Zehntausende Bäume werden gepflanzt Ganderkesee: „Schleichende Revolution“ im Wald

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Revierleiter Lucas Kubel misst im Stühe einen mit einem blauen Ring als Zukunftsbaum markierten Baum, der besonders gepflegt wird. Die Lärche mit roter Markierung wird entfernt.Foto: K. ButschbachRevierleiter Lucas Kubel misst im Stühe einen mit einem blauen Ring als Zukunftsbaum markierten Baum, der besonders gepflegt wird. Die Lärche mit roter Markierung wird entfernt.Foto: K. Butschbach

Ganderkesee. Im Bürsteler Fuhrenkamp und im Stühe mit den Landesforsten unterwegs: Über Pläne für die hiesigen Wälder klären Revierleiter Lucas Kubel und Landesforsten-Sprecher Rainer Städing auf.

Revierleiter Lucas Kubel lenkt sein Auto durch den Bürsteler Fuhrenkamp bis zu einer Stelle im Herzen des Waldes, die neu bepflanzt werden soll: Im Februar wurden auf einem drei Hektar großen Areal nahe dem Biotop alte Kiefern entfernt, und noch im Herbst sollen dort rund 12000 Roteichen gepflanzt werden. „Das wird ein richtig schöner Wald“, sagt Kubel.

Wandel von Kiefern zu Laubbäumen

Den im Fuhrenkamp laufenden Wandel zu weniger Kiefern und mehr Buchen und anderen Laubbäumen nennt Landesforsten-Sprecher Rainer Städing auch „die schleichende Revolution in den Wäldern“. Im Fuhrenkamp wachse jetzt die zweite Waldgeneration heran.

Planung für die nächsten 150 Jahre

Das alles erfordert Planung: „Wir wissen, wie das in 150 Jahren aussehen soll“, meinen Städing und Kubel. Der Revierleiter sieht sich die Bäume an, markiert sie mit haltbaren Farben – und prägt damit das Aussehen des Waldes für die Zukunft, denn die Markierungen sagen aus, welche Bäume gefällt werden sollen. Für Kubel, der aktuell Revierförster Jens Meier vertritt, ist das eine Kernaufgabe eines Revierleiters – und eine Aufgabe, die Spaß macht.

H für Habitatbaum

Am Stamm einer Eiche auf der mit Roteichen aufzuforstenden Fläche im Fuhrenkamp ist ein blaues H zu sehen – der Buchstabe steht für Habitatbaum und schützt diesen Baum davor, gefällt zu werden. Er durchläuft den kompletten Lebenszyklus: Alt- und Totholz sollen erhalten werden, um die Artenvielfalt zu erhöhen. In Vorbereitung ist laut Städing ein Projekt, mit dem Habitatbäume für Waldbesucher eindeutig zu identifizieren sein sollen: Ein Schild mit einem Specht-Symbol könnte künftig auf diese Bäume hinweisen.

Leuchtende Farben markieren Bäume, die gefällt werden

Parallel zu diesen Arbeiten zum Naturschutz wird der Wald nahe der Fläche für Roteichen innerhalb der nächsten drei Monate durchforstet. Konkurrenzbäume werden entfernt, so dass sich die als besonders hochwertig eingestuften Bäume gut entwickeln können. Hier wird nach Wirtschaftlichkeit entschieden. Bäume, die gefällt werden sollen, werden in Rot, Pink, Gelb oder Orange markiert. Bäume, die in gedeckten Farben oder in Weiß besprüht sind, bleiben: So werden Bäume am Rande einer „Rückegasse“ – dem maximal vier Meter breiten Weg für Holzerntemaschinen – mit einem weißen T markiert. Zukunftsbäume, die besondere Pflege genießen, bekommen einen blauen Ring.

Ernte nach 180 Jahren

Nach 140 Jahren werden Buchen geerntet, Eichen nach 180 bis 200 Jahren, berichten Städing und Kubel, bevor es ins Auto und in den nächsten Wald geht: Am Südrand des Stühe sind auf einer durchforsteten Fläche viele junge Bäume zu sehen, die sich selbst verbreitet haben: „Mit offenen Armen“, sagt Kubel, werden diese Bäume empfangen – sie können wachsen, sich zu großen Bäumen entwickeln.

Es geht auch um wirtschaftliche Anforderungen

Tische, Stühle, Treppe, Möbel: All das sieht Städing in den bereits hoch gewachsenen Bäumen. Die Landesforsten seien nicht nur dazu da, einen schönen Wald zu präsentieren – es gehe auch um wirtschaftliche Anforderungen. Allerdings werde hier „mit gutem Gewissen Geld verdient“. Es gehe um eine nachhaltige Nutzung, bei der 100 bis 150 Jahre im Voraus geplant wird. Was der Klimawandel oder andere Veränderungen mit sich bringen, lasse sich nicht kalkulieren. So werde geplant „in der Hoffnung, dass es gut geht“, meint Kubel.

Einige große Sorgen um den Wald verschwunden

Einige große Sorgen um den Wald sind laut Städing mittlerweile ausgeräumt: Die Eichenfraßgesellschaften, die im Stenumer Holz zu noch heute sichtbaren Schäden geführt haben, sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden.

Auch das Problem, dass es kein Eichensaatgut gab, habe sich deutlich entspannt. Somit stehen laut Städing in den nächsten ein bis drei Jahren junge Eichen für die Pflanzung im Hasbruch zur Verfügung.

„In den nächsten drei Jahren sollen 70000 Stück gepflanzt werden“, sagt Kubel. Und die Eichen sollen laut Städing 1,50 Meter groß sein – so haben sie bessere Chancen, gegen Rehböcke und wuchernde Pflanzen zu bestehen.


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