Rund 3000 Besucher an zwei Tagen Mittelalter regiert in Falkenburg

Von Katja Butschbach


Ganderkesee-Falkenburg. Tapfere Ritter, Schwertkämpfe, Met und altes Handwerk: Das „Mittelalterlyche Gedraengel zu Falkenburg“ hat am Wochenende auf dem Gelände des Dorfparks erfolgreich Premiere gefeiert.

Hoch ragt das schwarz und weinrot gestreifte Zelt im Heerlager empor: Dieter Reischenberg aus Lemwerder ist für zwei Nächte in diesem Zelt zuhause – und reist in eine andere Zeit: Beim „Mittelalterlychen Gedraengel zu Falkenburg“ versetzt er sich in die Zeit der Schlacht zu Altenesch 1234. (Mehr Bilder von den Ständen und Attraktionen.)

Über 100 Aktive, an die 3000 Besucher

Rund 100 bis 120 Aktive haben wie Reischenberg den Markt mitgestaltet, berichtete Barham Pasuki, der die Organisation von Peter Mienert übernommen hatte, der krankheitsbedingt ausfiel. „Es sind jetzt schon alle Erwartungen übertroffen worden“, so Pasuki am Sonntagnachmittag über die Resonanz. Für Samstag gehe er von rund 1000 Besuchern aus und für Sonntag noch einmal von 2000. Die Zahlen rechnete er anhand des regen Besuchs an seinem Bogenschießstand hoch.

Standbetreiber wollen wiederkommen

Auch Manuel Zimdars von der Falknerei „Prächtig Gefieder“ aus dem Landkreis Stade sagte: „Es war mehr Zulauf, als wir gedacht haben. Wir hatten den ganzen Tag zu tun und würden gerne wiederkommen.“ Medoc Wolf, der an seinem Stand Kulinarisches wie eine Trollsuppe aus Linsen, Sauerkraut und Rauchfleisch anbot, sah seinen Zulauf als eher verhalten an, befand den Platz aber als sehr schön und möchte ebenfalls wieder dabei sein.

Ein perfekter Ausgleich

Während die Besucher über den Markt bummelten, berichtete Kathy Kerber aus Zeven aus dem Leben im Heerlager: Tagsüber heizten sich die Zelte schnell auf, und nachts werde es ebenso schnell kalt. Felle sorgten hier für die notwendige Wärme. „Es gibt einem ganz viel und ist ein perfekter Ausgleich“, so Kerber über ihre Motivation mitzumachen. Meist sei die Nachfrage bei Mittelaltermärkten viel größer als die Zahl der Plätze.

Planung gleicht einem Tetris-Spiel

Auch in Falkenburg wollten all die Stände erst einmal untergebracht sein: Der Mittelalter-Markt, der in diesem Jahr zum ersten Mal in Falkenburg war, ist dreimal größer als an seinem vorherigen Standort in Dötlingen. „Wir sind froh, dass wir dieses Gelände bekommen haben. Wir haben Donnerstag und Freitag richtig Tetris gespielt, um alles unterzubringen“, sagte Pasuki mit einem Lachen.

Er möchte den Markt 2016 gerne wiederholen – und dann noch mehr Fläche zur Verfügung haben. Auch solle dann die Beschilderung besser sein und das Unterhaltungsprogramm ausgebaut werden. Im Gegensatz zu Dötlingen sei in diesem Jahr schon mal die passende musikalische Unterhaltung neu dabei gewesen.

Wie Flachs zu Leinen wird

Daneben gab es viele weitere Attraktionen: So präsentierte Klaus Bolzmann, der als Wikinger den Namen Harden Weslonde trägt, die Verarbeitung von Flachs zu Leinen. „Der Aufwand ist vergleichbar mit der Baumwollherstellung“, sagte Bolzmann. Zunächst muss die Flachsfaser aufgebrochen werden. Der Flachs wird dann geschwungen und immer wieder über ein bürstenartiges Brett gezogen – der Fachmann nennt diesen Vorgang „Hecheln“ – und so immer feiner gemacht, bis die Fasern weiterverarbeitet werden können. Beim Falkner konnten die Besucher Fotos mit einem Greifvogel machen lassen. So hüpfte etwa der Wüstenbussard Thorin von seiner Hand auf die nächste. Auch kulinarisch wurde auf dem Markt neben der Trollsuppe einiges geboten – wer wollte, konnte zum Beispiel Honigwein testen oder Fisch kaufen.

Mittelalterliche Ernährung

Das Essen spielt auch in den Heerlagern eine große Rolle: Einige geben laut Pasuki darauf acht, dass sie sich dem Mittelalter gemäß ernähren: Tomate und Kartoffel seien damals in Deutschland noch nicht verfügbar gewesen. So kommt vor allem Gemüseeintopf mit Fleisch auf den Tisch, erklärte Pasuki, und zeigte auf die Gemüseschale auf dem Tisch unter dem Zeltdach. Das Lagerfeuer, auf dem auch gekocht wird, brenne Tag und Nacht. Gegessen wird von Holzgeschirr oder getöpferten Schüsseln. Doch manchmal, so wurde in einem anderen Lager humorvoll erklärt, sind in diesen Schüsseln auch Leckereien aus der jetzigen Zeit – zum Beispiel Weingummi.

Unmittelalterliche Planung

Geplant und organisiert wird ein solcher Markt allerdings ganz unmittelalterlich: Mit Facebook-Aufrufen erfahren die Mittelalterfreunde von den Märkten – und bewerben sich darum, mitmachen zu dürfen.