Missstände in der Fleischindustrie SPD beklagt Missbrauch von Werkverträgen

Detlef Kolde berichtete in der SPD-Veranstaltung von unhaltbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie.Foto: Reiner HaaseDetlef Kolde berichtete in der SPD-Veranstaltung von unhaltbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie.Foto: Reiner Haase

Ahlhorn. Die SPD will Werkverträge wieder zur Ausnahme machen. So sollen auch in der Fleischindustrie unwürdige Arbeits- und Wohnverhältnisse bekämpft werden.

Der Mindestlohn ist der SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag ein erster, aber noch unzulänglicher Schritt Richtung menschenwürdiger Arbeits- und Wohnbedingungen für osteuropäische Arbeiter in der südoldenburgischen Fleischindustrie. Der nächste Schritt soll die Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen für Leiharbeit und Werkverträge sein. „Wir wollten ihn schon im Herbst 2014 gehen. In der Koalition wurde aber festgelegt, dass die Beratungen im April beginnen“, so Mittag am Dienstagabend in einer Informationsveranstaltung der SPD in Ahlhorn.

Neu zu regeln sei die Dauer von Werkverträgen, die Mitbestimmung von Gewerkschaften und Betriebsräten und die Scheinselbstständigkeit. „Die Fleischindustrie ist in aller Munde“, sagte Mittag; auch von Menschenhandel sei die Rede. „Es kann nicht sein, dass Firmen ihre Kernkompetenz an Werkvertragsarbeiter von außen abgeben“, assistierte die SPD-Landtagsabgeordnete Renate Geuter der Parteikollegin mit Blick auf das Beispiel Danish Crown in Essen im Landkreis Cloppenburg, wo es dem dortigen SPD-Kommunalpolitiker Detlef Kolde zufolge 400 Festangestellte gibt, aber 1000 Werkvertragsarbeiter den Großteil der Schweine zerlegen.

„Menschenunwürdig“ seien die Arbeits- und Wohnbedingungen tausender Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa in der Fleischindustrie, berichtete Kolde vor 60 Zuhörern, und Bernd Bischof, Kreistagsabgeordneter aus Ganderkesee und Leiter einer Beratungsstelle für Werkvertragsarbeitnehmer, berichtete von immer neuen Ideen der Arbeitgeber, den auszuzahlenden Betrag zu kürzen. Umstritten war allerdings KoldesAussage, dass auch das Wohnen auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes in Ahlhorn gegen die Menschenwürde verstößt. Der Betreiber des Wohnparks bemühe sich sehr um die Menschen und um deren Integration, betonte Bürgermeister Torsten Schmidtke.


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