Steinkimmen als Zwischenlösung Ganderkesee muss 30 weitere Flüchtlinge aufnehmen

Von Thomas Deeken

Ganderkesee muss noch mehr Flüchtlinge aufnehmen als zunächst gedacht. Symbolfoto: dpaGanderkesee muss noch mehr Flüchtlinge aufnehmen als zunächst gedacht. Symbolfoto: dpa

Ganderkesee. Die Gemeinde Ganderkesee muss zusätzlich 30 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Inzwischen geht es auch um drei mobile Unterkünfte und das Obergeschoss des ehemaligen FTZ-Gebäudes.

Die außerplanmäßige Unterbringung von rund 3000 Flüchtlingen in Niedersachsen trifft auch die Gemeinde Ganderkesee. Denn Mitte nächster Woche kommen neben den bis zu 15 Personen, die wöchentlich in die Gemeinde kommen sollen, bis die Quote erfüllt ist, zusätzliche 30 Flüchtlinge. Das hat Rainer Lange, Erster Gemeinderat, am Donnerstag bekannt gegeben. „Das ist wirklich eine Herausforderung. Jetzt potenziert sich die Problematik“, sagte Lange, der zumindest erst einmal eine Zwischenlösung parat hat: Für fünf bis sechs Tage werden alle 45 Personen im Jugendhof Steinkimmen untergebracht .

Erst Jugendhof, dann Turnhalle

Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen, erwartet außerplanmäßig acht Familien mit insgesamt 30 Personen sowie zwei weitere Familien und vier Einzelpersonen. Sie sollen im Jugendhof untergebracht, betreut und verpflegt werden, bis die Turnhalle am Habbrügger Weg fertig ist, die als Notunterkunft gedacht ist. Bei diesem Projekt steht nach Angaben Langes das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hilfreich zur Seite, das nicht nur Erfahrung bei Bestellungen von Betten über Kopfkissen bis zu Einmalhandschuhen hat, sondern auch schnell Feldbetten aufbauen kann.

Problem: Verpflegung in der Ferienzeit

Probleme gebe es dagegen beim Thema Verpflegung in der Turnhalle. Dabei werde auch über die Öffnung der Mensa im Schulzentrum nachgedacht. Das Problem dabei: Wegen der Urlaubszeit sei niemand da, mit dem man verhandeln könne – eine Situation, auf die Lange und Heinken derzeit bei verschiedenen Angelegenheiten treffen. Fakt ist, so Heinken, ein Großteil der 45 Flüchtlinge wird zunächst in der Turnhalle untergebracht werden müssen.

Am Haus Cristina in Rethorn wird kein Weg vorbeigehen

Die anderen würden auf Wohnungen verteilt. „Wohnraum für bis zu 30 Personen gebe es noch“, sagte der Fachbereichsleiter. Allerdings müssten die Wohnungen in den nächsten Wochen noch eingerichtet werden, so Heinken, der die Flüchtlinge nach wie vor möglichst dezentral unterbringen will. Daher appelliert er erneut an die Bevölkerung, geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen – „eher kleinere Einheiten statt riesengroßer Wohnungen“.

Entscheidung in Rethorn bis September

Um aber den künftigen Ansturm bewältigen zu können, hat die Gemeinde weitere Schritte eingeleitet: So wird laut Lange „bis Mitte September mit ziemlicher Sicherheit“ die politische Entscheidung darüber fallen, im Haus Cristina in Rethorn bis zu 25 Personen unterzubringen. Das hätten die Fraktionsvorsitzenden bereits signalisiert. Im Januar des nächsten Jahres soll der Umbau dann fertig sein. Das zweite Gebäude soll künftig von der regioVHS genutzt werden.

Drei mobile Unterkünfte

Darüber hinaus hat die Verwaltung nach Angaben des Ersten Gemeinderates den Kreis beauftragt, drei mobile Unterkünfte für je 25 Personen für Ganderkesee anzuschaffen. Jetzt würden Standorte gesucht und geprüft – zum Beispiel Gewerbegebiete oder Lagerhallen. Das Problem dabei: Es gebe für die Unterkünfte eine mehrmonatige Lieferfrist. Außerdem soll das Dachgeschoss im ehemaligen FTZ-Gebäude an der Urneburger Straße für die Unterbringung von 20 bis 25 Flüchtlingen genutzt werden. Sanitärcontainer seien relativ schnell zu bekommen.

Verwaltung richtet Stabsstelle ein

Um die Situation rein organisatorisch in den Griff zu bekommen, werde in der Verwaltung eine fachbereichsübergreifende Stabsstelle eingerichtet. Dazu würden je nach Bedarf immer wieder Fachleute hinzugezogen, so Lange, der auf noch mehr ehrenamtliche Mitarbeit hofft – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich im September die Aufnahmequote erhöhen werde. Dann könnte es durchaus um 200 bis 250 Flüchtlinge für die Gemeinde gehen.