zuletzt aktualisiert vor

Wolfsberater entnimmt DNA-Probe Möglicher Wolfsriss in Wildeshausen

Symbolfoto: Jürgen BorrisSymbolfoto: Jürgen Borris

Kleinenkneten. Einen möglichen Wolfsriss hat es in Kleinenkneten gegeben: Ein Züchter entdeckte ein totes Kalb auf seiner Weide. Wolfsberater Gerhard Frensel rechnet mit einem starken Zuwachs der Wolfspopulation.

Kleinenkneten. Ein Wolfsriss hat sich möglicherweise in Kleinenkneten ereignet. Highland-Cattle-Züchter Stefan Joachimmeyer entdeckte ein totes, halb aufgefressenes Kalb am Montagvormittag auf einer Weide. Joachimmeyer kann sich kaum vorstellen, dass ein anderes Tier als der Wolf für den Riss verantwortlich sein könnte: „Wer geht sonst an Kälber ran?“, fragt er. Denkbar sein allenfalls ein großer wilder Hund.

DNA-Probe entnommen

Um belastbar feststellen zu können, ob es sich um einen Wolfsriss handelt, hat Gerhard Frensel, Wolfsberater des Landkreises Oldenburg, am Montag eine DNA-Probe entnommen. Sie wird nun im Labor für Wildtiergenetik des Senckenberg-Institutes in Gelnhausen analysiert. Bis das Ergebnis feststeht, kann es laut Frensel mehrere Wochen bis Monate dauern.

Typischer Kehlbiss fehlt

Einen für den Wolf typischen Kehlbiss habe er bei der Untersuchung an dem Kalb, bei der auch die Jägerschaft dabei war, nicht vorgefunden. Allerdings sei das Kalb mit noch nicht einmal 24 Stunden sehr jung gewesen: „Es hat möglicherweise am Boden gelegen, als der Übergriff erfolgte“, sagte Frensel. Der Kehlbiss sei dann typisch, wenn die Beute auf vier Beinen flieht.

Hoffnung auf Entschädigung

Wird am Ende festgestellt, dass es sich um einen Wolfsriss handelt, kann Joachimmeyer einen Antrag auf Entschädigungsleistung stellen. Wenn der Topf der Gelder dafür leer ist, so Frensel, könne es aber auch passieren, dass der Züchter leer ausgeht. „Diese Regelung ist nicht zufriedenstellend.“

In letzter Zeit keine Beobachtungen

Aktuelle Wolfsbeobachtungen habe es im stadtnahen Bereich aktuell nicht gegeben, so der Experte. Vorfälle habe es aber unter anderem auch im Landkreis Diepholz gegeben. Anfang März war bereits ein Wolf in einem Wohngebiet in Wildeshausen gesehen worden.

Population in Niedersachsen könnte auf weit mehr als 100 Wölfe anwachsen

„Wir werden mit Wolfsbeobachtungen künftig zu tun haben, und mit Wild- und Nutztierrissen.“ Im Westen Niedersachsens seien die Hauptnahrung des Wolfs Rehe. Man gehe derzeit von 50 bis 60 Wölfen in Niedersachsen aus – darunter fünf bis sechs Rudel und zwei weitere Paarbildungen. „In wenigen Wochen werden die Welpen aus diesem Jahr zu beobachten sein.“ In diesem Kalenderjahr werde man „weit jenseits der 100 Wölfe in Niedersachsen haben“ – er rechnet bei sechs bis acht Wolfselternpaaren mit jeweils acht bis zwölf Welpen. Von den Welpen gehen ein bis zwei Viertel „im ersten Lebensjahr aufgrund natürlicher Umstände zugrunde“.

Kosten für Schutzmaßnahmen sind hoch

„Wo der Wolf lernt, dass es einfach ist, Nutztiere auf den Speiseplan zu nehmen, gibt es gewisse Probleme“, sagt Frensel. Schutzmaßnahmen hat Joachimmeyer für seine rund 100 Tiere, darunter 25 Kälber, nicht ergriffen. Die Kosten seien so hoch, dass man dann die Tierhaltung aufgeben könne. „Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist“, sagt der Züchter.

Wolfsnachweise in Niedersachsen: Klicken Sie auf die Symbole für mehr Informationen (E = Einzelnachweis; P = Wolfspaar; R = Rudel).


Karte: Google/Sanders


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN