Wohnraum, Möbel und Geschirr gesucht Flüchtlinge in Ganderkesee: „Es brennt an allen Ecken“

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Dringend Wohnraum gesucht: Für eine syrische und eine albanische Familie kann Fachdienstleiter Rainer Henken zwar noch dezentrale Wohnungen zur Verfügung stellen. Wegen der erhöhten Zuweisung von Flüchtlingen wird die Lage in der Gemeinde aber brenzlig. Symbolfoto: dpaDringend Wohnraum gesucht: Für eine syrische und eine albanische Familie kann Fachdienstleiter Rainer Henken zwar noch dezentrale Wohnungen zur Verfügung stellen. Wegen der erhöhten Zuweisung von Flüchtlingen wird die Lage in der Gemeinde aber brenzlig. Symbolfoto: dpa

Ganderkesee. Am Donnerstag kommen eine syrische und eine albanische Familie in die Gemeinde. Heinken kümmert sich um ihre Unterbringung und um die Einrichtung einer Notunterkunft in der Turnhalle.

„Wir kämpfen zurzeit an allen Fronten.“ Das sagt Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen in der Gemeinde Ganderkesee, der im Rahmen der erhöhten Zuweisung von Flüchtlingen für die Gemeinde Ganderkesee am kommenden Donnerstag zehn weitere Flüchtlinge unterbringen muss. Er erwartet eine syrische und eine albanische Familie mit jeweils fünf Personen. Für beide Familien gebe es derzeit dezentralen Wohnraum, so Heinken.

15 Flüchtlinge wöchentlich

Allerdings brennt es nach Angaben des Fachdienstleiters nach wie vor an allen Ecken und Enden, wenn es um das Thema Wohnraum für Flüchtlinge geht– erst recht, wenn laut Landesaufnahmebehörde (LAB) Bramsche ab Mitte August wöchentlich bis zu 15 Personen angekündigt werden und deshalb sogar die Turnhalle am Habbrügger Weg in Ganderkesee als Notunterkunft eingerichtet werden soll. Nach der derzeit laufenden Prüfung durch den Landkreis müsse Heinken die Halle mit Betten ausstatten und unter anderem organisieren, dass die Flüchtlinge mit Essen und Geld versorgt werden.

Möbel für fünf Wohnungen gesucht

Darüber hinaus müsse er die Wohnungen, die er noch in der Hinterhand habe, einrichten. Ab September gehe es beispielsweise um fünf Wohnungen, für die Heinken noch Möbel benötige. Gesucht würden Einzel- und Kinderbetten, Kinderhochstühle sowie Kleinstmöbel. Außerdem würden Küchenutensilien und Geschirr fehlen. Für Spielzeug, Spiele und riesige Schrankwände gebe es dagegen keine Verwendung – zumal er keine Lagermöglichkeit habe, so der Fachdienstleiter. Wer helfen möchte und etwas übrig hat, sollte sich mit Heinken, Telefon (04222) 44509, oder Marieke Purnhagen, Telefon (04222) 44516, in Verbindung setzen.

Marbach erwartet Lösungsvorschläge

„Das ist ein selbst verschuldeter Offenbarungseid bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen“, sagte Ratsherr Christian Marbach gegenüber dem dk zur neuen Situation, bald auch die Turnhalle als Notunterkunft einzurichten. Er erwarte jetzt Lösungsvorschläge von denjenigen, die die Entscheidung getroffen haben, nur 25 Flüchtlinge pro Unterkunft unterzubringen .

Ohne Konzept keine Akzeptanz

Für Jörn Siefkes von der Koordinierungsgruppe in Rethorn, wo derzeit darüber diskutiert wird, maximal bis zu 25 Flüchtlinge im Haus Cristina aufzunehmen , ändert sich seinen Angaben zufolge durch die neue Situation in Ganderkesee nichts. Es sei klar, dass auch in Rethorn – wie überall in der Gemeinde – Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Er fordere allerdings nach wie vor ein Konzept von der Verwaltung. „Und solange kein Konzept vorliegt, akzeptieren wir keinen Flüchtling in Rethorn“, so Siefkes. „Wir erwarten eine professionelle Vorgehensweise. Und wenn man das selbst nicht leisten kann, muss man sich einen professionellen Berater hinzuholen.“ Siefkes sehe es durchaus positiv, dass es am 3. September eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge geben soll. Es deute aber derzeit nichts darauf hin, dass es bis dahin ein Konzept geben werde,

Marbach fragt nach Versicherung

Marbach hat unterdessen als Mitglied der Ratsfraktion UWG/Marbach die Verwaltung per Antrag dazu aufgefordert, vorzustellen, inwieweit „Flüchtlinge und sonstige Personen in Betreuung der Gemeinde und des Landkreises“ einen Versicherungsschutz erhalten können. Denn wenn ein Flüchtling in Ganderkesee beispielsweise durch einen Unfall einen Schaden verursache, blieben die Geschädigten auf den Kosten sitzen, wenn Flüchtlinge nicht versichert seien. Es gebe inzwischen einige wenige Versicherungen, die Kommunen im Rahmen einer Gruppenversicherung speziell für Flüchtlinge anböten. Im Falle eines Beschlusses sei es wünschenswert, diese Vorgehensweise im Landkreis, aber auch übergreifend in den Städte- und Gemeindetag zur Umsetzung dringend zu empfehlen, so Marbach.


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