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Welle der Hilfsbereitschaft Ganderkeseer Rathaussaal zu klein für Flüchtlingshelfer


konk/kb Ganderkesee. Drangvolle Enge im Rathaussaal: Über 180 Freiwillige haben sich am Dienstagnachmittag in Ganderkesees Verwaltungssitz versammelt, um die Flüchtlingshilfe zu koordinieren. Ehrenamtliche können in fünf wesentlichen Lebensbereichen Flüchtlinge unterstützen.

„Überwältigend“: Mit diesem Wort hat Erster Gemeinderat Rainer Lange gestern die Resonanz auf eine Informationsveranstaltung zu ehrenamtlicher Arbeit für Flüchtlinge im Rathaus beschrieben. Mehr und mehr Stühle werden herbei geschafft, der Saal schien viel zu klein für die über 180 Bürger, die gekommen waren: Sie alle wollen Flüchtlingen in der Gemeinde helfen. Eingeladen hatten der Arbeitskreis Flüchtlinge, die Bürgerstiftung Ganderkesee und die Gemeinde.

Ehrenamtliche sollen begleitet und unterstützt werden

Fachdienstleiter Rainer Heinken erklärte, das neue Ehrenamt auf eine solide Basis stellen zu wollen, die Ehrenamtlichen „begleiten und unterstützen“ zu wollen. Passgenau sollten die Ehrenamtlichen eingesetzt werden, ihre Kenntnisse genutzt werden. Dazu füllten die Bürger Formulare aus, die die Interessen und Fähigkeiten abfragen. Das Formular ist jetzt auch auf der Homepage der Gemeinde verfügbar.

„Es ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit“, sagte Heinken. Alle Ehrenamtlichen müssten ein polizeiliches Führungszeugnis vorzeigen, das kostenlos zu bekommen sei. Für die Engagierten solle es Schulungen geben.

Flüchtlingsthema über Jahre relevant

Lange stellte klar, dass Flüchtlinge die Gemeinde „nicht mehrere Monate, sondern mehrere Jahre“ beschäftigen würden. In fünf Aufgabenfeldern könnten die Ehrenamtlichen aktiv werden: 1. Verpflegung und Versorgung, 2. Sprachvermittlung, 3. Freizeitgestaltung, 4. sonstige Arbeiten und 5. Patenschaften.

Im Alltag zur Seite stehen

Die Ehrenamtlichen sollen auch mit der Bürgerstiftung und dem Arbeitskreis Flüchtlinge zusammenarbeiten. Astrid Fuchs, Projektleiterin bei der Bürgerstiftung, erklärte, dass man sich bereits seit zwei Jahren für Zugewanderte in der Gemeinde einsetze. Auch künftig werde sich die Stiftung im Bereich Patenschaften engagieren. Erich Kurzawski, Arbeitskreis Flüchtlinge: „Es ist unser Ziel, den Menschen die zu uns kommen, bei alltäglichen Dingen zur Seite zu stehen.“

Auf Anregung aus dem Publikum – die Fragerunde wurde intensiv genutzt – erwägt die Gemeinde nun, ein Spendenkonto für Flüchtlingsarbeit einzurichten.

Kinderbetreuung und Hilfe in der Verwaltung

Eine Bürgerin, die gerne helfen möchte, ist Heinke Demnitz (71). „Ich habe Zeit zur Verfügung“, sagte sie. Sie möchte sich im Bereich zwischenmenschlicher Kontakt einbringen, mit Flüchtlingen Nähen oder Kinder betreuen. Die 22-jährige Jessica Murawski, die in zwei Wochen nach Londen auswandert, möchte in der restlichen Zeit in Deutschland noch in der Verwaltung helfen. Auch der frühere Ganderkeseer Bürgermeister Gerold Sprung füllte ein Formular aus – zusammen mit anderen möchte er eine Patenschaft für eine Familie übernehmen.

Auf das Herz hören

Applaus gab es für eine Besucherin, die dazu aufforderte, das Herz sprechen zu lassen und bei kleinen Dingen zu helfen – etwa beim Lesen der Post oder indem man mit den Kindern lese. Ein Zuhörer bot an, Schränke mit aufzubauen. Eingebunden werden in das Hilfsnetzwerk soll auch die AWO-Kleiderkammer. Die Wäsche der Flüchtlinge, so eine aktuelle Erkenntnis von Dienstag, kann laut Heinken eventuell in einem entsprechend ausgestatteten Container gewaschen und getrocknet werden.

Mehrere Sammelunterkünfte

Lange klärte die Bürger auch über die aktuelle Situation auf: „Natürlich hat uns das ein oder andere überrascht“, räumte er zum Thema Unterbringung der Flüchtlinge ein. In Delmenhorst, wo aktuell keine Probleme bei der Unterbringung vermeldet werden, gebe es durch leerstehende Immobilien genügend Wohnraum. Er schilderte, dass nicht nur in der Alten Turnhalle neben der Schule am Habbrügger Weg, sondern auch an anderen Stellen Sammelunterkünfte geplant werden. Man spreche über fünf oder mehr dieser Unterkünfte.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Als Ausblick erläuterte er, dass diese Woche 45 Flüchtlinge ankommen – laut Gemeindesprecher Hauke Gruhn am Donnerstag – und zunächst im Jugendhof Steinkimmen unterkommen. Danach ziehen sie in die Alte Turnhalle, die am Wochenende mit Hilfe des DRK Ortsvereins hergerichtet wird. „Es wird sehr viel geplant, um die Halle so zu gestalten, dass sie für die Flüchtlinge annehmbar ist“, sagte Gruhn gestern vor der Veranstaltung. Versorgung, Strom, Internet, Wäsche – um all diese Dinge müsse sich gekümmert werden.

Zentrale Telefonnummer sehr gut angenommen

Die neu eingerichtete zentrale Telefonnummer der Gemeinde zum Thema Hilfe für Flüchtlinge ist am Dienstag bereits „sehr gut angenommen“ worden: Bis zum Mittag gab es bereits rund 40 Kontakte – die Mitarbeiterin der Gemeinde sei durchgehend damit beschäftigt gewesen. Der am Montag veröffentlichte offene Brief der Bürgermeisterin zum Thema Hilfe für Flüchtlinge sei durchweg positiv angenommen worden. 5500 Personen hätten sich den Brief allein bis gestern Mittag auf Facebook angesehen.


Der Fragebogen für neue ehrenamtliche Helfer für Flüchtlinge ist auf www.ganderkesee.de unter dem Button Flüchtlingssituation zu finden. Die zentrale Rufnummer der Gemeinde, unter der Wohnungen und Hilfe für Flüchtlinge angeboten werden können, lautet (04222) 44-500; die entsprechende E-Mail-Adresse ist fluechtlingshilfe@ganderkesee.de.