Beratungsstelle dringend nötig Ganderkeseerin unterstützt Stiefmütter mit ihrem Blog

Susanne Petermann zeigt Ansgar Focke ihren Blog im Internet. Focke möchte das Thema landespolitisch aufgreifen. Foto: Tina SpieckerSusanne Petermann zeigt Ansgar Focke ihren Blog im Internet. Focke möchte das Thema landespolitisch aufgreifen. Foto: Tina Spiecker

Wildeshausen/Ganderkesee. Für Stiefmütter gibt es kein Beratungsangebot, klagt Autorin Susanne Petermann. Dieses Thema will CDU-Abgeordnete Ansgar Focke (MdL) nun politisch aufgreifen.

Der Stiefmutter haftet seit jeher etwas Negatives an. Verschlagen, listig, eifersüchtig und sogar mordend wird sie in den alten Märchen dargestellt. Die Realität sieht indes völlig anders aus: Häufig sind es die Stiefmütter, die sich um die Kinder des neuen Partners kümmern, viel Kraft investieren, dabei mit Vorurteilen zu kämpfen haben und innerhalb der Familie stets in die zweite Reihe verwiesen werden. Keine Rechte, keine Unterstützung: Diese bittere Erfahrung haben die Ganderkeseer Autorin Susanne Petermann und rund fünfhundert Frauen, mit denen sie über ihren Internetblog „Stiefmutterblog.com“ Kontakt hatte, auf unterschiedlichste Weise gemacht. Und jede der Frauen klagt über das selbe Problem. „Wir Stiefmütter sind in dieser Situation völlig alleine, es gibt nirgends beratende Hilfe“, so Petermann.

Und tatsächlich: Trennen sich zwei Menschen, so gibt es soziale und psychologische Beratungsstellen, die Eltern und Kinder betreuen können. Auch dann, wenn mit neuen Lebenspartnern Patchworkfamilien entstehen. Einzig für Stiefmütter gibt es kein Hilfsangebot. „Mit meinem Blog habe ich einen Nerv getroffen, ich hatte bisher 40.000 Besucher auf der Seite“, sagt die 52-Jährige, die selbst einen Mann mit drei Kindern geheiratet hat. Die Probleme der Frauen seien vielschichtig, Stolpersteine würden immer auftreten. Komplizierte Terminabsprachen, unterschiedliche Erziehungsansichten, Streitereien der Ex-Partner und der Umgang mit traumatisierten Kindern - die Palette an Problemen ist groß. Unterstützung von Fachkräften gebe es nirgends.

„Die Politik muss ein Zeichen setzen und uns anhören“, fordert Petermann.

Dieses Problem hat der hiesige Landtagsabgeordnete Ansgar Focke (CDU) erkannt und möchte das Thema ins politische Gespräch bringen. „Ich stelle mir vor, dass die Beratung für Stiefeltern in den Familienservicebüros angesiedelt werden kann“, so Focke. Über den niedersächsischen Sozialausschuss möchte er versuchen, die Aufgaben des Familienservicebüros zu erweitern und ein Netzwerk zu bilden. Der nächste Schritt sei dann die parlamentarische Beratung nach den Sommerferien.

Auch auf Kollegen anderer Fraktionen möchte Focke zugehen und diese für das Thema sensibilisieren. Dabei solle es keine politische Kontroverse geben, hier sei ein Schulterschluss aller Parteien gefragt.

Susanne Petermann begrüßte Fockes Pläne, möchte aber selbst auch weiter dazu beitragen, dass sich die Situation der Stiefmütter verbessert. „Es gab keine Literatur zu dem Thema“, sagt die Journalistin. Darum habe sie ein Buch geschrieben. „Du hast mir gar nichts zu sagen – Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge“ erscheint am 20. April im Diana-Verlag. Ihr erstes „Stiefmutterseminar“ unter dem Titel „Fit für den Stiefmutteralltag – Überleben im Patchwork-Dschungel“ gibt die 52-Jährige am 2. Juni in der regioVHS in Ganderkesee.


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