Lebensraum für viele Tiere Rundgang mit Experten durch den Bürsteler Fuhrenkamp

Der Hasbruch als Erholungsort: In Ganderkesee ist die Bindung an den Wald besonders groß. Foto: dpaDer Hasbruch als Erholungsort: In Ganderkesee ist die Bindung an den Wald besonders groß. Foto: dpa

Ganderkesee. Unterwegs mit dem Förster: Über die Bedeutung des Waldes für Menschen und für Tiere sprechen Revierleiter Lucas Kubel und Landesforsten-Sprecher Rainer Städing.

„Eine hohe emotionale Bindung“ der Bürger an den Wald stellt Revierleiter Lucas Kubel bei einem Rundgang durch den Bürsteler Fuhrenkamp besonders „hier in der Region“ fest: Dies führe „zu einer anderen Herangehensweise der Forstwirtschaft an den Wald. Sie kommuniziert mehr.“

30 Prozent gehen in den Wald

„30 Prozent der Bevölkerung“, weiß Landesforsten-Sprecher Rainer Städing, „geht in den Wald.“ Dass 70 Prozent den Wald nicht als Erholungsort nutzten, ist für Kubel allerdings eher bedenklich – „Knackpunkt“ sind für Städing die Waldeingänge, die einladend sein sollten. Im Hasbruch hat sich hier einiges getan.

Die Bürger, die den Wald bereits als Erholungsgebiet entdeckt haben, sprechen den Förster auf dem Rundgang durch den Bürsteler Fuhrenkamp auf ihren Wald an: So tauchen unter der heißen Augustsonne Fragen danach auf, welche Wege eigentlich mit dem Auto befahren werden dürfen und wer Brennholz aus dem Wald holen darf.

Aufforstung vor 150 Jahren

Der Fuhrenkamp, der heute von vielen Spaziergängern regelmäßig besucht wird, ist in seiner heutigen Anmutung Städing zufolge aus einer Heidefläche entstanden, die vor rund 150 Jahren mit „der sehr anspruchslosen Baumart Kiefer“ aufgeforstet wurde. Jetzt erfolgt der Wandel zu mehr Laubwald (dk berichtete).

Die besondere Bedeutung des Waldes für die Bürger wird auch daran deutlich, dass Städing über ein Seminar zum Thema „Waldästhetik“ nachdenkt. Unter anderem im Stühe verbinden sich Ästhetik und Naturschutz: Ein beeindruckender alter Baum bietet unter der sich ablösenden Rinde aktuell Lebensraum für Fledermäuse, bevor andere Arten dort einziehen. In und an den Habitatbäumen – sie werden nicht gefällt, sondern sterben irgendwann natürlich ab – siedeln unter anderem Kuckuck und Specht.

Wildschweine sind kein Problem

Beim Besuch im Stühe fallen auch Wildschweinspuren auf: Wildschweine, meint Städing, sind eher unproblematisch. „Sie lockern den Boden auf und fressen Engerlinge“, sagt Kubel. Damhirsche hingegen verbeißen laut Städing junge Bäume. Das neue Geweih, ergänzt Kubel, reiben die Tiere an den Stämmen, bis die Rinde weg ist. Von der Gefahr durch Wild einmal abgesehen, ist die Situation für die Bäume in den vergangenen Wochen allerdings ideal gewesen: „Warm und feucht – das ist ein sehr wüchsiges Wetter“, freut sich Kubel.

Besonders viele Zecken unterwegs

Auch für Zecken scheinen die Bedingungen gut zu sein – dieses Jahr sind in den Wäldern besonders viele unterwegs: „Das sehe ich, wenn ich abends meine Beine anschaue“, sagt Kubel mit einem Lachen.

Auch zum Schutz vor Zecken werden die Hauptwaldwege zum Beispiel im Fuhrenkamp gepflegt, so dass die Besucher „vernünftig durchkommen“, sagt Städing und marschiert zur Demonstration durch das hohe Gras am Wegesrand, an dem man sich leicht Zecken holen könne. Die auf den Wegen wachsenden Pflanzen werden weggenommen, der Grasstreifen gemulcht. Bei niedrigem Gras sei das Risiko erheblich geringer.

Rehe, Füchse, Dachse und Marder

Auch Rehwild, Füchse, Dachs und Marder bevölkern den Bürsteler Fuhrenkamp. Beim Rundgang ist ein Rehbock zu sehen, der gar nicht so eilig zwischen den Bäumen verschwindet. Kubel nimmt sein Fernglas, beobachtet das Tier.

Zum Thema Rehe auf Kulturflächen erläutert Städing allgemein, dass zu viele Tiere einen Verbiss an jungen Bäumen auslösen würden, sodass geschossen werden müsse. Wie die Situation im Fuhrenkamp ist, ist derzeit nicht klar: Es läuft ein Monitoring, dessen Ergebnisse derzeit noch nicht feststehen.


Wälder in der Region Das dk stellt in einer Artikelfolge die Waldwirtschaft sowie den Wald als Ort der Erholung und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen vor.kb