Rand Hawila, Ehefrau Rim Tamim und Tochter Mila sowie Astrid Fuchs von der Bürgerstiftung für den deutschen Führerschein. Foto: Katja Butschbach

Ganderkesee. Mohamad Hawila lernt für seinen deutschen Führerschein: Er ist mit seiner Familie vor dem Krieg aus Syrien geflohen und will rasch wieder als Fahrer arbeiten.

Mohamad Hawila hat in seiner syrischen Heimat am Steuer von Taxis und Lastern gesessen. Jahrelang ging er diesem Beruf nach, lieferte in den Irak und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Vater zweier Kinder hat drei Führerscheine. Er zählt auf: „Einen für Dubai, einen für Syrien und einen für den Libanon.“ In Deutschland allerdings kann er seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Ihm fehlt dafür ein hier gültiger Führerschein.

Nur halbes Jahr mit dem Schein aus der Heimat

Seit zwei Jahren ist er nun mit seiner Familie in Deutschland. Ein halbes Jahr dürfen Flüchtlinge in Deutschland mit dem Führerschein aus ihrer Heimat in Deutschland Auto fahren, dann müssen sie eine Prüfung ablegen.

Probleme im Schriftlichen

Über Astrid Fuchs von der Bürgerstiftung Ganderkesee entstand der Kontakt zu Eltje Fricke, die in Ganderkesee Nachhilfe gibt: Sie hilft Hawila seit Juni dabei, für seine deutsche Führerscheinprüfung zu lernen. Die Schwierigkeit liegt hauptsächlich in der Schriftsprache. Die schriftliche Prüfung kann Mohamad Hawila nicht auf Arabisch ablegen.

Unterstützung auch in der Fahrschule

Das gemeinsame Üben in der Wohnung der Flüchtlingsfamilie erfordert Kreativität: Eltje Fricke hat einen Prüfungsbogen auf Deutsch vor sich liegen, Mohamad Hawila einen auf Arabisch. Fricke liest die Fragen auf Deutsch vor – auch in der Prüfung darf Hawila sich die Fragen anhören, berichtet Fuchs. Allerdings muss er die richtigen Antworten ankreuzen und somit das Gehörte mit dem Text verbinden. In seiner Fahrschule hat er nun eine Lehrerin, die Arabisch spricht und ihn unterstützt. Der praktische Teil, ist er sich sicher, werde kein Problem sein. Hawila möchte in Deutschland arbeiten, Geld verdienen und davon leben. Auch ehrenamtliche Tätigkeit ist laut Fuchs denkbar: „Wenn er den Führerschein hat, kann er auch den BürgerBus fahren.“

Seine Hausaufgaben – er musste einen Stapel Fahrschulbögen ausfüllen – habe Hawila sehr fleißig erledigt, berichtet Fricke. „Es wird immer besser“, freut sie sich. Auch Hawila selbst hat das Gefühl, dass sich etwas tut.

Familie wird heimisch

Während er sich auf seinen Berufseinstieg vorbereitet, wird auch seine Familie in Deutschland heimisch: Seine sieben Monate alte Tochter Mila ist bereits in Deutschland geboren.

Eltern kamen aus Palästina

Seine Eltern und die seiner Ehefrau Rim Tamim kamen aus Palästina nach Syrien und lebten im 1957 gegründeten palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk am südlichen Rand von Damaskus. Einst lebten dort rund 150.000 Menschen, heute sind es noch etwa 16.000. Rim Tamims Schwester ist ebenfalls aus Syrien geflohen – die Familie besuchte sie im Aufnahmelager Bramsche. Dort ist die Schwester mit der neunjährigen Tochter ihrer Cousine untergebracht: Das Mädchen hatte bei einem Raketenangriff den Tod ihres Vaters miterleben müssen. „Sie vermisst Mutter und Vater und hat ganz viel geweint“, sagt Rand, Mohamad Hawilas Tochter.

In Deutschland Zuhause

Rand, die die deutsche Sprache bereits sehr gut gelernt hat, sagt über Syrien: „Ich denke noch daran, es ist noch in meinem Herzen. Aber ich fühle mich hier zuhause.“ Auch ihre Mutter Rim Tamim hat Zukunftspläne: Die 27-Jährige möchte als Friseurin und Kosmetikerin arbeiten. Beim Deutschlernen bekommt auch sie Hilfe von einer Ehrenamtlichen: Nach einer Informationsveranstaltung im Ganderkeseer Rathaus für Ehrenamtliche entstand der Kontakt zu einer Delmenhorsterin, die Rim Tamim nun einmal in der Woche besucht und mit ihr Deutsch lernt.


Die Einführung einer Theorie-Prüfung auf Arabisch hat am Dienstag der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen gefordert. „Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, müssen möglichst schnell integriert werden“, heißt es. „Voraussetzung hierfür ist oftmals der Besitz eines Führerscheins.“ Die Theorieprüfung könne nur bestehen, wer sehr gut deutsch spricht. „Schließlich enthalten die Fragen zahlreiche Fachbegriffe.“ KB

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN